Ende einer Ära

Die letzte Solinger Hauptschule schließt

Zur Abschiedsfeier für die Hauptschule Höhscheid begrüßte Rektorin Gabriele Racka-Watzlawek unter anderem Oberbürgermeister Tim Kurzbach (rechts). Heinz Siering, ehemaliger Leiter der Jugendhilfewerkstatt, spielte „Jump Blues“. Foto: Christian Beier
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Zur Abschiedsfeier für die Hauptschule Höhscheid begrüßte Rektorin Gabriele Racka-Watzlawek unter anderem Oberbürgermeister Tim Kurzbach (rechts). Heinz Siering, ehemaliger Leiter der Jugendhilfewerkstatt, spielte „Jump Blues“.

An der Krahenhöhe wurde am Dienstag Abschied gefeiert. Einst gab es elf Hauptschulen.

Von Anja Kriskofski

Noch neun Tage, dann ist die Hauptschule Höhscheid Geschichte. Am 12. Juli bekommen die Schüler der internationalen Seiteneinsteigerklassen ihre Zeugnisse, danach wird die Schule geschlossen. Es ist gleichzeitig das Ende der Hauptschul-Ära in Solingen. Elf Schulen gab es einst in der Klingenstadt, die in den vergangenen Jahren nach und nach ausliefen. Zum Abschied von der Hauptschule Höhscheid fand am Dienstag eine offizielle Feier mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Schulen und Kooperationspartnern statt. „Es tut schon weh“, sagte Rektorin Gabriele Racka-Watzlawek, die in ihrer Rede sichtlich um Fassung rang. Sie geht ebenso wie Konrektorin Ute Dorfmüller in den Ruhestand. Beide erhielten bei der emotionsreichen Feier ihre Pensionierungsurkunden.

Lesen Sie auch: Die letzte Solinger Hauptschule wird im Juli geschlossen

Zehn städtische Hauptschulen sowie eine katholische gab es einmal in Solingen. Mit der Hauptschule Mangenberg begann 2008 das Auslaufen der letzten Hauptschulen: 2012 folgte Ohligs, 2015 Krahenhöhe, in deren Gebäude die Hauptschule Höhscheid zog.

Standpunkt von Anja Kriskofski

Im vergangenen Jahr wurde Central geschlossen, nun Höhscheid. Nicht nur die Politik sei für das Aus der Schulform verantwortlich, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) in seiner Rede. „Es waren auch die Eltern.“ Immer weniger hätten ihre Kinder dort angemeldet. Die Arbeit an den Schulen lobte Kurzbach: „Ich habe selten so engagierte Lehrer erlebt wie an den Hauptschulen.“ Deren Ansatz sollten alle aufgreifen: „Pragmatisch arbeiten und miteinander reden. Und: Wir müssen uns um jeden Einzelnen kümmern.“

Die Abschiedsfeier war liebevoll gestaltet: Schülerinnen, die gerade ihren Abschluss an der Hauptschule Höhscheid gemacht haben, bedienten. Heinz Siering, ehemaliger Leiter der Jugendhilfewerkstatt, spielte mit seiner Frau Brigitte Siering und Winfried Borowski „Jump Blues“. Was an der Schule geleistet wurde, zeigte Konrektorin Ute Dorfmüller mit einem Filmausschnitt: 2017 hatten 20 Schüler aus der Seiteneinsteigerklasse den Tanz „Scheherazade“ auf die Bühne gebracht, begleitet von den Bergischen Symphonikern. „Integration war immer schon Thema bei uns.“

Die Schüler der sogenannten Klug-Klassen, wie die Seiteneinsteigerklassen für Jugendliche mit schlechten Deutschkenntnissen genannt werden, wechseln nun an andere Schulen. „Ich hoffe, dass sie dort weiter so gefördert werden, wie sie es brauchen“, betonte Gabriele Racka-Watzlawek. „Wir dürfen nie das Wohl der Kinder aus den Augen verlieren!“

Jugendhilfewerkstatt sucht nun einen neuen Kooperationspartner

Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie mit dem Schließungsbeschluss hadert: „Es gibt viele Städte im Umkreis, die die Hauptschule behalten wollen.“ Viele Mails hätten sie zum Abschied erreicht, sagte Racka-Watzlawek und zitierte aus dem Schreiben eines Solinger Schulleiters: „Wir verlieren eine sehr wichtige Schulform, die wir dringend brauchen.“

GEBÄUDE

KRAHENHÖHE Die Hauptschule Höhscheid zog 2015 ins Gebäude der Hauptschule Krahenhöhe an der Schützenstraße, die geschlossen wurde. Ab dem kommenden Schuljahr ziehen dort Klassen des Gymnasiums Schwertstraße ein. Dessen Altbau wird voraussichtlich bis 2022 kernsaniert.

Das kann auch Winfried Borowski von der Jugendhilfewerkstatt unterschreiben. Jahrelang hätten Jugendliche, die in seiner Einrichtung betreut wurden, an der Hauptschule Höhscheid die externe Abschlussprüfung abgelegt. „Das geht nun nicht mehr. Wir hoffen, dass sich eine andere Schule findet.“ Es sei eine Tatsache, dass nicht alle Schüler in unserem Schulsystem mitkämen, ergänzte Heinz Siering, ehemaliger Leiter der Jugendhilfewerkstatt.

Lehrerin Birgit Karrenbauer-Mayerhofer hat 2018 die Schließung der Hauptschule Central miterlebt. Nach nur einem Jahr an der Krahenhöhe wird sie an eine Remscheider Hauptschule wechseln. „Ich mache mir Sorgen, ob unsere Schüler an anderen Schulen so betreut werden können, wie sie es brauchen.“ 

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