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Lutherkirche: Gerüst ist ein tonnenschweres kompliziertes Statikpuzzle

Hansjörg Schweikhart (2.v.l.) und Josef Teupe (3.v.r.) mit seinen Mitarbeitern vor der eingerüsteten Lutherkirche. Foto: Tim Oelbermann
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Hansjörg Schweikhart (2.v.l.) und Josef Teupe (3.v.r.) mit seinen Mitarbeitern vor der eingerüsteten Lutherkirche.

Die Fassade der Lutherkirche wird für 500 000 Euro saniert. Im Rahmen unserer Stadtteilserie haben wir nach dem Stand der Dinge auf der Baustelle gefragt.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die Lutherkirche ist das Eingangstor nach Höhscheid, auch wenn sie genau genommen noch auf dem Gebiet des Stadtbezirks Mitte steht. „Aber die Lutherkirchengemeinde richtet sich nach Höhscheid aus“, zeigt sich Hansjörg Schweikhart großzügig, ist er doch nicht nur Vorsitzender des Lutherkirchen-Bauvereins sondern auch Bezirksbürgermeister (CDU) im Stadtbezirk Mitte.

Weithin sichtbar findet an der Kirche gerade wieder ein Bauprojekt statt. Das Gebäude ist eingerüstet, damit die Fugen an der Fassade erneuert werden können. Aber auch das Gerüst selbst ist schon ein Kunstwerk. Etwa einen Monat lang hat die Gerüstbaufirma Teupe daran gearbeitet. „Solch ein Sakralbau, der unter Denkmalschutz steht, hat besondere Anforderungen an eine Einrüstung“, erklärt Chef Josef Teupe.

Lutherkirche in Solingen: Firma hat schon den Petersdom in Rom eingerüstet

Eine besondere Herausforderung sei dabei die Symmetrie der Kirche. „Die Lutherkirche hat keine glatte Wand wie andere Kirchen, die aus einem Turm und einem Kirchenschiff bestehen“, so Teupe. Mit dem Turm in der Mitte gebe es überall Vor- und Rücksprünge erklärt er die architektonische Besonderheit.

Mit der Firma Teupe hat man sich deshalb einen Experten nach Höhscheid geholt, der schon in den 1990er Jahren die Lutherkirche bis zur 85 Meter hohen Turmspitze eingerüstet hat und auch das Gerüst bei der Sanierung des Petersdoms in Rom gebaut hat.

Diesmal wird das Gerüst „nur“ etwa 50 Meter hoch benötigt. „Aber es ist trotzdem immer wieder eine Herausforderung, Statik und Windkraft bei so einem großen Stahlgerüst von mehreren hundert Tonnen Gewicht zu berechnen“, so Josef Teupe. Wichtig sei, einen Großteil der Kräfte statisch in den Boden abzuleiten.

An der Lutherkirche werden derzeit die wetterunabhängigen Seiten eingerüstet und saniert. „Wir müssen die Fugen erneuern, denn wenn Wasser zwischen die Natursteine eindringt, kommt es zu Frostschäden“, erklärt Hansjörg Schweikhart das Vorhaben. Denn zwischen dem Ziegelmauerwerk der Kirche und den außen sichtbaren Kalksteinen gebe es teilweise Luft.

Geplant ist, in die waagerechten Fugen Kupferbleche einzuarbeiten und in die senkrechten Fugen kleine Röhrchen, die das Wasser wie ein Kanal abführen. Um alle Teile der Gebäudefassade zu erreichen, muss auch das Gerüst immer wieder zurückspringen, um bis oben an die Fassade zu gelangen. Bis November werden die Sanierungsarbeiten dauern. Insgesamt 500 000 Euro sind dafür veranschlagt.

Mit diesem dritten Bauabschnitt soll die Arbeit an der Fassade der Lutherkirche dann abgeschlossen werden. Seit 2014 wurden im ersten und zweiten Bauabschnitt schon ähnliche Arbeiten an anderen Seiten der Kirche vorgenommen – für insgesamt 1,3 Millionen Euro.

„Aber auch im Inneren der Kirche gibt es noch viel zu tun“, nennt der Vorsitzende des Lutherkirchen-Bauvereins weitere Projekte. Alte Elemente wieder freizulegen, sei solch ein Projekt. „In den 1950er Jahren wurden viele Strukturen verputzt und offene Flächen wie etwa die Fronten der Empore verkleidet“, so Schweikhart. Seit 2015 sei man dabei, diese Dinge wieder freizulegen. „Das, was wir zurückbauen, wird dokumentiert.“ Dass die 1960 eingebaute Orgel einen Teil der Rosette verdecke, sei indes nicht mehr zu ändern.

Bei allen vorsichtigen Veränderungen müsse immer bedacht werden, dass die Lutherkirche eine dreifache Nutzung habe. „Sie ist Gottesdienststätte, Kulturkirche für Konzerte und andere Veranstaltungen, und in ihr finden auch sozial-diakonische Aufgaben wie das Tütenteilen statt“, erklärt Hansjörg Schweikhart.

Für den 1. Oktober ist als größere Veranstaltung die „Nacht der offenen Kirchen“ geplant. Geimpft, genesen, getestet – mit der 3G-Regel soll es wohl Einlass geben. „Aber wir können noch nicht planen, wie viele der 600 Plätze in der Kirche beispielsweise besetzt werden können“, so Schweikhart.

Lesertelefon

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kontakt: Über Anregungen für weitere Themen aus dem Stadtteil Höhscheid freut sich ST-Redakteurin Simone Theyßen-Speich. Sie ist heute zwischen 11 und 12 Uhr unter Tel. 2 99-1 68 für Sie am Lesertelefon erreichbar. Uhrzeitunabhängig können Sie auch gerne eine E-Mail schreiben.

Alle Teile der ST-Stadtteilserie finden Sie hier.

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