Lesung würdigt berühmte Lyrikerin

„Inspector Barnaby“ liest Else Lasker-Schüler

John Nettles alias „Inspector Barnaby“ las Texte der Dichterin Else Lasker-Schüler auf Englisch im Wechsel mit Claudia Gahrke, die den deutschen Part übernahm, Zentrum für verfolgte Künste. Foto: Christian Beier
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John Nettles alias „Inspector Barnaby“ las Texte der Dichterin Else Lasker-Schüler auf Englisch im Wechsel mit Claudia Gahrke, die den deutschen Part übernahm, Zentrum für verfolgte Künste.

Den 150. Geburtstag der 1869 in Wuppertal geborenen Künstlerin Else Lasker-Schüler feiern viele Länder.

Von Wolfgang Günther

Die Lesetournee mit Gedichten von Else Lasker-Schüler machte Station im Zentrum für verfolgte Künste. „Transitraum Else“ heißt das Projekt, mit dem die Else-Lasker-Schüler Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Solinger Zentrum für verfolgte Künste an das Werk der avantgardistischen Dichterin und an ihr schicksalhaftes Leben erinnert.

Die Idee dazu hatte das Solinger Künstlerduo „Astronautenkost“. Die Schauspielerin Claudia Gahrke ist mit dem Regisseur Andreas Schäfer durch die Welt gereist, um heutige Künstler anzuregen, ein Gedicht aus dem breiten lyrischen Werkverzeichnis der Wuppertalerin einzusprechen, oder sogar mit den beiden Initiatoren als Hommage an Else Lasker-Schüler auf Tournee zu gehen. Gefördert wird das Projekt durch das Berliner Auswärtige Amt.

Zu den bisherigen Schauplätzen dieser Lesungen zählen Veranstaltungen in Stockholm und Zürich. Praktisch hautnah dran an der Geschichte von Verfolgung und Emigration war eine Lesung in der Villa Aurora in Los Angeles. In dieser komfortablen Villa lebte ab 1943 der ebenfalls emigrierte Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der es zu einem Treffpunkt für andere Verfolgte und mehr oder weniger erfolgreiche Emigranten aus Deutschland machte.

Bis heute wurden von den beiden Solinger Künstlern 60 Stimmen von renommierten Poeten, Dramatikern, Sängern und Schauspielern an verschiedenen Orten in aller Welt eingefangen, darunter sind Elfriede Jelinek und Günter Lamprecht.

Lesungen betonen die Freiheit der Kunst in aller Welt

„Diese Lesungen sollen Teil eines sinnlichen Festes für die Freiheit der Kunst sein“, erklärte Andreas Schäfer bei der siebten Station des Gedenkens an Else am Mittwochabend im Zentrum der verfolgten Künste im Meistermann-Saal des ausverkauften Solinger Kunstmuseums. Auch bei der TV-Übertragung in den Ratssaal blieben keine Plätze mehr frei. Zu Gast war der britische Schauspieler John Nettles, bekannt und beliebt durch seine Rolle als TV-Detektiv „Inspektor Barnaby“. Er hatte den „Transitraum Else“ bereits bei dem Gastspiel in London mitgestaltet. Eröffnet hatte den Abend im Kunstmuseum Ulrike Müller, Mitglied der Lasker-Schüler-Gesellschaft, mit einem „Plädoyer für unbequeme Frauen“.

Claudia Gahrke rezitierte wandlungsfähig und tief beeindruckend die Texte und Gedichte von Else Lasker-Schüler in der deutschen Originalsprache.

LASKER-SCHÜLER-LESUNG

SCHAUSPIELER John Nettles ist ein bedeutender Interpret von Rollen auf der Theaterbühne mit der Vorliebe für Shakespeare-Werke. Ausgezeichnet von der Queen wurde er mit dem Orden „Officer of the Order of the British Empire“. Er ist nicht nur Schauspieler, sondern auch studierter Historiker und Autor. Als Ergebnis geschichtlicher Forschung veröffentlichte er ein Buch über die Rolle der britischen Kanalinseln unter deutscher Besatzung während des Zweiten Weltkriegs.

John Nettles war lange Jahre Mitglied der britischen „Royal Shakespeare Company“ und rezitierte die in Englisch übersetzten Gedichte. Die wunderbaren Stimmen der beiden Schauspieler zogen an diesem imponierenden Abend die gebannten Zuhörer immer tiefer in die fantasievolle Lyrikwelt der Else Lasker-Schüler hinein. Bereits im Jahr 1902 hatte sie ihren ersten Gedichtband veröffentlicht. Im Exil in Israel erschien 1943 ihr letzter Lyrikband, benannt nach dem Gedicht „Mein blaues Klavier“. Dort stirbt sie auch im Januar 1945. In einem gemeinsam vorgetragenen Gedicht harmonierten die Stimmen von Gahrke und John Nettles besonders faszinierend.

„Das Zentrum in Solingen ist sehr wichtig.
John Nettles, Schauspieler

Der bekannte britische Schauspieler und Historiker hatte sich tagsüber einen Eindruck vom Zentrum für verfolgte Künste verschaffen können. „Das Zentrum in Solingen ist sehr wertvoll, und trägt dazu bei, diese Künstler nicht vergessen zu lassen“, versicherte der stark an Geschichte interessierte Schauspieler.

John Nettles gab in einem kurzen Gespräch einige Anekdoten aus seiner Karriere als Schauspieler im Theater, Film und Fernsehen zum Besten. So mal eben nebenbei brachte Nettles mit einem Zitat von Winston Churchill auch seine Verachtung für den sogenannten Brexit zum Ausdruck.

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