Solinger Schulen

Lehrer sehen Kopftuchverbot kritisch

Die Landesregierung erwägt ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Die Landesregierung erwägt ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren.

Die Schulleiter fürchten, dass die Polarisierung verstärkt würde. Ohnehin seien andere Themen wichtiger.

Von Anja Kriskofski

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) und Staatssekretärin Serap Güler (CDU) lassen ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren prüfen. Auch Ministerpräsident Armin Laschet unterstützt den Vorstoß, der eine Diskussion ausgelöst hat. Weil Mädchen unter 14 Jahren noch nicht religionsmündig seien, könnten sie auch nicht selbstbestimmt entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen wollen. Bei Solinger Schulleitern und den Lehrerverbänden stoßen die Pläne aus Düsseldorf hingegen auf wenig Gegenliebe.

Von einer „komischen Diskussion“ spricht Stephan Mertens, Direktor des Gymnasiums Vogelsang: „Auf der einen Seite wird zurecht Toleranz mit Kippa tragenden Juden eingefordert, muslimischen Mädchen mit Kopftuch soll das gleiche Recht hingegen verwehrt werden.“

URTEIL

VERBOT In NRW gab es schon einmal ein pauschales Kopftuchverbot an Schulen – für Lehrerinnen. Die schwarz-gelbe Landesregierung unter Jürgen Rüttgers (CDU) hatte es 2006 beschlossen. Das Verbot wurde 2015 vom Bundesverfassungsgericht gekippt, nachdem zwei Lehrerinnen dagegen geklagt hatten. Ein pauschales Verbot sei nicht verfassungskonform, urteilten die Richter.

Ein Kopftuchverbot würde nur Probleme schaffen, glaubt Mertens. „Die Polarisierung würde nur verstärkt werden.“ Bei außergewöhnlichen Situationen müsse man das Gespräch suchen. So habe es den Fall einer Schülerin gegeben, die eine andere mit ihren religiösen Vorstellungen unter Druck gesetzt habe: „Missionierung ist natürlich nicht erlaubt. Da muss man Grenzen setzen.“ Das sei in einem Gespräch mit Schülerin und Eltern geklärt worden. An seinem Gymnasium seien es ohnehin nur ältere Schülerinnen, die ein Kopftuch tragen: „Es ist mir kein Fall einer unter 14-Jährigen bekannt.“

Auch an der Albert-Schweitzer-Schule sei das kein Thema, erklärt Schulleiterin Hans-Martin Rahe. „Es gibt nicht mal eine Handvoll Schülerinnen mit einem Kopftuch.“ Ein mögliches Verbot sieht Rahe kritisch. Anders wäre das hingegen bei einer Verschleierung des Gesichts, betont Rahe: „Das ginge gar nicht.“

Das ist auch von Elke Mosebach-Garbade zu hören, die die Geschwister-Scholl-Schule leitet. „Von einem Kopftuchverbot halte ich hingegen nichts. Das würde eher Widerstände schüren.“ An der „Scholle“ gebe es einige Schülerinnen, die ihr Haar verhüllen. „Die sind jedoch mindestens 14 Jahre alt.“ Irritationen habe es deshalb noch nie gegeben. Viel problematischer sei es, wenn muslimische Eltern ihre Tochter nicht auf Klassenfahrt gehen lassen. „Dadurch wird Integration verhindert.“

Gewerkschaft hält andere Themen für wichtiger

Solche Fälle kennt auch Sabine Riffi – allerdings von anderen Religionsgemeinschaften. So hätten Kinder, die den Zeugen Jehovas angehören, ein Theaterstück nicht sehen dürfen, berichtet die Rektorin der Grundschule Uhlandstraße und Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Solingen. Ein Kopftuchverbot hält Riffi für das falsche Signal: „Das ist kein Thema, das in den Schulen wichtig ist.“ Unter den Nägeln würden stattdessen der Lehrermangel, fehlende Plätze in der offenen Ganztagsbetreuung und der Sanierungsstau brennen. An den Solinger Grundschulen gebe es ohnehin kaum Mädchen, die ein Kopftuch tragen. „Wenn, fangen sie erst später damit an“, sagt auch Ulrike Quintar, Rektorin der Grundschule Kreuzweg.

Auch der Verband Bildung und Erziehung sieht ein mögliches Kopftuchverbot für Kinder kritisch. „Wir erziehen unsere Kinder in den Schulen zu einem selbstbestimmten Leben“, sagt der Solinger VBE-Vorsitzende Jens Merten. „Wenn sich Mädchen dann aus eigenen Stücken für das Tragen eines Kopftuches entscheiden, sollte dies ihnen frei stehen.“ Eine Bevormundung durch den Staat würde dem entgegensprechen. Ein von den Eltern ausgeübter Zwang dürfe aber keinesfalls hinter dem Tragen des Kopftuches stehen, betont Merten. „Dann sollte die Schule mit den Eltern in einen Dialog kommen.“

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