Unendliche Geschichte

Lapawa sucht Interessenten für Supermarkt

Auf dem alten Bahnhofsgelände in Gräfrath soll der Supermarkt entstehen. Foto: Christian Beier
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Auf dem alten Bahnhofsgelände in Gräfrath soll der Supermarkt entstehen.

Planung für ein Lebensmittelgeschäft an der Wuppertaler Straße zieht sich weiter hin.

  • Das Thema Supermarkt in Gräfrath beschäftigt Unternehmer und Stadt seit Jahren.
  • Ein Betreiber ist noch nicht gefunden - einigen ist die Fläche zu klein.
  • Siegfried Lapawa hatte das Grundstück zuletzt noch einmal erweitert.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Der Bau eines Supermarktes in Gräfrath entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Unternehmer Siegfried Lapawa bleibt aber verhalten optimistisch. „Wir bleiben bei der Meinung, dass ein Vollsortimenter nach Gräfrath muss“, so der Investor, der in Gräfrath zahlreiche Immobilienprojekte umgesetzt hat.

Aktuell hakt es aber bei dem Versuch, einen Betreiber für den Supermarkt zu finden. Mit drei Interessenten habe er verhandelt. „Sie wollen aber nicht, weil ihnen die Verkaufsfläche zu klein ist“, so der Chef der Silag Handel AG mit Sitz in Solingen und Langenfeld. 2650 Quadratmeter inklusive Getränkemarkt darf der Supermarkt groß werden, so der politische Beschluss.

Jetzt arbeite sein Planungsteam mit Hochdruck an Alternativen. Beispielsweise überlege man, noch einen „Nicht-Lebensmittler“ mit einer Fläche von 600 bis 700 Quadratmetern hinzuzunehmen, um den Standort zu attraktivieren. Eine Verkaufsfläche von insgesamt 3700 Quadratmetern lasse der Standort zu. Die Zusammenarbeit mit der städtischen Verwaltung lobt er dabei ausdrücklich. „Die Verwaltung hat alles getan, um das Projekt zu realisieren.“

„Ich habe 3 Millionen Euro alleine in die Grundstücke investiert.“
Siegfried Lapawa, Unternehmer

Deshalb will der Investor auch an dem Projekt festhalten. „Seit ich vor 15 Jahren mit dem Kauf des alten Bahnhofsgeländes gestartet bin, habe ich insgesamt knapp 3 Millionen Euro in die Grundstücke investiert und in den vergangenen zwölf Jahren etwa 750 000 Euro in Entwicklungskosten reingesteckt“, rechnet Siegfried Lapawa vor. Zuletzt hatte er das verfügbare Grundstück noch einmal erweitert durch den Zukauf des Grundstücks, auf dem früher Tankstelle, Autohandel und Kohlenhändler ansässig waren. „Da wurden alleine 15 000 Liter Altöl gefunden, die entsorgt werden mussten“, so Lapawa. Insgesamt ist das verfügbare Gelände jetzt 8800 Quadratmeter groß.

Wichtig ist ihm, an der Idee eines Vollsortimenters festzuhalten. „Es geht um Lebensmittelhandel mit einer langen Betreiberverpflichtung. Keiner möchte dort Spielhallen oder Billigdiscounter haben.“ Zudem sollen auf dem Gelände 210 überdachte Parkplätze entstehen.

Architekturbüros und ein Projektentwickler seien eingeschaltet, und auch mit der Stadt sei man in einer intensiven Abstimmungsphase. „Wichtig ist aber jetzt, dass der Handel einsteigt und sich ein Betreiber findet“, so seine Hoffnung. Das gestalte sich derzeit, auch wegen der Corona-Pandemie, nicht so leicht.

Erschwerend komme hinzu, dass die Baukosten in den vergangenen fünf Planungsjahren um 25 Prozent gestiegen seien. Auf der anderen Seite forderten Betreiber in den Verhandlungsgesprächen bis zu 30 Prozent Pachtnachlässe. Die Angebote seien durch die Corona-Pandemie massiv zurückgegangen. „Das passt alles nicht so gut zusammen“, so Lapawa, der von einem Zwölf-Millionen-Euro-Projekt ausgeht.

Für die Umsetzung des Projektes fehlen auch noch der erforderliche Bebauungsplan sowie konkretisierende Gutachten unter anderem zu Verkehr und Lärm. Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos) betont: „In Zeiten steigender Baupreise und sehr schnelllebiger Entwicklungen im Lebensmittel-Einzelhandel ist es nachvollziehbar, dass solche Projekte nochmals hinsichtlich der Breite des Angebots und der Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Dafür haben wir Verständnis und wir wissen, dass das auch in anderen Städten so geschieht.“ Man sei in regem Austausch mit dem Investor, auch darüber, wie die Planung angepasst werden kann. „Sobald ein überarbeitetes Konzept des Investors vorliegt, werden wir das Bebauungsplanverfahren einleiten.“

Im vergangenen Jahr hatte zunächst die Wuppertaler Supermarkt-Kette Akzenta Interesse am alten Bahnhofsgelände gezeigt.

Die Hängepartie rund um das Neubauprojekt auf dem Abrissgrundstück dauert bereits seit Jahren an.

Lapawa-Projekte in Gräfrath

Investition: Mehr als 25 Millionen Euro hat der Unternehmer nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren rund um den Gräfrather Ortskern investiert.

Gebäude: Zu seinen Objekten gehören unter anderem der Gräfrather Hof und das sanierte Hotel zur Post. An der Straße In der Freiheit ist 2017 ein Gästehaus mit acht Appartements entstanden. Vollendet ist auch die aufwendige Sanierung der alten Quartiermeisterei an der Gerberstraße.

Siegfried Lapawa, Chef der in Langenfeld ansässigen Silag Handel AG, darf sein an der Straße In der Freiheit gelegenes Lokal „Gräfrather Klosterbräu“ jetzt mit Fug und Recht auch Brauhaus nennen.

Planung: Weitere andere Objekte, darunter auch der Supermarkt an der Wuppertaler Straße, sind in Planung. Für das Supermarkt-Projekt hat Lapawa 3 Millionen Euro in Grundstücke und 750 000 Euro in die Entwicklung investiert, 12 Millionen Euro Investition sind veranschlagt.

Standpunkt: Langer Atem ist nötig

Von Simone Theyßen-Speich

Grundstückskauf, Bebauungsplan und los geht’s mit dem Häuslebau. Dass es leider nicht so einfach ist, zeigt die mittlerweile 15 Jahre andauernde Geschichte um einen Supermarkt in Gräfrath. Dass sich die Gräfrather solch einen Vollsortimenter wünschen, wurde schon mehrfach abgefragt.

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Mit dem Unternehmer Siegfried Lapawa, der schon oft eingesprungen ist, wenn es in Gräfrath etwas zu Sanieren oder zu Bauen gab, fand sich auch ein Käufer für die passenden Grundstücke. Seitdem zieht sich das Projekt aber dahin. Lange wurde diskutiert, wie groß solch ein Geschäft, einige hundert Meter vom historischen Ortskern entfernt, sein darf. 

Das wurde per politischem Beschluss begrenzt, Betreiber hätten es aber gerne größer. Der Bahnhof-Abriss zog sich hin, auch notwendige Gutachten zu Verkehr und Lärm stehen noch aus. Somit gibt es auch noch keinen Bebauungsplan. Und jetzt hat die Corona-Pandemie auch noch das Interesse der Lebensmittel-Betreiber gebremst. Bleibt zu hoffen, dass Politik, Verwaltung und Investor weiter einen langen Atem haben – und die Gräfrather noch mehr Geduld. 

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