Verhandlung am Oberlandesgericht Düsseldorf

Mafiaprozess: Angeklagter aus Solingen räumt Vorwürfe teils ein

Der Prozess findet in einem hochgesicherten Gebäudes des Oberlandesgerichts Düsseldorf statt.
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Der Prozess findet in einem hochgesicherten Gebäudes des Oberlandesgerichts Düsseldorf statt.

Der Beschuldigte aus Ohligs will in dem Tatkomplex um Kokainhandel eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Die Verteidiger sehen die lange Untersuchungshaft ihres Mandanten derweil kritisch.

Von Kristin Dowe

Solingen. In den Mammutprozess am Oberlandesgericht Düsseldorf gegen 14 Angeklagte, die teilweise der kalabrischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta zugerechnet werden, kommt Bewegung: Der Solinger Angeklagte der Gruppe äußerte sich am Montag über seine Verteidiger Karl-Hermann und Patrick Lauterbach zu den Vorwürfen. Der Italiener aus Ohligs wird selbst nicht dem Mafia-Ableger zugeordnet. Die Vorwürfe gegen ihn räumte er zum großen Teil ein.

Den 14 Beschuldigten wird unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung und der Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in unterschiedlicher Tatbeteiligung zur Last gelegt. Im Zuge der Ermittlungen hatten die niederländischen Behörden im Jahr 2015 gut 80 Kilogramm Kokain im Marktwert von circa 2,5 Millionen Euro auf einem Frachtschiff in Rotterdam beschlagnahmt. Dem 58-jährigen Solinger wirft die Staatsanwaltschaft vor, als Strohmann für eine Scheinfirma in Düsseldorf fungiert zu haben, die sich in Wahrheit dem Kokainhandel in beträchtlicher Größenordnung verschrieben hatte. Zudem soll er Kurierfahrten für Drogentransporte unterstützt haben. Der einschlägig vorbestrafte Solinger befindet sich nunmehr seit Dezember 2018 in Untersuchungshaft – er wurde im Zuge einer europaweiten konzertierten Razzia verschiedener Ermittlungsbehörden in seiner Wohnung in Ohligs festgenommen.

Mafia-Prozess: Ohligser stellte sich als Strohmann zur Verfügung

Am Verhandlungstag vor dem Landgericht Duisburg (der Prozess findet aus Sicherheitsgründen in einem hochgradig gesicherten Gebäude des Oberlandesgerichts Düsseldorf statt) zeigte sich der Ohligser weitgehend geständig. So sei es zutreffend, dass einer der Männer ihn zum Schein als Geschäftsführer der Düsseldorfer Firma akquiriert habe, um den Transport von Drogen zu organisieren. „Natürlich sollte ich hierfür auch finanziell entlohnt werden. Neben Geldzahlungen wurde mir ein Auto unentgeltlich zur Verfügung gestellt“, teilte er der Kammer in seiner Einlassung mit. Somit habe er nur seinen Namen zur Verfügung gestellt, sich aus dem operativen Geschäft aber vollständig herausgehalten.

Im Zuge der Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft verdeckte Ermittler auf den Verdächtigen aus Solingen angesetzt, um seine Bereitschaft zu Drogenkurierfahrten auszuloten. Gegenüber einem der vermeintlichen Komplizen, der in Wahrheit im Auftrag der Behörden arbeitete, hatte der Ohligser behauptet, in der Vergangenheit Drogenkurierfahrten über die belgische Grenze unternommen zu haben. Dies sei aber eine Lüge gewesen, versicherte der Angeklagte. Der verdeckte Ermittler habe ihn mit der Durchführung von Transporten beauftragt, ihn dafür bezahlt und ihm weitere Aufträge in Aussicht gestellt. „Ich hatte daher ein großes Interesse daran, mich ihm gegenüber als erfahrener Kurierfahrer darzustellen, damit ich weitere und womöglich noch besser dotierte Transportaufträge von ihm erhalten würde.“ Tatsächlich habe er aber keinerlei Kurierfahrten unternommen.

Die lange Zeit der Untersuchungshaft für den Mann sehen seine Verteidiger kritisch – zumal das Gericht gerade erst einen anderen Beschuldigten wegen nicht hinreichenden Tatverdachts freilassen musste. „Wir bemühen uns schon seit Wochen um eine Außervollzugsetzung des Haftbefehls unter Auflagen“, sagte Rechtsanwalt Patrick Lauterbach gegenüber dem Tageblatt. Die Freilassung des Mitbeschuldigten könne dafür womöglich den Weg ebnen.

Lesen Sie auch: Mafia-Prozess - Das Kokain kommt mit roten Rosen aus Bogota

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