Bewegtes Berufsleben

Bezirkspolizist Maik Brückmann geht in den Ruhestand

Ende September wird Maik Brückmann in Ruhestand gehen. Bei einer Tasse Kaffee blickte er mit dem Tageblatt auf sein bewegtes Berufsleben zurück.
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Ende September wird Maik Brückmann in Ruhestand gehen. Bei einer Tasse Kaffee blickte er mit dem Tageblatt auf sein bewegtes Berufsleben zurück.

Der Bezirkspolizist war lange Jahre in Mitte und Gräfrath unterwegs und half, viele Probleme zu lösen.

Von Björn Boch

Gräfrath/Mitte. Nicht viele Solinger, vermutet Maik Brückmann, kennen seinen Nachnamen. Das ist dem langjährigen Bezirkspolizisten auch sehr recht. „Für die Menschen bin ich einfach ,der Maik‘“, sagt der 61-jährige Solinger, der Ende September mit dann 62 Jahren in den Ruhestand geht. Er hat den Beruf des Polizisten stets als Pflicht zu helfen verstanden. „Ich habe zu den Leuten gesagt: ,Baust Du hier Mist, hat das Konsequenzen. Aber wenn Du Dich an die Regeln hältst, dann bekommst Du Hilfe.‘“

Einer der wichtigen Vorzüge eines Bezirkspolizisten sei, sich dafür auch Zeit nehmen zu können. „Wenn es mal vier Stunden dauert, bis ein Problem gelöst ist, dauert es eben so lange“, sagt Brückmann. Von 2000 bis 2017 in Mitte, danach in Gräfrath hat er so unzähligen Menschen geholfen. Er hat Probleme mit Behörden gelöst, Wohnungen oder sogar Jobs vermittelt.

Natürlich hatte der Job nicht nur schöne Seiten. Ein „durchgeknallter Familienvater“ habe in den 90er Jahren auf ihn und einen Kollegen geschossen. „Das war sehr knapp“, sagt Brückmann über den Einsatz, der als Familienstreit angekündigt war. Den linken Ringfinger hat Brückmann im Dienst verloren. „Seitdem heiße ich Neunfinger“, sagt er lachend. Es sei immer wichtig gewesen, nichts mit nach Hause zu nehmen, abschalten zu können, um am nächsten Tag wieder 100 Prozent geben zu können.

Bezirkspolizist Maik Brückmann war von 2000 bis 2017 in Mitte im Einsatz, danach in Gräfrath.

Lange nachgelaufen ist ihm ein Einsatz an der Grimmstraße, eine Mutter hatte zwei ihrer vier Kinder erstickt. Das schüttelt selbst er nicht so einfach ab. In schwierigen Zeiten halfen ihm seine Kontakte zu anderen Polizisten, zur Ehefrau und dem Rest der Familie. Brückmanns älteste Tochter und der Schwiegersohn arbeiten ebenfalls bei der Polizei.

Belastend war auch die Zeit rund um den Brandanschlag vom 29. Mai 1993. Er war vor Ort, betreute die Familie Genç. Im Nachhinein stellt er fest: „Anfangs waren alle vollkommen überfordert.“ Es folgten 21 Tage Dienst am Stück, mit Schichten zwischen 12 und 14 Stunden. „Hier ging die Post ab, aber die Polizei konnte viel Vertrauen gewinnen. Im Nachhinein hat der Anschlag Solingen zusammengeschweißt.“

Vertrauen gewinnen war Brückmann immer wichtig, gerade in Bezug auf Migranten. Bewusst ist er freitags immer mit der Uniform in die Moschee gegangen. Um den Menschen die Angst vor der Polizei zu nehmen, die sie teils aus ihrer alten Heimat mitgebracht hatten. Und um zu zeigen, dass da jemand ist, der sich kümmert und hilft. Mit Sorge sieht der 61-Jährige daher die zunehmende Gewalt gegen Polizisten und die teils einseitige Darstellung von Einsätzen in sozialen Medien wie jüngst in Düsseldorf.

„Freundlich, hilfsbereit und verbindlich sein“, mehr brauche es nicht, sagt Brückmann. Viel Zuspruch habe er über die Jahre erhalten. Zum Abschied bedankt er sich „bei allen, mit denen ich zu tun hatte, deren Anerkennung ich bekommen habe, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Das war der geilste Job der Welt.“

„Wer meine Nummer hat, kann mich auch weiterhin anrufen.“

Maik Brückmann, Bezirkspolizist

Ab 1. Oktober fängt Maik Brückmann dann „an zu arbeiten“, wie er scherzhaft sagt. Neben einem Fahrdienst für eine Apotheke und seinem Engagement als Betreuer bei den Handballdamen des HSV Gräfrath und des WMTV führt er gerade Gespräche mit dem Technischen Berufskolleg. Die Idee: Rechts- und Lebensberatung als ehrenamtlicher Lehrer. 14 Jahre lang hat Brückmann dort bereits Präventionsunterricht gegeben.

Und auch seinen alten Job gibt er nicht so ganz auf. „Wer meine Nummer hat, kann mich weiterhin anrufen.“ Damit „der Maik“ auch weiterhin den Menschen helfen kann.

Persönlich

Privat: Maik Brückmann wurde 1958 in Solingen geboren und hat „dreieinhalb“ Kinder, wie er selbst sagt. Aus einer ersten Ehe hat er zwei Töchter, seine zweite Frau hat ebenfalls eine Tochter – und deren beste Freundin sei von ihnen damals quasi adoptiert worden. Brückmann ist außerdem Großvater eines Enkels.

Laufbahn: Der Polizeidienst begann 1976, seit 1979 arbeitete er in Solingen. Lange Jahre war er in einer Soko als Zivilpolizist unter anderem für Drogendelikte zuständig. Ab 2000 war er Bezirkspolizist in Mitte, 2017 wechselte er dann nach Gräfrath.

Wie Solinger ihren Ruhestand verbringen? Anfang 2020 verabschiedete sich der Burger „Dorfsherrif“ aus dem Dienst.

Der Solinger Franz Krämer ist 2016 nach Marokko ausgewandert und hat in der Küstenstadt Essaouira ein neues Zuhause gefunden, wo er seinen Ruhestand genießt.

Noch fühle es sich an wie Urlaub, sagte Andreas Herlinghaus, als er sein Dasein als Pensionär beschreibt. Der Hauptbrandmeister der Solinger Berufsfeuerwehr wurde Anfang des Jahres offiziell verabschiedet.

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