Landwirte und Gärtner ärgern sich über Hundekot

Bereitet Bauern oft Sorge: Hundekot – ob mit oder ohne Plastiktüte – gehört nicht auf landwirtschaftlich genutzte Äcker.Foto:Christian Beier
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Bereitet Bauern oft Sorge: Hundekot – ob mit oder ohne Plastiktüte – gehört nicht auf landwirtschaftlich genutzte Äcker.

Die Zahl der Hunde ist im vergangenen Jahr gestiegen – und damit auch ein stinkendes Problem

Von Valeria Schulte-Niermann und Leon Hohmann

215 Hunde wurden 2019 und 2020 jeweils neu in Solingen angemeldet. 10 209 Vierbeiner hatte die Stadt somit für das vergangene Jahr registriert. Für manche Berufsgruppen ergibt sich dadurch ein Problem. Und zwar ein stinkendes. Der Hundekot bleibt immer öfter liegen – teils auch bereits verpackt in einer Plastiktüte.

Gerade Letzteres hat zugenommen, findet René Nitsch, der als Pfleger im Tierheim arbeitet. Seit Jahren falle ihm auf, dass der Kot zwar verantwortungsvoll gesammelt werde, dann aber der volle Beutel liegen bleibt. „Das ist die Speerspitze des menschlichen Verstandes“, sagt er.

Doch es ist nicht nur eine Sache der Verantwortung, die Hinterlassenschaften des Hundes einzusammeln, viel mehr auch die Pflicht der Halter. Wer den Hundekot nicht wegmacht, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Ein Vergehen kostet auf Straßen und Wegen 35 bis 100 Euro, auf Spiel- und Sportplätzen 50 Euro. Die Strafe kann erhöht werden, wenn Hundehalter mehrfach handeln. 2020 erhob die Stadt zwei Bußgelder in Höhe von jeweils 50 Euro.

Bei der Stadt gehen regelmäßig Beschwerden von Bürgern über Hundekot auf Bürgersteigen ein. Oft werde das Vergehen nur nicht geahndet, da der Verursacher nicht ermittelt werden könne. „Kaum ein Hundehalter ist so dreist und lässt seinen Hund in Sichtweite eines uniformierten Kollegen sein Geschäft verrichten, ohne es dann zu entfernen“, berichtet Stadtsprecherin Birgit Wenning.

Aber nicht nur auf öffentlichem Grund sorgen die „Tretminen“ für Ärger. Menschen, die in grünen Berufen tätig sind, also beispielsweise Landwirt, Gärtner oder Baumpfleger, stören die tierischen Exkremente auch auf Wiesen, die häufig Privatgelände sind.

Zum einen ist da das stinkende Problem, wie Landwirt Peter Daniel Bruchhaus vom Biobauernhof Bäckershof berichtet. Vom duftenden Gras beim Mähen bleibe nicht viel, wenn der Trecker durch einen Hundehaufen fährt und alles zu stinken beginnt. Der Kot verschmiert das Heu, das er als Futter seinen Tieren gibt, und das ist nicht gerade appetitlich. Ähnliches berichten die Technischen Betriebe (TBS). Denn wenn sie öffentliche Wiesen mähen, würde der Hundekot durch die Luft geschleudert.

Zum anderen kann das Kotproblem für Bauern einen finanziellen Verlust bedeuten. Denn: Wo Hunde seien, würden auch Stöckchen geworfen, berichten einige Landwirte. Vom Acker gelangen die Äste in die Futtermischmaschine, lassen diese frühzeitig verschleißen und können so für zusätzliche Kosten in Höhe von Tausenden Euro sorgen.

Schnellen Verschleiß könne es auch dann geben, wenn Hunde auf Äckern Löcher graben. In das Loch könne der Heuwender einsinken, würde einen Schlag bekommen und die Maschine verschließe sich, was sie schneller abnutzen lasse. Und: Die aufgeschüttete Erde vom Lochgraben kann durch Mähdrescher und Co. ins Heu gelangen. Darin lebende Clostridien können bei Kühen zur tödlichen Vergiftungskrankheit Botulismus führen.

Daher weist Landwirt Peter Daniel Bruchhaus darauf hin, dass auf landwirtschaftlichen Flächen das Betreten zum Zwecke der Erholung nicht gestattet ist. So stehe es auch in der Betretungsbefugnis des Landschaftsgesetzes. Für Bruchhaus ist in Bezug auf Felder klar: „Grünland ist Lebensraum, den man in Ruhe lassen soll“.

In Privatgärten hat sich Gartenbauer Ingo Sperling von Exclusiv-Gestaltung schon öfter in Kot gekniet. Ein Projekt musste er abgeben, weil der Garten zu schlimm aussah. „Ich kann von meinen Mitarbeitern nicht verlangen, dass sie das wegräumen“, sagt er. Auch in gepflegten Gärten komme es vor, dass Hunde an Pflanzen urinieren, die dadurch überdüngen und eingehen. „Das sieht und riecht man vor allem“, sagt Sperling.

„Ich kann von meinen Mitarbeitern nicht verlangen, dass sie das wegräumen.“

Gartenbauer Ingo Sperling über Hundekot in Privatgärten

Im Gegensatz zu Gärtnern haben Baumpfleger den Kot nicht nur an der Kleidung, sondern auch am Arbeitsmaterial. An jedem Baum müssten Menschen arbeiten und vor allem Seile werden schon mal am Boden entlanggezogen. Es erschwere und verlängere die Arbeit, wenn jeder Haufen aufgesammelt werden muss. „Es ist eine Frage der Höflichkeit, das wegzuräumen. Hundekot muss nicht dort sein, wo Menschen sich bewegen“, sagt Frank Rheinwald von Baumpflege Rheinwald.

Sein Angestellter Thomas Hainski erzählt: „Es gab schon Leute, die haben genau gesehen, dass wir da arbeiten, laufen und Seile herumliegen. Die haben ihren Hund dahin machen lassen und es nicht weggemacht.“ Bei einer Rodung musste er schon einmal mit Kot gefüllte Beutel aus Hecken sammeln, damit diese nicht im Häcksler landeten.

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