Interaktives Theaterstück

Mädchen und Jungen lernen, sich zu behaupten

Das Gymnasium Schwertstraße wurde zur Bühne für das interaktive Theaterstück „Anne Tore – sind wird stark“.
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Das Gymnasium Schwertstraße wurde zur Bühne für das interaktive Theaterstück „Anne Tore – sind wird stark“.

Das Präventionstheaterstück „Anne Tore – sind wir stark“ war am Gymnasium Schwertstraße zu sehen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Durch den übergriffigen Kuss des Sportvereinsvorsitzenden bei der Siegerehrung verwandelte sich das schöne „Ja-Gefühl“ von Anne schnell in Richtung „Nein-Gefühl“. Beim anschließenden Klaps auf den Po festigte sich ihr Empfinden endgültig: Die große Freude, Erste im Schwimmwettkampf geworden zu sein, war dem Zorn über den „blöden Vorsitzenden“ gewichen. Glücklicherweise konnte sie sich ihrem Vater anvertrauen, der ihr aufmerksam zuhörte. „Warum muss geküsst werden, wenn man den Pokal überreicht bekommt? Händeschütteln geht doch auch“ war dann das Fazit dieses ernsten Gespräches.

Die 25 sieben- bis zehnjährigen Sportlerinnen und Sportler, die am Dienstagnachmittag mit Trainern oder Eltern in die Aula an der Schwertstraße gekommen waren, um das Stück „Anne Tore – sind wir stark“ zu erleben, schauten nicht nur zu, sondern brachten sich aktiv durch Mitmachen ein. Mit Farbkarten in Rot, Grün oder Gelb schätzten sie zum Beispiel die Gefühlslage der Protagonisten ein und zogen, je nach Situation, die passenden heraus: Zum Beispiel „Grün“ bei Annes innerem Jubel über den Pokal, „Rot“ beim Küssen.

Auch in die Stimmungen von Tore versetzten sich die Kinder, zum Beispiel als er von seinen Mannschaftskameraden beim Umziehen in der Kabine geärgert wurde: „Rot“ für sein eindeutiges „Nein-Gefühl“ darüber. Danach überlegten sie mit ihm gemeinsam Lösungsmöglichkeiten: Der Trainerin von seinem Stress erzählen? Den Eltern? Oder den Verein wechseln? Umgezogen auf den Patz kommen?

Mit diesem Präventionsstück gegen sexualisierte Gewalt im Sport hatte sich der Sportbund an der Themenwoche „Nein! Zu Gewalt gegen Frauen“ beteiligt, die in Solingen in mehreren Aktionen und Projekten Raum findet. In diesem Jahr hatte sich der Fußballverband Niederrhein als Kooperationspartner angeschlossen, um das bisher kleingeschriebene Thema im Kreis endlich etwas größer zu machen und dafür zu sensibilisieren. Leider konnte eine Teilnahme der ursprünglich angedachten D-Jugend-Mannschaften nicht organisiert werden und so waren andere Sportvereine in den Genuss des Zuschauens gekommen.

„Wir haben den Termin gerne für unsere Kinder wahrgenommen und sind heute Nachmittag hier, statt auf der Herbert-Schade-Anlage“, erzählt Thorben Schwab, Trainer beim Solinger Leichtathletik-Club (SLC). Für ihn ein wichtiger Termin. „Obwohl wir im Verein noch nie mit Vorfällen zu tun hatten“. Seine zehnjährigen Kinder Emilia, Julius und Livio machten, wie auch ihre Sportfreunde, eifrig mit und waren ganz bei der Sache.

Fortsetzung des Stückes „Mein Körper gehört mir“

Nicht nur, indem sie die ihrer Meinung nach passenden „Gefühlskarten“ hochhielten, sondern auch im Anschluss an die Dreiviertelstunde Spiel, als Anne und Tore – dann als Denise Förster und Jens Dornheim – mit ihnen in zwei Workshops tiefer ins Gespräch über das Erlebte kamen. Getrennt nach Jungen und Mädchen, aber jeweils mit den begleitenden Erwachsenen, kamen intensive und lebhafte Gespräche zustande. Klar konnten zum Beispiel viele Mädchen formulieren, wie blöd sie es selbst gefunden hätten, bei der Siegerehrung ungefragt geküsst zu werden.

„Das Ganze ist eine Fortsetzung des schon lange bekannten Stückes „Mein Körper gehört mir“, das seit Jahren in den Schulen gespielt wird, sagte Tore-Darsteller Jens Dornheim. „Nun gibt es seit Kurzem dieses Stück mit dem Fokus auf Alltagssituationen im Vereinssport, bisher noch ein recht unbearbeitetes Terrain.“

Zum Stück

„Anne Tore – sind wir stark“ ist ein zweistündiges Theaterprogramm von der Theaterpädagogin Anja Bechtel, das für Kinder in Sportvereinen im Alter von 8 bis 11 Jahren und für deren Eltern und Trainer des Sportvereins kostenlos angeboten wird. Die Aufführung wird aus Mitteln des Landessportbundes NRW gefördert.

https://t1p.de/r3te2

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