Kunstverein verwandelt Nazi-Denkmal

Live-Malerei statt Kriegerdenkmal

Die rote Farbe auf den Leinwänden soll das Blut symbolisieren, das durch Krieg und Unrecht fließt.
+
Die rote Farbe auf den Leinwänden soll das Blut symbolisieren, das durch Krieg und Unrecht fließt.

Kunstaktion auf dem Peter-Höfer-Platz soll Geschichte aufarbeiten.

Von Andreas Römer

Solingen. Blutrote Farbe läuft die Leinwand hinunter, immer wieder greifen die Künstlerinnen in die Farbeimer und bringen noch mehr Rot auf. Untermalt von beschwörenden Tönen, inszenieren die Künstlerinnen am Sonntagvormittag in luftiger Höhe eine Verwandlung. Die Leinwände verdecken das von den Nazis 1937 erschaffene „Ehrenmal“ auf dem Peter-Höfer-Platz in Höhscheid. Mit der Aktion „Die Verwandlung“ macht der Solinger Kunstverein auf die Entstehung der Skulptur aufmerksam.

„In Zeiten, in denen der Glaube an die Demokratie an vielen Stellen bröckelt, muss man diese stärken und das geht nicht ohne sich zu erinnern,“ sagte Christa Berger, Vorsitzende des Solinger Kunstvereins. Besondere in Zeiten, in denen Rechte und Nazis wieder an Bedeutung gewinnen, sei es falsch, so etwas wie dieses Nazi-Kunstwerk unverändert zu bewahren. Der Verein fordere eine Informationstafel, die das vom Solinger Bildhauer Harry Stratmann, ein späteres NSDAP-Mitglied, erschaffene Werk einordnet und die geschichtlichen Hintergründe erläutert.

Diese Aktion sei längst überfällig, meint Stadtdirektorin Dagmar Becker (Grüne). „Als Kind bin oft hier vorbeigefahren auf dem Weg zu meiner Oma. Ich fand das immer schon hässlich, habe mir aber nie wirklich Gedanken darüber gemacht“, erinnerte sich Becker. Die Kunstaktion sei ein guter Anstoß sich mit dem Ehrenmal auseinanderzusetzen, die Geschichte aufzuarbeiten. „Wir sind in Solingen zum Glück in dieser Hinsicht auf einem guten Weg“, so Becker weiter. Sie dankte dem Kunstverein, den Künstlerinnen und den rund 60 Interessierten, die der Aktion beiwohnten. Diese werde dazu beitragen, den Ort bewusster wahrzunehmen.

Die Kunstaktion am Sonntag, macht aus dem gewaltverherrlichenden Stratmann-Werk ein temporäres Mahnmal für die Opfer der Nazi-Diktatur, das bis zu 14 Tage so stehenbleiben soll. „Andenken ist wichtig,“ sagte Christa Berger, „aber diese Figur wird den Menschen nicht gerecht“.

Künstler

Gruppe: Die Gruppe der Künstlerinnen trägt den Namen Ester in Anlehnung an eine biblische Überlieferung. Die Künstlerinnen treten unter dem Ester-Pseudonym auf, weil sie Anfeindung durch rechte Kreise ausgesetzt sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Am Freitag öffnet der „Ohligser Supermarkt“
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Entscheidung zwischen Familie und Heim
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Vierjähriger schickt Brief an die Feuerwehr
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld
Lidl eröffnet neue Filiale am Nümmener Feld

Kommentare