Personelle Situation

St. Lukas Klinik ist wieder im Rettungsdienst

ECMO-Geräte zur Sauerstoffanreicherung des Blutes sind, wie hier in Bethanien, auf den Intensivstationen im Dauereinsatz. Archivfoto: Christian Beier
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ECMO-Geräte zur Sauerstoffanreicherung des Blutes sind, wie hier in Bethanien, auf den Intensivstationen im Dauereinsatz.

Die Lage in den drei Krankenhäusern ist weiter kritisch. 79 Corona-Patienten werden stationär behandelt.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die personelle Situation in der St. Lukas Klinik entspannt sich, so dass sich die Klinik in Absprache mit dem Gesundheitsamt und nach drei Reihentestungen der Mitarbeiter wieder zum Rettungsdienst angemeldet hat. Der Aufnahmestopp vor zwei Wochen war nötig geworden, nachdem über 40 Mitarbeiter wegen eines positiven Corona-Tests nicht arbeiten konnten. „Seit gestern werden alle Mitarbeiter vor Dienstbeginn mit einem Schnelltest auf Covid-19 abgestrichen, um rechtzeitig auf eventuelle neue Infektionen reagieren zu können“, erklärte Sprecherin Cerstin Tschirner. Unterstützt wird die Klinik bei den Tests vom Solinger DRK.

Stadtweit gibt es keinen Rückgang bei den Infektionszahlen und damit keine Entlastung in den Kliniken. Im Gegenteil: „Alleine am Donnerstagvormittag hatten wir in Solingen 104 Neuinfektionen“, benennt Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, einen neuen Höchstwert. Die seit Wochen hohe Inzidenzzahl von weit über 200 Infektionen auf 100 000 Einwohner und sieben Tage gerechnet spiegelt sich in den Klinken. „Seit Wochen haben wir zwischen 40 und 60 Corona-Patienten zeitgleich im Haus“, so Bethanien-Chefarzt Prof. Dr. Winfried J. Randerath. „In dieser Woche beispielsweise hatten wir einmal acht ECMO-Behandlungen gleichzeitig.“ Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert.

Aktuell waren gestern Abend in Bethanien 16 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation, weitere 25 auf der Infektionsstation. „Zudem planen wir gerade die Übernahme von fünf Patienten aus der St. Lukas Klinik, um dort bei der Wiederaufnahme der Notfallversorgung für Entlastung zu sorgen“, skizzierte der Chefarzt die gute Kooperation.

Derzeit beobachtet er auch wieder großen Betrieb bei den Tests in der Infektionsambulanz. „Das kann in der Sorge begründet liegen, an Weihnachten jemanden in der Verwandtschaft anzustecken, oder ein Indikator für das hohe Infektionsgeschehen insgesamt sein“, so Randerath. Denn die Situation in Bethanien und in Solingen spiegele im Kleinen immer die bundesweite Corona-Nachrichtenlage wider.

Ähnlich angespannt ist die Lage im Klinikum. Dort gab es gestern 20 Covid-19-Patienten, fünf von ihnen mussten intensivmedizinisch betreut werden. „Insgesamt sind die Infektions- und Intensivstationen zu gut 80 Prozent belegt“, so Klinikum-Sprecherin Karin Morawietz. Dabei handle es sich nicht nur um Corona-Patienten. „Auch andere jahreszeittypische Erkrankungen führen zu mehr Aufnahmen: Herzinfarkte, Schlaganfälle, Pneumonien und innere Blutungen“, berichtete sie.

„Wir müssen äußerst schonend mit allen Ressourcen umgehen.“

Karin Morawietz, Klinikum

Weiterhin angespannt ist auch die Personalsituation, weil zahlreiche Mitarbeiter, vor allem im Pflegedienst, positiv getestet, erkrankt oder in Quarantäne sind. Deshalb werden Fachkräfte der Anästhesie und OP-Fachpflege, die eine entsprechende Qualifizierung haben, auf der Intensivstation eingesetzt. Für die anderen Pflegebereiche bekommt das Klinikum ab diesem Wochenende Verstärkung durch 24 Fachkräfte von Südpark-Klinik, Bundeswehr und DRK.

„Aufgrund der aktuellen Lage wird das reguläre Programm in allen Kliniken heruntergefahren, im Klinikum das Zentral-OP von zehn auf fünf Tische reduziert“, so Morawietz. Das verschaffe etwas Kapazität auf den Intensivstationen. „Wir müssen äußerst schonend mit allen Ressourcen umgehen.“

In der St. Lukas Klinik sind aktuell 23 Patienten mit einer Covid-19-Infektion, zwei werden intensivmedizinisch betreut. In dem Ohligser Krankenhaus seien die regulären Beatmungskapazitäten zu 75 Prozent, die intensivmedizinischen zu knapp zwei Dritteln ausgelastet, so Cerstin Tschirner. 

Standpunkt: Einfach Mensch bleiben 

Von Simone Theyßen-Speich

Das, was Pflegepersonal und Ärzte Tag für Tag in den Kliniken leisten, verdienst allerhöchsten Respekt. Viele von ihnen helfen auf den Intensivstationen aus, leisten Überstunden und übernehmen freiwillige zusätzliche Dienste, damit die Gesundheitsversorgung für uns alle in

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Solingen nicht kollabiert. Wenn dann aus der Kinderklinik die Nachricht kommt, dass eine Nachtschwester, die sich dort die ganze Nacht um die Notfälle der kleinen Patienten gekümmert hat, am Morgen nach dem Dienst ihr Auto von Randalierern demoliert auf dem Frauenparkplatz des Klinikums vorfindet, macht das einfach nur fassungslos. Solch eine ohnehin unbegreifliche und sinnlose Tat ist gerade jetzt besonders schändlich. Gegenseitiger Respekt, Rücksichtnahme, Achtsamkeit den anderen gegenüber, das ist gerade jetzt in der Coronazeit und der Adventszeit besonders wichtig. Oder wie es Oberbürgermeister Tim Kurzbach formulierte: „Einfach Mensch bleiben.“

Lesen Sie auch: Intensivmedizin in den Kliniken ist am Anschlag

In unserem Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

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