Unter zehn Prozent „Risiko-Lehrer“

Lehrer in Solingen bereiten den Regelunterricht vor

Schilder zur Einbahnstraßen-Regelung und zum Abstandhalten – Andreas Tempel, Schulleiter an der Alexander-Coppel-Gesamtschule, hofft auf Informationen des Ministeriums, wie genau der Schulstart in zehn Tagen funktionieren soll. Foto: Christian Beier
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Schilder zur Einbahnstraßen-Regelung und zum Abstandhalten – Andreas Tempel, Schulleiter an der Alexander-Coppel-Gesamtschule, hofft auf Informationen des Ministeriums, wie genau der Schulstart in zehn Tagen funktionieren soll.

Schulen arbeiten mit Hochdruck an Konzepten, um alle Schüler wieder unterzubringen.

  • Schülertransporte: Am Dienstag sind Schulleiter bei der Stadt Solingen eingeladen.
  • Differenzierter Unterricht ist auch in Solingen ein wichtiges Thema.
  • Alle Schüler haben Unterricht nach Stundenplan.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. In gut einer Woche startet die Schule. Und nach dem Plan von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) soll es wieder Regelbetrieb geben. Deshalb entwickeln die Solinger Schulleiter und Kollegien derzeit Konzepte, wie man die komplette Schülerschaft und Regelunterricht mit Kontaktminimierung und risikobedingten Lehrerausfällen unter einen Hut bekommt.

Solingen: Es gibt noch viele drängende Fragen

Andreas Tempel, Leiter der Alexander-Coppel-Gesamtschule und aktueller Vertreter der Schulform im Schulleitersprecherrat, vermisst noch die Antworten auf viele drängende Fragen. „Einen klaren Weg, wie die Dinge umgesetzt werden sollen, gibt es vom Ministerium noch nicht“, kritisiert er. Am kommenden Dienstag seien die Schulleiter bei der Stadt als Schulträger eingeladen, um über das Thema der Schülertransporte zu sprechen.

Am Donnerstag will er dann schulintern klären, welche Lehrer an seiner Schule überhaupt einsetzbar sind. „Bei uns war die Zahl der Lehrer, die aufgrund von Vorerkrankungen als Risikogruppe keinen Präsenzunterricht machen konnten, etwa im Mai mit 40 Prozent sehr hoch“, betont er. Auch etliche jüngere Lehrer waren betroffen.

Geklärt werden müsse auch, wie die 1400 Schüler in den verschiedenen Gebäuden an der Wupperstraße geleitet werden müssen, damit es an den Eingängen, auf Schulhöfen und Fluren möglichst wenig Begegnungen gibt. Zudem sehe das Gesamtschul-Modell schon ab Jahrgang 7 erhebliche Differenzierungen anstelle von Unterricht im Klassenverband vor. „Wenn die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können, brauchen wir eine Maskenpflicht“, bringt er seine „große Sorge“ zum Ausdruck.

Differenzierter Unterricht in den Klassen 7 bis 10 und Kurs-unterricht in der Oberstufe ist auch an der Friedrich-Albert-Lange-Schule (Fals) ein wichtiges Thema. „Das geht nicht in Klassenverbänden“, erklärt Schulleiter Peter Wirtz, aber es soll keine Kontakte über die Jahrgänge hinaus geben. Bei unter zehn Prozent „Risiko-Lehrern“ hofft Wirtz, den Regelunterricht gut umsetzen zu können.

Solingen: Alle Schüler haben feste Sitzplätze

Konkret haben alle Schüler Unterricht nach Stundenplan. Es gibt an der Fals feste Sitzplätze und es wird dokumentiert, wer neben wem in welchem Raum sitzt. Ein Nachverfolgungs-Management sei organisiert, um im Falle einer Infektion dokumentieren zu können, welcher Schüler neben wem gesessen hat. Zudem herrsche Maskenpflicht bis zum Sitzplatz. „Gerade bereiten wir auch Schreiben für die Eltern vor“, so Wirtz. Darin wird auch auf die kostenlosen Tests für Kinder, die aus Risikogebieten zurückgekehrt sind, hingewiesen. Das Stichwort der „Kohorten“ hat die Fals von den Legionen des altrömischen Heeres übernommen. Gemeint ist: In ihren gleichbleibenden Kleingruppen sollen die Kinder auch in den Pausen oder bei der Essensausgabe bleiben.

Parallel müssten das Thema Distanzunterricht weiter vorangetrieben und Standards ausgebaut werden. Das betont auch Ulrich Nachtkamp, Leiter des Gymnasiums Schwertstraße. „In den Ferien haben sich Lehrerteams damit beschäftigt, Alternativpläne für den Unterricht zu entwickeln, wenn wegen eines eingeschränkten Betriebs oder einer Schulschließung digitaler Unterricht wieder hochgefahren werden soll“, so Nachtkamp. Technik und Konzepte dafür stehen an dem Innenstadtgymnasium bereit. Auch die angekündigten Laptops für bedürftige Schüler seien wohl vom Schulträger bestellt, sie seien aber noch nicht ausgeliefert. Die Solinger Schulleiter gehen davon aus, dass es in den Tagen vor dem Schulstart noch eine konkrete Vorgabe zur Umsetzung des Regelunterrichts vom Schulministerium geben wird. 

Grundschulen

Start: In den Grundschulen werde der Regelunterricht wie auch in den letzten beiden Wochen vor den Ferien unter Wahrung der Hygieneregeln fortgeführt, so Schulleiterin und Grundschul-Sprecherin Sabine Riffi.

Einschulung: Die i-Dötzchen werden in kleineren Gruppen, teilweise klassenweise, eingeschult. Auch die neuen Fünftklässler, etwa am Gymnasium Vogelsang, werden klassenweise begrüßt.

Standpunkt: Bauchschmerzen bleiben

Von Simone Theyßen-Speich

Auch wenn mit Blick auf Corona Bauchschmerzen bleiben angesichts des Regelschulbetriebs nach den Ferien und des Regelbetriebs in den 93 Solinger Kitas in der Woche darauf – der grundsätzliche Schritt ist richtig und wichtig. Bei der Bekämpfung der Pandemie geht es nicht um Tage oder Wochen.

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Das Thema wird uns noch über Monate und weit ins nächste Jahr hinein begleiten. Bis dahin Kinder und Jugendliche zu Hause zu lassen, ist keine Option. 

Auch wenn digitales Lernen optimiert ist und bedürftige Familien Laptops erhalten, geht „auf Distanz“ nicht alles. Lehrer müssen ihre Kinder „im Blick“ haben, und das geht kaum per Video-Konferenz. Auch der Austausch der Kinder und Jugendlichen untereinander, das soziale Miteinander ist extrem wichtig für die Entwicklung. Die Jüngsten in den Kitas haben in den vergangenen Wochen gelernt, spielerisch den Ernst der Lage zu erfassen. Das müssen jetzt auch die Schüler beweisen. 

90 Millionen Euro gibt die Stadt Solingen derzeit aus, um Schulgebäude zu sanieren, zu erweitern und neu zu bauen. Auch in den Sommerferien geht es weiter. Eine Übersicht über die Bauarbeiten.

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122 Schüler des August-Dicke-Gymnasiums haben ihr Abitur unter besonders schwierigen Voraussetzungen gemeistert.

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