Thema Diskriminierung

Lebhafter Austausch mit Ferda Ataman

Die Autorin und Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung Ferda Ataman kam nach Solingen.
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Die Autorin und Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung Ferda Ataman kam nach Solingen.

Christlich-Islamischer Gesprächskreis lud zusammen mit dem katholischen Bildungswerk ein.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Lebhaft und rege war Montagabend der gedankliche Austausch des Auditoriums mit Ferda Ataman, der Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung, im VHS-Forum. Das Thema Diskriminierung stieß auf reges Interesse: Knapp 50 Gäste waren der Einladung zu einem Abend mit der Journalistin und Autorin gefolgt, die erst seit Juli in ihrem Amt ist.

„Nach langer Zeit haben wir wieder ein volles Haus“, sagte Doris Schulz, Vorsitzende des Christlich-Islamischen Gesprächskreises als Gastgeberin und Moderatorin bei der Begrüßung. In Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk und der VHS hatte sie Ataman bereits vor deren Wahl in dieses Amt, nämlich vor Corona, eingeladen, inspiriert durch Atamans Buch: „Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“. Darin setzt sich die Journalistin mit rassistischer Diskriminierung auseinander und versucht ihre Leser und Leserinnen für Sprachgebrauch zu sensibilisieren. Sie sei als Mädchen mit türkischen Wurzeln in Stuttgart geboren und in Nürnberg aufgewachsen, berichtete sie gestern. „Und dennoch hat es der nachdrücklichen Intervention meiner Mutter bedurft, dass ich bei der Einschulung in eine Regelklasse gekommen bin und nicht einer muttersprachlichen zugeordnet wurde.“ Wie oft sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes und ihres Namens nach ihrer Herkunft gefragt worden sein, könne sie nicht zählen.

Als Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung fasst sie sie den Begriff Rassismus weiter und stellt fest, dass „das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, einer Behinderung, der Religion oder Weltanschauung, wegen des Alters, der sexuellen Identität sowie aus rassistischen und antisemitischen Gründen verbietet, aber beispielsweise Benachteiligung wegen des Lebensalters, einer Lebensphase wie etwa Elternzeit oder aufgrund des sozialen Status nicht erfasst.“

Am Montagabend wurde schnell deutlich, dass solche Diskriminierungen tatsächlich im Alltag weit verbreitet sind: Junge Arzthelferinnen, die sich von älteren Patienten nicht respektiert fühlen, eine Seniorin über 75, die vom Vermieter aufgrund ihres Alters die gewünschte Wohnung nicht bekommt, aber auch Kopftuch tragende Lehrerinnen, die von Schulleitungen nicht angestellt werden, „trotz juristischer Vorgabe“. Im Bereich Bildung sei sicher vieles seit den 70er oder 80er Jahren besser geworden, war das Fazit eines intensiven Austausches mit dem Plenum. Und dennoch begegne vielen Kindern mit nichtdeutschen Wurzeln immer noch – mitunter subtile oder gar unbewusste – Abwertung.

Es brauche Zeit, Sprachprägungen zu überwinden

Das Thema Sprache wurde schließlich zum Lackmustest des Abends. Ein Beitrag mit der Frage, wie man Menschen mit anderer Hautfarbe als weiß richtig benenne, wurde von einer Zuhörerin als „falsch“ und „rassistisch“ empfunden. „Was kann ich eigentlich noch sagen, ist dunkelhäutig schon diskriminierend?“, hatte eine Besucherin geäußert – und damit offensichtlich verletzt und verärgert. Man müsse den „Elefanten erst einmal im Raum stehenlassen“, sagte Diakonie-Chefin Ulrike Kilp, die als Zuhörerin im Raum saß und meinte damit, dass es Zeit und Unaufgeregtheit bedürfe, Sprach-Prägungen zu überwinden.

Es sei genau richtig, über solche Konfliktpunkte zu sprechen und sie zu benennen. Nur so könne Bewusstsein entstehen und schließlich Veränderung folgen. Tatsächlich gebe es viele Begriffe, die nicht okay seien, pflichtete ihr Ataman bei. „Wie oft habe ich früher gesagt, eine Handlung sei schwachsinnig, wenn ich damit sagen wollte, sie sei falsch. An solchen Stellen kann und muss jeder reflektieren und nachbessern. Schließlich geht es ja nicht darum, Missstände aufzuzeigen, sondern positiv nach vorne zu arbeiten.“

Hintergrund

Die Journalistin und Buchautorin Ferda Ataman wurde am 7. Juli dieses Jahres zur Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung gewählt. Sie nimmt damit eine unabhängige Stelle im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an. Sie arbeitete als Referentin für den damaligen NRW-Integrationsminister Armin Laschet und war Referatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Als Journalistin schrieb sie für große deutschsprachige Tageszeitungen. 2019 erschien ihr Buch „Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“

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