Medizinische Behandlung

Lukas Klinik: Ärzte operieren Kinder aus Afghanistan

Die Solinger DRK-Helfer Salvatore Scianna (r.) und Martin Königsmann haben die Kinder nach ihrem Flug aus Afghanistan am Flughafen abgeholt und nach Solingen gebracht. Foto:
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Die Solinger DRK-Helfer Salvatore Scianna (r.) und Martin Königsmann haben die Kinder nach ihrem Flug aus Afghanistan am Flughafen abgeholt und nach Solingen gebracht.

Friedensdorf International und Solinger DRK haben den Hilfstransport ermöglicht.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die Geschäftsführung und das Ärzteteam der St. Lukas Klinik haben nicht eine Sekunde gezögert, als die kurzfristige Anfrage kam, ob das Solinger Krankenhaus zwei schwer verletzte Kinder aus Afghanistan zur medizinischen Behandlung aufnehmen könnte. „Eine Klinik in Thüringen musste absagen, und es war keine Frage für uns, zu helfen, wenn wir helfen können“, erzählt Annika Butzen, stellvertretende Geschäftsführerin der St. Lukas Klinik.

Schon zwei Tage später holten die Helfer des Solinger DRK die zwei Jungen, neun und elf Jahre alt, am Flughafen ab. Organisiert hatte die Hilfsaktion das Friedensdorf International. „Wir sind froh, dass nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan jetzt wieder ein Hilfsflug möglich war“, sagt Uli Preuss, der 2020 für sein jahrelanges Engagement zum Friedensdorf-Botschafter ernannt worden ist.

Nach Beinbruch hat sich der Knochen entzündet

Die beiden Kinder hatten beide schwere Beinverletzungen. „Der Elfjährige hatte sich bei einem Bagatell-Unfall den Unterschenkel gebrochen“, erzählt Dr. Markus Meibert, Chirurgie-Chefarzt und Ärztlicher Direktor der St. Lukas Klinik. Das sei eigentlich eine harmlose Verletzung, aber trotz einer Operation im Heimatland hatte sich eine gravierende Knochenentzündung entwickelt.

Uli Preuss (Friedensdorf, v. l.), Dr. Markus Meibert (Ärztlicher Direktor), Annika Butzen (Stellvertretende Geschäftsführern St. Lukas Klinik) und Dr. Abbas Fallahi (Oberarzt Chirurgie) arbeiten Seite an Seite.

Der andere Junge war in Kabul nach einem Unterschenkelbruch operiert worden. Auch bei ihm hatte sich das Bein entzündet. „Wir haben bei den Operationen die Knochen, die bereits mit Eiter gefüllt waren, aufgebohrt und gespült“, skizziert Oberarzt Abbas Fallahi die ersten Behandlungsschritte. Weitere Operationen werden noch folgen. Abbas Fallahi spricht selbst Persisch, kann sich so mit den Kindern unterhalten.

Neben den hygienischen Bedingungen in den Krankenhäusern in Afghanistan, wo es auch an vielen Materialien fehle, sei die Situation der Kinder selbst ein Problem. „Die Kinder, die wir zur medizinischen Behandlung nach Deutschland holen, kommen alle aus armen Familien und sind oft unterernährt“, schildert Uli Preuss. Auch die Nachsorge nach Operationen, wenn diese überhaupt stattfinden können, sei in der Regel nicht gegeben, ergänzt Dr. Markus Meibert. „Einfache Weichteil- oder Knochenverletzungen können dann lebensgefährlich sein.“ Wenn die stationäre Behandlung in der St. Lukas Klinik abgeschlossen ist, bleiben die Kinder zur weiteren Genesung noch im Friedensdorf in Oberhausen. „Und auch nach ihrer Rückkehr nach Afghanistan begleiten wir mit unseren Partnern vor Ort die Familien, etwa mit Medikamenten und Nachkontrollen“, so Preuss.

Schon seit mehreren Jahrzehnten ist die St. Lukas Klinik als Partner des Friedensdorfes mit im Boot und bietet die kostenlose Operation von verletzten Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten an. „Ich bin beeindruckt, wie stark und tapfer die Kinder sind, die ohne ihre Familie etwa ein halbes Jahr zur Behandlung in Deutschland sind“, so Annika Butzen.

Friedensdorf International

Hilfe: Seit 1967 hilft das Friedensdorf International Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten, seit etwa 40 Jahren werden sie auch in der St. Lukas Klinik operiert.

Hilfsflug: Bei dem aktuellen Flug waren 27 schwer verletzte Kinder an Bord, die auf verschiedene Kliniken verteilt wurden. Finanziert wird die Arbeit aus Spenden.

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