Mein Leben als Papa

Im Lockdown wird Mamas Wocheneinkauf zum Erlebnis

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Was gibt es Tolleres, als mit den Fingern Löcher in die Verpackung zu stechen und mit den Küchen- und Klopapierrollen anschließend einen Turm zu bauen? Für Hannes nicht viel. Und für Michel auch nicht.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Haben Sie noch die alte Toffifee-Werbung vor Augen? Wo der Papa mit den Kindern auf „wilde Expedition“ durch die Wohnung geht und die Mutter plötzlich aus dem Off sagt: „Aber wenn ich Toffifee ins Spiel bringe – was meinen Sie, was dann passiert? Dann kommen sie ganz schnell wieder nach Hause!“ 

So ähnlich läuft es momentan bei uns ab. Die Mutter spricht allerdings nicht aus dem Off, sondern kommt selbst nach Hause. Und sie bringt auch nicht (nur) Karamellschokolade mit, sondern den ganzen Wocheneinkauf. „Mamaaa“, schallt es ihr entgegen. Dann entreißen Hannes und Michel ihr auch schon die vollen Körbe und Taschen und graben darin nach Schätzen. In diesem Winter-Lockdown ist der Wocheneinkauf für sie ein Wochenhighlight, auch wenn sie ihn nur passiv miterleben dürfen. Wie gerne würden sie selbst mal wieder mitkommen in den Supermarkt.

Eingebunden sind sie natürlich trotzdem. „Habt ihr irgendwelche Wünsche“, fragt die Mama, die in Corona-Zeiten bei uns für die Einkäufe zuständig ist, vor jedem Gang zum Supermarkt. Natürlich wünschen sie sich fast immer Überraschungsei, aber manchmal eben auch andere Überraschungen. „Kokosmilch“ hätte Hannes zum Beispiel gerne. „Ich will mal wissen, wie die schmeckt.“ Und Michel wünscht sich eigentlich immer Weintrauben. Erst dann denkt er an Gummibärchen.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Steht der Einkauf dann vor ihnen, sind ihre Wünsche meist eh vergessen. Dann herrschen eine Lautstärke und ein Gewusel wie bei der Seelöwenfütterung im Wuppertaler Zoo.

„Boah, Banaaanen!“, schreit Michel. Und noch bevor ich erzählen will, dass es in einem Teil von Deutschland früher nur sehr wenige Bananen zu kaufen gab, legt er nach: „Sind das Dicke-Ömmel-Bananen!“ Hannes hat „Eeerdbeeren!“ entdeckt. Und noch bevor ich klugscheißern kann, dass man die zu dieser Jahreszeit ja eigentlich nicht kaufen sollte, haben Michel und er schon eine Beere im Mund. Auch die Freude über „Apfelmuus!“, „Miiilch!“ und „Joghuuurt!“ ist groß und wird nur noch getoppt von Begeisterung für die Küchen- und Klopapierrollen. Was gibt es auch Tolleres, als mit den Fingern Löcher in die Verpackung zu stechen und mit den Rollen anschließend einen Turm zu bauen?

Noch schöner ist es nur, wenn Mama einen Spiderman-Schlafanzug für Hannes und einen Paw-Patrol-Schlafanzug mitbringt. Die wollen selbstverständlich sofort angezogen werden. Genau wie die neuen Zahnbürsten sofort ausprobiert werden müssen. Ginge das doch abends auch so unproblematisch. Während Hannes und Michel sich die Zähne putzen, räume ich mit der Mama den Rest des Einkaufs in den Kühlschrank. „Freilandhaltung“ steht auf dem Eierkarton. Ich hoffe, dass das bald auch wieder für Hannes und Michel gilt.

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