„Chaos oder Liebe“

Kammerspielchen: Lügen und Bösartiges auf der Bühne

Merklich lädiert von den Auseinandersetzungen bei der Boulevard-Komödie „Chaos oder Liebe“ standen die vier Darsteller auf der Bühne des Gräfrather Kammerspielchens und nahmen dankbar den Applaus des Publikums entgegen.

Von Karl-Rainer Broch

Hauptdarsteller und Regisseur Claus Wilcke fasste es in Worte: „Endlich lebt das Theater wieder, und wir spielen weiter in der Pandemie.“ Nach zehn Monaten Zwangspause hatte das kleine Theater wieder geöffnet und setzte den Spielplan des letzten Jahres fort. Theaterleiter Ernst-Werner Quambusch gab zu bedenken: „Wir haben in der Zeit kein Geld gesehen, aber die Kosten laufen weiter. Die Kultur schießt immer Geld dazu, und die Pandemie hat es verschärft.“ Er plant daher nur von Monat zu Monat, aber: „Am 6. Dezember feiern wir unser zehnjähriges Bestehen.“

Für „Chaos oder Liebe“ hatte Wilcke die Vorlage aktualisiert und einen munteren Schlagabtausch zwischen ihm als Paulus und seiner Ex-Frau Janine (Karin Angele) inszeniert, bei dem der überforderte Regisseur Hans-Jürgen (Florian Stübchen) und Theateragent Silvester (Dirk Volpert) mit spitzen, gar bösartigen Bemerkungen den Konflikt noch anheizten. „Paulus“ demütigte seine Partnerin, die bei der seinerzeitigen Trennung aus dem Fenster gesprungen war („aus dem Erdgeschoss“), und spielte auf ihre Vergangenheit als Alkoholikerin („von deiner Fahne bekomme ich eine Säuferleber“) immer wieder an. Sie konterte mit Bemerkungen auf Paulus’ Raucher-Vergangenheit. So wurde auf der Bühne gelogen, dass sich die Balken bogen. Das Publikum hatte seinen Spaß an den vielen doppeldeutigen Sätzen der beiden „egomanischen Raubtiere“, die immer wieder mit viel Wortwitz unter die Gürtellinie zielten, so dass Regisseur Hans-Jürgen ihnen die „geistige Reife von Achtjährigen“ bescheinigte.

Im zweiten Teil wechselte dann das „Chaos“ zur versprochenen „Liebe“, und da hatten Claus Wilcke und Karin Angele ihre großen Momente, als sie ihre ernsthafte Auseinandersetzung über die Beziehung mit einem Liebesakt auf dem Schreibtisch besiegelten. Bewundernswert die schauspielerische Kondition des inzwischen 82-jährigen Wilcke.

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