Wuppertaler Straße

Lebenshilfe Solingen: Neubauplan wird konkreter

Die alten Gebäude auf dem ehemaligen Silag-Gelände müssten im Falle eines Neubaus dort abgerissen werden. Archivfoto: Christian Beier
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Die alten Gebäude auf dem ehemaligen Silag-Gelände müssten im Falle eines Neubaus dort abgerissen werden.

Auch der LVR spricht sich für die Wuppertaler Straße aus – Elternbeirat begrüßt die offene Diskussion.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Pläne der Lebenshilfe Solingen, am früheren Standort des Silag-Geländes an der Wuppertaler Straße in Gräfrath eine neue Werkstatt für Menschen mit Behinderung errichten zu lassen, konkretisieren sich zunehmend. So fand in der vergangenen Woche eine Videokonferenz mit den verschiedenen Gremien der Lebenshilfe und Vertretern des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) statt, der als sogenannter Eingliederungshilfeträger den Neubau zu einem Großteil mitfinanzieren würde. Wie berichtet, wird als Investor für das Projekt der Solinger Unternehmer Siegfried Lapawa gehandelt, der die Werkstatt für die Lebenshilfe bauen und später an die Einrichtung vermieten würde.

Nachdem die Pläne des Vorstands in anderen Organen der Lebenshilfe, etwa beim Elternbeirat und Werkstattrat, polarisierten – insbesondere wurde die eher randständige Lage am Stadtrand von Solingen kritisch gesehen – habe sich nun auch der LVR für den Standort Wuppertaler Straße ausgesprochen. Dieser biete „nach derzeitigem Kenntnisstand als Mietmodell die besten Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Neuaufstellung der Solinger Werkstätten“, heißt es in einer Mitteilung des Lebenshilfe-Vorstands.

„An der Wuppertaler Straße ist am ehesten ein zeitnaher Start möglich.“

Professor Dr. Susanne Schwalen, Vorstandsvorsitzende

Als Teil eines Gesamtkonzepts sollten die Anforderungen an einen möglichen zentralen Berufsbildungsbereich sowie die weitere Nutzung des Standorts Alsenstraße, der zurzeit von Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderung genutzt wird, der Standort des Garten- und Landschaftsbaus in der Ohligser Heide (Langhansstraße) sowie der Standort Südpark für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in die Entscheidung einbezogen werden. Welche Rolle die anderen Standorte also künftig spielen sollen, ist demnach noch unklar.

So entspreche das Gelände in Gräfrath etwa den von der Werkstättenverordnung vorgegebenen Rahmenbedingungen und Förderkriterien des LVR. Es sei ein Vorteil, dass der Hauptstandort in die regionale Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur in Form des Gewerbegebiets eingebunden sei. Zudem sei die künftige Werkstatt mit öffentlichen oder sonstigen Verkehrsmitteln „in zumutbarer Zeit“ erreichbar und es bestünden gute Verkehrsanbindungen. „Außerdem sind an diesem Standort Freiflächen, die unter anderem für Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderung vom LVR gefordert werden, ohne Transport- und Lieferverkehr darstellbar“, argumentiert die Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe, Professor Dr. Susanne Schwalen. Aufgrund der Größe des Geländes könnten sich optional Inklusionsunternehmen ringsum die Werkstatt ansiedeln. Auch die Zeitplanung spiele für den LVR eine wichtige Rolle.

„Am Standort Wuppertaler Straße ist am ehesten ein zeitnaher Start möglich“, so Schwalen. Für den Neubau müssten die alten Backsteinbauten auf dem Areal in jedem Fall abgerissen werden. Alle am Planungsprozess unmittelbar Beteiligten wie der Werkstattrat, der Betriebsrat, der Elternbeirat und die Leitungsebene seien involviert. Eine „breite Informationsveranstaltung und außerordentliche Mitgliederversammlung“ seien außerdem geplant. Die endgültige Entscheidung über die Standortfrage soll im Herbst fallen.

Elternbeirat: Größeres Gelände bietet mehr Möglichkeiten

Überzeugt sei man im Elternbeirat von der Aussicht, die Werkstatt an die Wuppertaler Straße zu verlagern zwar angesichts der eher peripheren Lage noch immer nicht, sagt dessen Vorsitzender Norbert Junge, doch begrüße man die inzwischen „offene Diskussion“ über den Standort. „Wir haben als Eltern zumindest erreicht, dass die Entscheidung nicht im Hinterzimmer gefällt wird.“ Der Pluspunkt des größeren Geländes in Gräfrath sei auch für ihn unstrittig, da es „mehr Möglichkeiten bietet“.

Der Standort Freiheitstraße in Wald berge hingegen den Nachteil, dass die Beschäftigten während der circa zweijährigen Bauphase an einen anderen Ort ausgelagert werden müssten, da der LVR nur einen Neubau, nicht aber einen Umbau mitfinanziere. Was den dritten möglichen Standort am Südpark betrifft, besteht dem Vernehmen nach das Problem, dass die Stadt an der dort befindlichen Eishalle unbedingt festhalten will. „Der Vorstand sollte da noch einmal auf die Stadt zugehen, ob ein Bau dort nicht doch möglich wäre“, appelliert Junge.

Auch der LVR hatte den zentralen Standort am Südpark nach eigenen Angaben lange favorisiert – neben dem unvermeidlichen Abriss der Eishalle habe die Stadt auch ein angrenzendes Grundstück nicht verkaufen wollen, teilte der LVR auf ST-Anfrage mit.

Eishalle

Der seitens der Stadt angestrebte Erhalt der sanierungsbedürftigen Eishalle spielt eine tragende Rolle bei der Standort-Suche der Lebenshilfe für eine neue Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Bei der Verwaltung hieß es zuletzt, die Stadt beabsichtige nicht, die Sportstätte zurückzukaufen, unterstütze die Lebenshilfe aber gerne mit Fördermitteln bei einer möglichen Sanierung. Der Bau einer neuen Eishalle scheiterte bislang an einem geeigneten Investor.

Standpunkt: Lebhafte Debatte fördern

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Kristin Dowe

Egal, ob man sich zum Lager der Befürworter oder der Kritiker des möglichen Standorts Wuppertaler Straße zählt: Es ist für die Lebenshilfe eine anspruchsvolle Aufgabe, ein geeignetes Gelände für die Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu suchen. Denn Grundstücke für ein solches Vorhaben gibt es in Solingen nicht gerade im Überfluss. Für Werkstatt-Beschäftigte mit Behinderung und auch für das Personal mag es eine Enttäuschung gewesen sein, dass sie von dem stets angestrebten und zentral gelegenen Standort am Südpark erst einmal gedanklich Abstand nehmen müssen. Dieser ist zwar offiziell noch im Rennen, doch dürfte das Tauziehen mit der Stadt um die Eishalle weiterhin eine Zwickmühle darstellen. Trotz des internen Richtungsstreits ist es eine positive Entwicklung, dass der Entscheidungsprozess nun offenbar transparent und mit breiter Beteiligung stattfindet. Eine lebhafte Debatte schadet der Lebenshilfe nicht – sie bringt im besten Fall am Ende eine Entscheidung hervor, mit der alle Beteiligten gut leben können. Diese Debatte sollte bewusst gefördert werden.

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