Ist das Leben nicht planbar, gibt Gott Halt

Michaela Röhr ist Pfarrerin der Lutherkirchengemeinde. Fotos: Röhr/Uli Preuss (Archiv)
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Michaela Röhr ist Pfarrerin der Lutherkirchengemeinde. Fotos: Röhr/Uli Preuss (Archiv)

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute die evangelische Pfarrerin Michaela Röhr

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

ich finde Pläne super! Wenn es eine Aufgabe gibt, die zu erledigen ist, ein Problem, das es zu lösen gilt, dann mache ich erst einmal einen Plan: Worum geht es genau? Wer ist einzubeziehen? Was ist bis wann und von wem zu erledigen? Was sollte das Ziel sein?

Dabei ist es völlig gleich, um welche Art von Plänen es sich handelt. Arbeitspläne, Urlaubspläne, Vertretungspläne, Jahrespläne, Predigtpläne, Essenspläne, Pläne über besondere Feiertage wie Weihnachten: Aufgaben, die zu erledigen sind, werden für alle Beteiligten ersichtlich und können verteilt werden. Zum Beispiel befestige ich ein paar Tage vor der Fahrt in den Urlaub ein großes Blatt an unseren Kühlschrank in der Küche. Die Aufgaben, die noch zu erledigen sind, werden dort notiert, in eine Spalte kann jedes Familienmitglied seinen Namen eintragen. Meist achtet der erste, der sich eingetragen hat, penibel darauf, dass auch der Rest sich einträgt. Es funktioniert Jahr für Jahr!

Pläne geben mir im Alltag eine Struktur, sie bieten mir einen Überblick. Große Aufgaben werden überschaubar und handhabbar. Pläne vermitteln mir Sicherheit und damit Halt. Sie geben mir den Eindruck, dass Leben überschaubar ist. Sie ahnen sicherlich schon: Überraschungen sind nicht so mein Ding. Mein Mann dagegen liebt Überraschungen. Und wenn ich so meine Pläne mache, kommt es schon vor, dass er schmunzelt. Besonders dann, wenn es um Pläne für das Private geht. Wenn eines unserer Kinder vor einem Problem stand, das unlösbar schien, sagte ich meistens: Wir machen erstmal einen Plan. Ich hätte auch sagen können, das kriegen wir hin. Beide Sätze vermitteln mir meist das gleiche Gefühl.

„Wenn das Gewohnte wegfällt, wird alles hinterfragbar.“

Der Beginn der Corona-Pandemie hat mich, wie so viele andere auch, in beruflicher und persönlicher Hinsicht vor eine große Herausforderung gestellt und tut es noch immer. Plötzlich waren alle Pläne hinfällig. Mein ganzer Arbeits- und Wochenrhythmus war dahin. Alles musste neu erdacht und überlegt werden. Morgens neu aufgestellte Pläne waren abends überholt. Das war nicht nur anstrengend und machte mich unglaublich unruhig, es macht mich auch unsicher.

Wie würde es morgen sein oder nächste Woche? Was würde weiterhin geschehen? Was war verlässlich? Und was ist verlässlich, wenn sich vieles schnell wieder ändern kann, wie wir im Moment am Beispiel der Region um Gütersloh sehen? Werden wir unsere Pläne, die wir für den Sommer gemacht haben, umsetzen können?

Natürlich weiß ich, dass das Leben an sich nicht planbar ist, sondern ein Geschenk, das sich in jedem Lebensmoment neu ereignet. Das ist faszinierend und beglückend. Wenn sich das Überraschende mit dem Gewohnten die Waage hält, ist es für mich verkraftbar. Wenn aber das Gewohnte, das mir Struktur gibt, wegfällt, wird alles hinterfragbar und fühlt sich nicht mehr wie das Leben an, das ich gerne führen möchte.

Was also hilft in so einer Zeit? Was gibt Halt und Sicherheit? Denn das brauche ich zum Leben. Mir gibt letztendlich das Vertrauen zu einem Gott Halt, der Leben schenkt und immer wieder neu ermöglicht, einem Gott, dem ich wertvoll bin und der mit mir und meinem Leben etwas vor hat. Es ist der Glaube an einen Gott, der bleibt, der er immer war, ist und sein wird und für mich genau darin verlässlich und beständig ist. Nicht nur abends um 19.30 Uhr, wenn ich die Glocken läuten hören, sondern auch immer wieder zwischendurch am Tag halte ich inne und besinne mich auf diesen Gott. Eine gewisse Gelassenheit breitet sich dann in mir aus. Sie lässt mich tief ein- und durchatmen.

Ihre Pfarrerin Michaela Röhr

Zur Person

Michaela Röhr ist seit Juni 2007 Pfarrerin der Lutherkirchengemeinde. Sie ist 48 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Außerdem engagiert sie sich für das Lebensmittelprojekt „Tüten teilen“.

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