Gericht

Mafia-Prozess: Das Kokain kommt mit roten Rosen aus Bogota

40 Anwälte und 14 Angeklagte füllen den Saal 1 des Oberlandesgerichts in Düsseldorf. Dort tagt das Landgericht Duisburg. Foto: Philipp Müller
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40 Anwälte und 14 Angeklagte füllen den Saal 1 des Oberlandesgerichts in Düsseldorf. Dort tagt das Landgericht Duisburg.

Mafia-Prozess mit Solinger Angeklagten um 680 Kilo geschmuggeltes Rauschgift wurde fortgesetzt.

Von Philipp Müller

Solingen. Vor dem Duisburger Landgericht wurde am Freitag unter Leitung des Vorsitzenden der 4. Strafkammer, Dr. Jens Luge, der Prozess gegen 14 Angeklagte im Mafia-Prozess fortgesetzt. Die Verhandlung gegen Mitglieder und Unterstützer der ‘Ndrangheta findet im Düsseldorfer Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts statt.

680 Kilo Kokain sollen die Angeklagten zwischen 2015 und 2018 importiert, verkauft oder zumindest bestellt haben. Dabei wirft die Anklagebehörde den mutmaßlichen Tätern einzelne 51 Straftaten vor. Viel Rauschgift sei mittels Schiffscontainern geschmuggelt worden, trug die Staatsanwaltschaft vor. Aber das Kokain soll auch via Amsterdam etwa mit einer Lieferung roter Rosen mit dem Flugzeug gleich kiloweise gekommen sein.

Unter den Angeklagten befindet sich ein zuletzt in Solingen wohnender 57-Jähriger mit italienischer Staatsbürgerschaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als Strohmann für einen der Hauptangeklagten mit Verbindungen in kalabrische San Luca agiert zu haben. Für das Mitglied der ‘Ndrangheta soll er als Geschäftsführer einer GmbH in Düsseldorf Geschäfte abgewickelt haben.

Mafia-Prozess: Das Kokain sollte verflüssigt auf Steinkohle gesprüht werden

Das war laut Anklageschrift eine der Geschäftsideen: Verflüssigtes Kokain sollte auf Steinkohle gesprüht werden und später in Deutschland davon wieder extrahiert werden. Dazu wurde extra der Geschäftszweck der GmbH im Juli 2015 geändert. Import von Holz und Kohle war jetzt möglich. In Schwalmtal wurde dazu laut Staatsanwaltschaft ein Lager angemietet – der Sitz in Düsseldorf gleicht eher dem einer Briefkastenfirma. Ob die Geschäfte und in welchem Umfang erfolgreich waren, lässt die Anklageschrift offen. Zur Last wird dem Solinger allerdings Beihilfe zu einem gescheiterten Import gelegt. 82,5 Kilo wurden in Antwerpen sichergestellt.

„Unser Mandant wird sich zur Sache nicht äußern.“
Rechtsanwalt Gabor Subai

Das Gericht muss die Rolle des Angeklagten dabei klären. Es geht um die Zahlung von 2 Millionen Euro für das Kokain und eine versprochene Erfolgsprämie von 100 000 Euro für den Ohligser.

Mafia-Prozess: Angeklagte sagen wegen Omertà, einem Schweigegelübde, nicht aus

Auf die Mithilfe des Angeklagten braucht die Kammer, die mit drei Richtern und zwei Schöffen besetzt ist, aber nicht zu setzen. „Unser Mandant wird sich zur Sache nicht äußern“, erklärte Rechtsanwalt Gabor Subai. Er ist einer von drei Anwälten des im Dezember 2018 in Solingen verhafteten Angeklagten. Das Team der Rechtsanwälte hatte auch bemängelt, dass ihr Mandant schon so lange in Untersuchungshaft sitze. Gestern machte der Vorsitzende der Kammer deutlich, dass das Gericht wegen der schweren Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und der Fülle an Beweisen an der U-Haft festhalte.

Nicht nur der Ohligser wird schweigen, das wurde bei den Erklärungen der Anwälte im Gericht deutlich. So hält es die Mehrzahl der Angeklagten italienischer Herkunft. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Ermittlungen seien vom Schweigegelübde der Mafia-Clans, der Omertà, geprägt.

Trotzdem will sie im Prozess Aussagen eines Kronzeugen, von verdeckten Ermittlern und Polizisten aus Deutschland, den Niederlanden und Italien zur Beweisführung einführen. Zugleich wurden die von den Tätern verwendeten Krypto-Handys entschlüsselt, der Telefonverkehr abgehört und selbst Innenräume von Pkws überwacht.

Der Solinger Rechtsanwalt Patrick Lauterbach, der den Solinger vertritt, machte Teile seiner Verteidigungsstrategie deutlich. Die Staatsanwaltschaft werde es nicht einfach haben, zu beweisen, dass sein Mandant mehr als ein einfacher Strohmann und Kurier der Organisation sei, gibt er sich zuversichtlich.

Prozess

Insgesamt 91 Prozesstage bis Ende 2021 hat das Landgericht Duisburg angesetzt. In zehn Verhandlungsteilen sollen nun Zeugen, Ermittler und die nicht schweigenden Angeklagten zu den Tatvorwürfen gehört werden.

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