Reaktionen von Verständnis bis Mahnung

Der Lockdown trifft den Handel hart

Gut besucht, aber keinesfalls voll, so zeigte sich die Solinger City am Samstag. Der Handelsverband spricht von einem Umsatz von maximal 60 Prozent gegenüber 2019. Foto: Christian Beier
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Gut besucht, aber keinesfalls voll, so zeigte sich die Solinger City am Samstag. Der Handelsverband spricht von einem Umsatz von maximal 60 Prozent gegenüber 2019.

Es herrschen Verständnis für die Maßnahmen, aber auch Angst vor wirtschaftlichen Folgen.

  • Am Samstag war es in der Solinger Innenstadt nicht allzu voll.
  • Umsatzzahlen blieben laut Umfrage unverändert auf niedrigem Niveau.
  • Solinger Einzelhändler reagieren unterschiedlich auf den bevorstehenden Lockdown.

Von Philipp Müller

Solingen. Ein Ansturm wegen des drohenden Lockdowns erlebte die Solinger Innenstadt am vergangenen Samstag nicht. Es war geschäftig, aber eben nicht proppenvoll. Für den Solinger Einzelhandel ist die Lage in der Corona-Pandemie weiter als sehr ernst zu betrachten. Das ist auch das Ergebnis von Gesprächen, die das Tageblatt mit Händlern in der Innenstadt geführt hat. Es ist jedoch auch weiter so, dass es Geschäfte nicht so hart trifft, wenn sie jetzt ihre Angebote über das Internet vorhalten und sogar liefern können.

Der Einzelhandelsverband bestätigt die Beobachtungen, dass Solingens Stadtteilzentren nicht überfüllt waren. „In der Region haben sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet, dass es am dritten Adventswochenende einen übermäßigen Kundenansturm gab“, erklärte am Samstag Björn Musiol, der stellvertretende Geschäftsführer beim Handelsverband Nordrhein-Westfalen-Rheinland (HVR). Laut den Umfrageergebnissen in der Region Rheinland hätten etwa 44 Prozent der befragten Handelsunternehmen angegeben, bis zu oder unter 60 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum letztjährigen dritten Adventswochenende erzielt zu haben. „Somit blieben die Umsatzzahlen relativ unverändert zu den letzten Wochenenden auf einem niedrigen Niveau“, sagte Musiol.

Der Lockdown löst unter den Solinger Händlern, mit denen das Solinger Tageblatt sprach, ganz unterschiedliche Reaktionen aus, die von vollem Verständnis bis hin zur Mahnung an die wirtschaftlichen Folgen reichen.

Der Juwelier Ralf Reichwein erklärt: „Für mich persönlich ist das sehr wichtig, dass wir das machen.“ Schon das Herunterfahren im Frühjahr habe gezeigt, dass es für die Gesundheit wichtig war und es auch genützt habe. Im Anschluss seien die Kunden wiedergekommen und hätten die Solinger Händler mit ihren Einkäufen unterstützt.

Zudem treffe der Lockdown Handwerksbetriebe wie Juweliere nicht ganz so hart, ergänzt Berthold Hloschek zur Lage. Der Goldschmiedemeister verweist darauf, dass seine Branche viel im Kundenauftrag zum Abholen herstelle. Aber den Verkauf treffe das in einem Jahr, in dem Corona schon viele Löcher gerissen habe, schon: „Das ist das letzte Stück, das jetzt noch wehtut.“

Den Handel treffe der Lockdown sehr hart, erklärt Michael Borgmann von Intersport Borgmann. Es gehe darum, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Wenn dabei feststehe, dass der Handel viele Infektionen hervorrufe, dann müsse da eingeschritten werden. Dafür habe auch jeder Verständnis. Sei dem aber nicht so, sagt Borgmann: „Dann ist der Lockdown das falsche Instrument.“

„Kaufen Sie lokal ein, rufen Sie die Händler an.“

Ralf Kohns, Innenstadt-Händler

Ralf Kohns von Expert Schultes bittet darum, den lokalen Händlern eine Chance zu geben: „Schauen Sie sich die Internetseiten der Solinger Geschäfte an, welche Möglichkeiten es jetzt trotzdem gibt. Kaufen Sie – wenn möglich lokal – ein und rufen Sie die Händler an.“ Er verweist auf die Internetseite „Solingen liefert“.

Waldemar Gluch, Fotofachhändler und gerade neu gewählter Vorsitzender des Initiativkreises Solingen, sagt: „Einige unterschätzen die Bedeutung der letzten Woche des Jahres für den Verkauf.“ Zu Weihnachten würden Geld und Gutscheine verschenkt. Es ginge zudem um das Umtauschgeschäft. Aber er erklärt auch: „Das ist ein schwerer Schlag, den wir hinnehmen müssen.“ Aber die Gesundheit aller – auch die persönliche – gingen jetzt natürlich für die Gesellschaft vor.

Der Lockdown trifft insbesondere die Geschäfte der Innenstadt in einer Phase, in der das City-Sterben nicht nur in Solingen drängend auf der Tagesordnung steht. Corona werde die Notwendigkeit, auf die Situation zu reagieren, noch einmal deutlich verschärfen. Das hatte der Architekt Dr. Holger Pump-Uhlmann schon im Sommer erklärt. Er ist einer der Autoren des laufenden Projekts „City 2030“, mit dem die Stadt auf die Leerstände und überzähligen Verkaufsflächen reagieren will.

Das kommt für den kommenden Lockdown alles natürlich nicht rechtzeitig. Und so erklärt Björn Musiol für den Einzelhandelsverband, dass bereits viele stationäre Einzelhandelsunternehmen zusätzliche Online-Services, wie eine E-Mail-Bestellung, Messenger-Dienste für kurze Anfragen oder Online-Shops inklusive Lieferung anbieten würden. Jedoch könnten von der starken Nachfrage im Online-Handel nicht alle gleichermaßen profitieren. Aber er teilt den Appell von Ralf Kohns, jetzt lokal einzukaufen: „Es wird sich lohnen, sich in der eigenen Region beim Handel zu informieren, welche Serviceleistungen im Falle einer Schließung angeboten werden.“  

Einkaufen in Lockdown-Zeiten

Abhol- und Lieferservice: Bestellte Waren können bei den Geschäftsleuten abgeholt werden. Händler dürfen auch liefern. In der Gastronomie ist das bereits schon seit Anfang November die einzige Möglichkeit, das Geschäft aufrecht zu erhalten. Das Solinger Tageblatt bietet dazu den Service, welche Gastronomen dies anbieten, auf seiner Internetseite. 

Handel: Die Stadt Solingen bietet über die Solingen-App oder auch direkt über die Homepage eine Übersicht, welche Händler mit einem Bestellservice zu erreichen sind: www.solingen-liefert.de

Corona: Schon jetzt gelten viele Regeln zur Bekämpfung der Pandemie in Solingen. Das ST überarbeitet dies stets aktuell. 

In unserem Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Standpunkt: Handel unterstützen

philipp.mueller@solinger-tageblatt.deVon Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Spätestens seit Freitag war der „harte Lockdown“, den die Ministerpräsidentinnen und Länderchefs mit der Kanzlerin gestern beschlossen haben, zum Greifen nah. Ab Mittwoch sollen wir zu Hause bleiben, die Infektionszahlen zwingen zu dieser Bremse im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Für das Weihnachtsgeschäft der eh schon gebeutelten Solinger Einzelhändler ist das bitter. Sie stehen schon in Konkurrenz zu den weltweit agierenden Online-Shops. Sie kämpfen als inhabergeführte Solisten gegen die großen Ketten. Das verlangt jetzt auch kluges und vor allem lokales Handeln von uns Verbrauchern. Bei der Gastronomie laufen die Abhol- und Lieferangebote beachtlich. Das sollte auch beim Handel möglich sein. Der ist auch darauf angewiesen. Insofern sind die vom Handelsverband und dem Solinger Händler Ralf Kohns ausgesprochenen Appelle, weiter lokale Angebote zu nutzen, auch genau richtig. Der Solinger Kunde sollte jetzt auch nicht die Geschäfte bestrafen, deren Internetauftritt nicht optimal ist. Noch gibt es auch das gute, alte Telefon.

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