Mein Leben als Papa

Manchmal spricht die Musik auch ganz für sich allein

„Klick“ und auf Michels Tigerbox läuft mal wieder ein Song von Bummelkasten.
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„Klick“ und auf Michels Tigerbox läuft mal wieder ein Song von Bummelkasten.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (7) und Michel (4).

Ich bin früher gerne auf Konzerte gegangen, habe mir viele CDs gekauft und zu Hause oft Musik gehört. Die Zeiten haben sich geändert. Weil für Konzerte nur noch wenig Zeit bleibt, das Zeitalter der CD zu Ende geht und die Geräuschkulisse mit zwei Jungs zu Hause tendenziell eh immer hoch ist. „Die Stille macht die schönste Musik“, denke ich abends manchmal und schlummere weg. Bewusst höre ich Musik eigentlich nur noch, wenn ich alleine im Auto sitze. Dann gerne laut und aus voller Kehle mitsingend. In letzter Zeit interessieren sich aber auch Hannes und Michel immer mehr für „Papas Musik“, die beim Starten des Motors aus den Boxen dröhnt, wenn sie ins Auto einsteigen.

Für Hannes kann die Mucke gar nicht laut genug sein. Sind E-Gitarren im Spiel, ist es auch Hannes. System of a Down, eine Metal-Band der härteren Sorte, schreckt ihn nicht ab. Am liebsten hört er aber nach wie vor die Toten Hosen. Es macht mich richtig heiter-melancholisch, mit ihm zusammen das neue Best-of-Album der Hosen mit Liedern aus den vergangenen 40 Jahren zu hören. Wenn er Songs mitsingt, die ich schon in meiner Jugend gehört habe.

Natürlich spiele ich ihm nur ausgewählte Lieder vor. Immer mehr habe ich aber das Gefühl, dass er nicht nur die Mitgröl-Lieder, sondern auch die ruhigeren Stücke schätzt. Er hört genau hin und fragt nach, worum es etwa bei „Nur zu Besuch“, das Sänger Campino über seine verstorbene Mutter schrieb, geht. „Das ist wirklich traurig“, merkt Hannes. Andere Hosen-Lieder schaffen es, seine schlechte Laune verschwinden zu lassen. Sogar den nicht einfachen Songs der Indie-Band Tocotronic kann er etwas abgewinnen, obwohl es selbst mir nicht immer gelingt, deren Lieder zu interpretieren. „Das hört sich irgendwie so gruselig-schön an“, findet Hannes.

Auch für Michel spielt Musik gerade eine große Rolle. Vor allem die One-Man-Band Bummelkasten hat sein Herz erobert. Dahinter steckt der Berliner Musiker Bernhard Lütke. Offiziell laufen seine Lieder unter der Rubrik „Kindermusik“, aber sie unterscheiden sich schon deutlich von anderen Songs dieses Genres. Bei Bummelkasten stehen kindgerechte Themen nicht unbedingt im Fokus, es geht um Widersprüchliches – und am Ende wird es immer albern. Wirklich ein Spaß für Kinder und Eltern, was bei Kinderliedern nur selten der Fall ist.

Im Lied „Prinzessin Susi“ zum Beispiel werden zunächst alle weiblichen Klischees aufgezählt. Die Prinzessin kämmt ihre Haare, pflückt Gänseblümchen und liest Schminktipps. Doch dann wird mit den Stereotypen aufgeräumt und es heißt: „Prinzessin Susi steht heute hinterm Grill. Es gibt Pferdesteak mit Ketchup und Ponywurst mit Dill. Jetzt lernst du sie mal richtig kennen: die härteste aller Prinzessinnen!“ Dazu gibt es liebevoll gemachte Videos, die man sich immer wieder anschauen kann. Michel kann alle Lieder mitsingen, auch wenn er sie sicher nicht in Gänze versteht. Macht aber nix.

„Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance“, heißt es. Hannes und Michel tun das.

Alle Teile der Serie gibt es hier.

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in den ST-Geschäftsstellen, im Handel und im Internet:bergisch-bestes.de

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