Andacht im ST

„Manchmal fühl ich mich wie im falschen Film“

JJoachim „Jo“ Römelt ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Dorp.
+
Joachim „Jo“ Römelt ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Dorp.

Heute von Joachim Römelt, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Dorp.

Liebe Leserin,
lieber Leser,

mir tut es immer wieder gut, vor Gott auszusprechen, was mich gerade beschäftigt. Eigentlich muss ich da gar nicht viel sagen: Gott weiß sowieso, was los ist und was ich denke und fühle. Aber mir selber tut es gut, Schönes und Schwieriges vor ihm in Worte zu fassen. Wie in diesem Gebet im Blick auf den kommenden Winter:

Joachim Römelt

„Gott, manchmal habe ich das Gefühl, ich wäre im falschen Film. Und ich frage mich: Wie sollen wir das alles noch bewältigen? Seelisch und gesellschaftlich? Dass eine Krise die andere jagt – und das jetzt seit Jahren? Manchmal kommt es mir vor, als würde nun mit einem Schwall über uns ausgegossen, was wir lange nicht sehen wollten: die politische Lage in Russland, die von uns gemachte Veränderung des Klimas, die Überlastung so vieler Bereiche unserer Gesellschaft. Die Tatsache, dass bei uns immer schon Menschen finanziell am Rand waren. Und jetzt erst recht nicht wissen, wie sie ihr Leben stemmen sollen. Und, ach ja, da ist ja immer noch die Pandemie. Gott, ich bin manchmal einfach ratlos.

Und dann sehe ich unsere Politiker und Politikerinnen. Die mit einer Fülle von Problemen umgehen müssen, wie es sie vielleicht noch nie im selben Moment gab. Ich ahne, was auf ihnen lastet. Ich sehe die Häme, der sie täglich ausgesetzt sind. Und zugleich vieles, was sie lähmt und bindet. Ich bin froh, nicht ihren Job zu haben. Und bitte Dich: Schenk ihnen Mut und Kraft, endlich stark und entschlossen zu tun, was nötig ist! Die Not der Menschen stärker im Blick zu haben als Parteiinteressen und
-prinzipien. Nicht länger zu zögern, sondern mutig zu entscheiden.

Gott, ich bitte Dich nicht darum, dass Du jetzt von oben alles regelst. Wir haben uns so vieles selbst eingebrockt – und müssen da jetzt selber ran. Aber ich bitte Dich um Kraft. Um Mut und Entschlossenheit. Um klare Gedanken – und um genügend Schlaf und Ruhe, um klar denken zu können. Stärke alle Kräfte, die uns zusammenbringen und -halten. Stärke unser Mitgefühl und unsere Solidarität! Mach uns stark und entschlossen im ‚Nein‘ gegenüber einem kriegstreibenden Diktator. Und bewahre uns zugleich davor, in die alte Logik von Aufrüstung und Krieg zurückzufallen. Und in altes Schwarz-Weiß-Denken. Hilf, Wege zum Frieden zu finden. Und mach uns stark für den Winter, damit wir da gemeinsam durchkommen. Bewahre uns davor, gerade jetzt nur uns und unsere Interessen zu sehen. Sondern hilf uns, für andere mit zu sparen. Gerade für die, die es am schwersten haben.

Gott, gerade in dieser Zeit will ich Dich suchen. Dir mein Herz ausschütten. Mich neu mit Dir verbinden. Denn es ist Deine heilende Liebe, die diese Welt jetzt so dringend braucht. Und die wird auch in diesen Zeiten nicht knapp. Du drehst die Pipeline Deiner Liebe nicht ab. Hilf mir, mit Dir verbunden zu sein! Und mit dieser Energie klar zu denken und menschlich zu handeln – gerade in dieser Zeit. Trage uns durch den Winter! Und hilf uns, einander zu tragen. Und übrigens: Tausend Dank – für all das, was auch in diesen Zeiten immer noch da ist und gut funktioniert. Das ist so viel. Lass es uns nicht aus den Augen verlieren. Sondern wahrnehmen. Und stärken. Amen.“

Vielleicht können Sie manchen Gedanken mitsprechen. Vielleicht möchten Sie etwas anders formulieren. Tun Sie es doch einfach!

Ihr Jo Römelt

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen

Kommentare