Rückblick

Das letzte große Hurra in der Klingenhalle

Max Darj (l.) und der Bergische HC bejubeln im Februar einen 28:27-Erfolg über die TSV Hannover-Burgdorf. Es war das bislang letzte Mal, dass die Handballer vor ausverkauftem Haus spielen durften. Foto: Kurt Kosler
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Max Darj (l.) und der Bergische HC bejubeln im Februar einen 28:27-Erfolg über die TSV Hannover-Burgdorf. Es war das bislang letzte Mal, dass die Handballer vor ausverkauftem Haus spielen durften.

Kurz vor Beginn der Krise war die Handballwelt in Ordnung.

Von Thomas Rademacher

Die Handball-Profis des Bergischen HC dürfen auch in diesen Tagen ihrem Job nachgehen. Sie spielen durch den Lockdown, haben im Dezember 9:3-Punkte in der Bundesliga gesammelt – sportlich läuft es bei den Löwen. Doch wie sehr Zuschauer dabei fehlen, beweist ein Blick zurück auf die letzten unbeschwerten Tage vor Beginn der Corona-Krise. Zu Gast in der Klingenhalle war am Nachmittag des 23. Februar die TSV Hannover-Burgdorf. Der BHC stand unter Druck.

Im Gegensatz zur laufenden Saison, in der die Bergischen mit 16:14-Punkten bisher sehr gut dastehen, lief es in der vorigen Spielzeit nicht ganz so gut. Mit 17:29-Punkten waren die Abstiegsplätze sogar wieder nah. Ausgerechnet gegen das Überraschungsteam der Liga, die drittplatzierten Hannoveraner, sollten nun wieder Punkte her. Doch trotz einer überragenden ersten Halbzeit und einem guten Start in die zweite schien dies nicht zu gelingen. Die Gäste holten einen 15:20-Rückstand auf und führten drei Minuten vor Schluss 27:25.

Was dann passierte, glich einem kleinen Handball-Wunder. Fabian Gutbrod verkürzte, Jeffrey Boomhouwer egalisierte das Duell nach einem Ballgewinn per Gegenstoß. Der Moment, als die Kugel zum 27:27 in die Maschen einschlug, ließ auch den abgebrühtesten Handballfan nicht kalt. Seitens der 2506 Zuschauer in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Klingenhalle brach eine Welle der Euphorie auf das Feld nieder. Beflügelt davon verteidigten die Löwen den letzten Hannoveraner Angriff und hatten Glück, als Fabian Böhm für die Gäste nur Zentimeter am Gehäuse vorbeiwarf.

„Dieser Klingenhöllen-Moment wird in Erinnerung bleiben.“
ST-Kommentar vom 24. Februar

So war es der BHC, der zuletzt lachte. Fabian Gutbrod setzte sich durch und brachte die Kugel in Bedrängnis im Tor unter – 28:27-Endstand. Wenig später wurde der heutige Kapitän der Mannschaft im Jubel unter seinen Mitspielern begraben, während sich die Fans in den Armen lagen. Der BHC hatte dem Druck standgehalten, enorm wichtige Punkte gesammelt und ganz kurz alle Sorgen vergessen lassen. „Dieser Klingenhöllen-Moment wird in Erinnerung bleiben. Es sind Schlussszenarien wie diese, die den Handball zu einer der verrücktesten und schönsten Sportarten überhaupt machen“, ließ ich seinerzeit im ST-Kommentar verlauten.

Es sollte das bislang letzte Hurra in der Klingenhalle bleiben. Der BHC holte in den zwei Wochen danach noch einen Punkt, danach wurde die Saison aufgrund der Krise erst unter- und dann abgebrochen. Die sportlichen Erfolge und Misserfolge rückten gänzlich in den Hintergrund. Lange ging es vor allem um die Frage, wann und wie die neue Spielzeit beginnen würde.

Im Oktober war es soweit. Seitdem sind dem BHC viele und zum Teil auch spektakuläre Erfolge gelungen: zum Beispiel der 31:27-Sieg beim SC Magdeburg oder das 30:30 in Hannover, bei dem der BHC in den letzten 70 Sekunden drei Tore zum Ausgleich erzielte. Auch die jüngsten drei Heimspiele in der Klingenhalle entschieden die Löwen für sich. Dass dies trotz inzwischen hartem Lockdown möglich ist, ist ein Privileg, für das die meisten Profisportler sehr dankbar sind. Doch auch sie warten darauf, endlich wieder diese Tollhaus-Atmosphäre aufzusaugen, die es in der Klingenhalle zuletzt am 23. Februar gegeben hatte. Früher oder später wird es passieren. Dann werden die BHC-Fans wohl jeden Sieg so feiern, als sei es der letzte. Man weiß schließlich nie, was noch selbstverständlich ist – das ist eine der bitteren Erkenntnisse 2020.

Gute Seiten 2020

Das ST zeigt in einer kleinen Serie die guten Seiten, die das schwierige Jahr 2020 trotz aller Sorgen hatte.

22. Dezember: Der „Solinger Weg“

23. Dezember: Smart City bringt Solingen voran

24. Dezember: Mehr Tagestouristen in der Stadt

Heute: Der BHC siegt 28:27 gegen Hannover vor ausverkauftem Haus

29. Dezember: Feuerwehr rettet Tauben

30. Dezember: Guter Verlauf der Kommunalwahl – trotz Corona

31. Dezember: Solingen bekommt 7 Millionen Euro vom Land für Schulen

2. Januar: Die Krankenhäuser arbeiten in der Krise gut zusammen

4. Januar: Der Handel stemmt sich einfallsreich gegen die Krise

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