Ohligser soll ‘Ndrangheta unterstützt haben

Mafia-Prozess: Coronaverdacht verzögert Beginn

Einer der Angeklagten verbirgt beim Einzug in den Gerichtssaal sein Gesicht vor den Kameras.
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Einer der Angeklagten verbirgt beim Einzug in den Gerichtssaal sein Gesicht vor den Kameras.

Ein Angeklagter im Mammutprozess um Drogenhandel der ‘Ndrangheta könnte sich mit dem Virus infiziert haben.

  • Mann aus Ohligs muss sich im Mammutprozess verantworten.
  • Er soll Unterstützer der kalabrischen Mafia-Organisation ‘Ndrangheta sein.
  • Seit fast zwei Jahren sitzt der Mann in Untersuchungshaft in Duisburg.

Von Kristin Dowe

Solingen. Denkbar kurz fiel am Montag der Auftakt des Prozesses gegen 14 mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der kalabrischen Mafia-Organisation ‘Ndrangheta – darunter ein Solinger – aus. Ihnen wird unter anderem bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen wird. Grund für die Unterbrechung: Einer der Beschuldigten hatte kurz vor Prozessbeginn Kontakt zu seiner positiv auf Corona getesteten Mutter, so dass er am ersten Verhandlungstag nicht teilnehmen konnte.

Der Prozess findet in Düsseldorf unter strengen Sicherheitsauflagen statt.

Planmäßig soll der Mammutprozess vor dem Landgericht Duisburg am Freitag fortgesetzt werden, doch hängt dies wohl entscheidend davon ab, ob das Gesundheitsamt Köln, das für den betroffenen Beschuldigten zuständig ist, für ihn Quarantäne anordnet. Die Verhandlung wurde aus Sicherheitsgründen in ein hochgradig gesichertes Nebengebäude des Oberlandesgerichts Düsseldorf verlegt.

Mafia-Prozess: Angeklagter aus Solingen ist seit fast zwei Jahren in U-Haft

So harrt der beschuldigte 56-jährige Italiener aus Ohligs weiter seines Schicksals – er befindet sich seit nunmehr fast zwei Jahren in Duisburg in Untersuchungshaft. Im Dezember 2018 wurde er im Zuge einer bundesweiten Razzia gegen die ‘Ndrangheta in seiner Wohnung festgenommen. Zwar wird der Angeklagte selbst nicht der Mafia-Gruppierung zugeordnet, doch soll er aus Sicht der Ermittler deren Großhändler mit Kurierfahrten für Drogentransporte unterstützt und sich zudem als Strohmann für eine in Düsseldorf ansässige Scheinfirma zur Verfügung gestellt zu haben. Unter dem Deckmantel des angeblichen Holz- und Kohle-Importunternehmens, so ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, wollten die Drahtzieher große Mengen Kokain aus Südamerika importieren. Rund 82 Kilogramm Kokain hatten Mitarbeiter der niederländischen Zollbehörden im Dezember 2015 in einem Container in Rotterdam bei einer Kontrolle gefunden und sichergestellt. Der Stoff mit einem geschätzten Marktwert von 2, 5 Millionen Euro war, so der Vorwurf, für die Firma bestimmt, für die der Ohligser auf dem Papier als Geschäftsführer fungierte.

Die verhältnismäßig lange Dauer der Untersuchungshaft für seinen Mandanten gibt dessen Verteidiger Karl-Hermann Lauterbach zu denken. Der Solinger Rechtsanwalt verteidigt den Angeklagten aus Ohligs gemeinsam mit seinem Sohn Patrick Lauterbach sowie einem weiteren Kollegen: „Wir ziehen in Erwägung, vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Es geht auch um die Frage, wie lange man jemanden unter den Umständen der Untersuchungshaft festhalten kann.“ Zu den Vorwürfen einlassen werde sein Mandant sich voraussichtlich nicht, kündigt der Verteidiger an.

Der erste Prozesstag fand am Montag unter strengsten Sicherheitsauflagen statt, wobei das Gericht auch künftig die Regeln der Coronaschutzverordnung zu beachten hat. Angesichts der Vielzahl der Angeklagten, rund 40 Verteidigern und zahlreichen Journalisten und Zuschauern dürfte dies eine organisatorische Herausforderung sein. Die Angeklagten nahmen ihre Plätze hinter einer dicken Scheibe aus Sicherheitsglas ein. Dolmetscher übersetzten das Geschehen über Kopfhörer wahlweise auf Italienisch, Niederländisch oder Türkisch.

Trotz des erheblichen Aufwandes (die Anklageschrift umfasst 649 Seiten) sah sich die Kammer gezwungen, die Hauptverhandlung wegen des Corona-Verdachtsfalls zu unterbrechen. Zwar gelte für das Verfahren „ein erhebliches Beschleunigungsgebot“, doch müssten die Verteidigungsrechte aller Angeklagten beachtet werden, so Richter Jens Luge, der seinen Humor dennoch nicht verloren hatte: „Ich bin dankbar, dass niemand die Akten in Papierform mitgebracht hat. Sonst hätten wir hier keinen Platz mehr.“

‘Ndrangheta

Die ‘Ndrangheta gilt als eine Gruppierung der italienischen Mafia, die in Deutschland vor allem durch die Mafia-Morde in Duisburg im Jahr 2007 bekannt wurde. Damals erschossen Mitglieder der Organisation sechs Menschen vor einer Pizzeria. Die ‘Ndrangehta ist in ganz Europa aktiv, in Deutschland besonders in NRW.

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