Herausforderungen für Bauern

Landwirte in Solingen beklagen hohe Betriebskosten

Landwirt Karl-Otto Dickhoven auf seinem Hof in Rupelrath. Er sieht durch die Inflation viele Herausforderungen für die Bauern.
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Landwirt Karl-Otto Dickhoven auf seinem Hof in Rupelrath. Er sieht durch die Inflation viele Herausforderungen für die Bauern.

Trotz gestiegener Preise bei vielen Erzeugnissen sehen Landwirte eher negative Effekte durch die Ukraine-Krise.

Von Kristin Dowe

Solingen. Auch wenn die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse spürbar gestiegen sind, sehen die Landwirte im Bergischen überwiegend negative Effekte für ihr Geschäft durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Wirtschaftlich sei die Situation bei weitem nicht so profitabel, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, betont Karl-Otto Dickhoven, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Solingen. So hätten die Landwirte in vielen Bereichen mit höheren Betriebskosten zu kämpfen – sei es für Energie, Düngemittel, Maschinenersatzteile oder Treibstoff. „Das kommt für uns aufs Gleiche heraus, es ist quasi ein Nullsummenspiel.“

Ein Lichtblick sei immerhin, dass das wechselhafte Wetter der vergangenen Tage mit einigen Niederschlägen gute Ausgangsvoraussetzungen für die kommende Ernte böte, wenngleich eine verlässliche Prognose noch nicht möglich sei. „Für Futtermittel wie Gras, Mais und Zuckerrüben sieht es bisher ganz gut aus, obwohl das Klima insgesamt noch zu trocken ist. Das Problem beschäftigt uns ja schon seit Jahren.“

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Beim Blick auf die Ukraine-Krise teilt Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, die auch für Solingen zuständig ist, im Wesentlichen die Einschätzung seines Kollegen Dickhoven. Insbesondere bei Stickstoff-Düngemittel seien rasante Preissteigerungen zu beobachten. „Im Herbst kostete eine Tonne Düngemittel noch rund 360 Euro, im Frühjahr lag der Preis schon bei über 1000 Euro.“ Auch sei die Landwirtschaft dringend auf den derzeit extrem teuren Diesel-Kraftstoff angewiesen. „E-Trecker gibt es ja noch nicht“, bringt Dahlmann das Problem auf den Punkt. Erschwerend hinzu kämen Lieferengpässe etwa bei dringend benötigten Bauteilen für Maschinen. „Wir versuchen, uns irgendwie durchzuhangeln.“

Derweil begrüßt Dahlmann zumindest den zuletzt gestiegenen Auszahlungspreis für Kuhmilch: Rund 60 Cent erhielten die Milchbauern aktuell für einen Liter von den Molkereien, zuvor waren es nur 35 Cent. Die Veränderungen dürfte auch der Verbraucher beim Einkauf spüren – so liegt der Literpreis für Kuhmilch im Handel aktuell bei knapp einem Euro, bei Bio-Produkten zumeist schon bei über einem Euro.

Auch bei den Erzeugern saisonaler Produkte wie Spargel und Erdbeeren herrscht nach Dahlmanns Einschätzung alles andere als Jubelstimmung. Insbesondere spanische Ware zu Dumpingpreisen habe den Erdbeerbauern im Bergischen in diesem Jahr das Geschäft verhagelt. „Die hatten etwa 30 Prozent weniger Umsatz als 2019, also das Jahr vor der Corona-Pandemie.“

„Wir versuchen, uns irgendwie durchzuhangeln.“

Martin Dahlmann, Kreisbauernschaft Mettmann

„Sehr zufrieden“ mit der Erdbeerernte in der nun endenden Saison zeigt sich hingegen Marc Meinsma, Landwirt beim Bauernhof Meinsma. „Wir haben insgesamt sehr gut verkauft. Das hat vielleicht auch mit unserem Direktverkauf zu tun − andere Erzeuger, die den Handel beliefern, hatten durchaus Absatzprobleme.“ Bei dem Gräfrather Familienbetrieb ist die Erdbeerernte am kommenden Wochenende abgeschlossen.

Trotz der gestiegenen Betriebskosten der vergangenen Monate bemühe sich das Unternehmen darum, die Preise nicht maßlos zu erhöhen, betont Marc Meinsma. Der Liter Diesel ist mit 2 Euro doppelt und Düngemittel inzwischen dreimal so teuer wie im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sind auch die Löhne gestiegen. Diese Kosten können wir nicht 1 zu 1 auf die Verbraucher umlegen.“ Preissteigerungen im nächsten Jahr könne der Landwirt dennoch nicht ausschließen, falls die Betriebskosten weiteranziehen. Beim Konsumverhalten beobachte er generell den Trend: „Die Leute sind momentan sehr vorsichtig und preisbewusst.“

Hintergrund

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Solingen hat sich in den vergangenen 50 Jahren stark reduziert. „Früher gab es bei uns circa 70 Betriebe“, schätzt Karl-Otto Dickhoven, heute seien es noch knapp ein Drittel davon. Ein Schwerpunkt vieler Solinger Höfe ist die Pensionspferdehaltung, während die Viehhaltung wenig verbreitet ist.

Standpunkt von Kristin Dowe: Qualität hat ihren Preis

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Auch wenn Verbraucher die Preissteigerungen für viele landwirtschaftliche Erzeugnisse längst beim wöchentlichen Einkauf im Portemonnaie bemerken dürften − als Profiteure der Ukraine-Krise kann man die Landwirte im Bergischen sicherlich nicht bezeichnen. Vielmehr sind sie gezwungen, die höheren Betriebskosten zu einem gewissen Teil auf ihre Produkte umzulegen, wenn sie wirtschaftlich arbeiten wollen.

Der hohe Dieselpreis stellt in der schwierigen Gemengelage einen besonderen Kostenfaktor dar. Gleichzeitig erwarten Politik und Gesellschaft von den Betrieben einen nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft für mehr Klimaschutz und Tierwohl. So will etwa die Ampel-Koalition die Anbindehaltung von Rindern bis 2030 abschaffen. Das ist der richtige Weg, doch all diese Reformen bedeuten für die Landwirte hohe Investitionen.

In Krisenzeiten müssen Verbraucher sich deshalb mehr denn je bewusst machen, dass Nachhaltigkeit und Qualität ihren Preis haben.

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