Kunst

Die Kunst muss neue Fenster öffnen

Bettina Heinen-Ayech möchte mit ihrer Kunst ihren Blickwinkel auf die Natur zeigen und zugleich neue Horizonte für das Denken und Empfinden aufzeigen. Foto: Uli Preuss
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Bettina Heinen-Ayech möchte mit ihrer Kunst ihren Blickwinkel auf die Natur zeigen und zugleich neue Horizonte für das Denken und Empfinden aufzeigen.

Bettina Heinen-Ayech feierte ihren 80. Geburtstag. Die Malerin will den Blick auf die Dinge ändern.

Von Philipp Müller

Sie pendelt seit mehr als 50 Jahren zwischen den Kulturen. Die Solinger Malerin Bettina Heinen-Ayech lebt nicht nur weiter in ihrer Heimatstadt, dort verbringt sie meist den Sommer. Sie arbeitet schon wieder in Algerien, ihrem längst zur zweiten Heimat gewordenen Land, an ihren Aquarellen. Im September feierte sie ihren 80. Geburtstag.

Aus diesem Anlass würdigte die Villa Stahmer in Georgsmarienhütte die Malerin. Im November wird in Algier eine Retrospektive ihres Schaffens gezeigt. Ein algerischer Autor arbeitet an einem dritten Bildband mit ihren Kunstwerken. Kurz: „Bettina“, so ihr kurzer Künstlername, steht noch mitten im Leben, hat sich alles andere als zurückgezogen. Jedoch sagt sie beim Besuch des Tageblatts in ihrem Höhscheider Fachwerkhaus auch: „Ich male weniger“. Was man kaum glauben mag, denn sie strotz vor emotionaler Energie.

Die Kunst sei heute wichtiger denn je. Dabei versteht sie sich nicht als politische Künstlerin. Aber die Erfahrungen aus den beiden Kulturkreisen, dazu ihre ständigen Reisen im Mittelmeerraum, haben ihren Blick auf die Bedeutung der Kunst geschärft.

„Die Kunst ist wichtig. Sie muss neue Fenster öffnen. So öffnet sie den Blick auf Dinge, die wir vorher nicht gesehen oder auch einfach nur übersehen haben.“ In Bezug auf die Toleranz und den Respekt vor den anderen könne die Kunst gut helfen. Es gehe eben darum, die Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten. So schule die Kunst das Verständnis für die Daseinsberechtigung der anderen Menschen – egal ob vertraut oder fremd. Aber das stelle auch einen Anspruch an die Kunst selbst: „Das kann ein Bild nur schaffen, wenn es wirklich gut ist.“

Bettina Heinen-Ayech ehrt das Werk des Malers Erwin Bowien

Schon früh erkannte der damals in Solingen lebende Maler Erwin Bowien das Talent der damals 17-jährigen Gymnasiastin der August-Dicke-Schule. Er fördert sie, bestärkte sie, an verschiedenen Kunstakademien ihre Technik über das Studium zu festigen. Der Mentor wurde später in einem weiteren Tätigkeitsfeld der Malerin ganz wichtig. Sie gründete eine Gesellschaft, die das Andenken an das Schaffen des Malers bewahrt. Dabei unterstützt Haroun Ayech seine Mutter. Der heute in München praktizierende Arzt ist die große Stütze der Künstlerin.

Doch wenn sie malt – „ich gehe dazu immer raus“ – und dazu den kreativen Zustand sucht, dann will sie alleine sein. „Beim Malen bin ich in einer anderen Welt“, erzählt sie. Dabei könne sie erst recht „keinen Small Talk mehr brauchen“.

Ihre Maltechnik ist so überhaupt nicht am Mainstream orientiert. Ihren Aquarellen fehlt komplett die Luftigkeit, die die Technik eigentlich auszeichnet. Die Farben auf Wasserbasis trägt sie kräftig wie Tempera, Öl oder Acryl auf. Das verleiht den Landschaftsbildern zunächst einmal eine ganz besondere Leuchtkraft.

Man merkt schnell, in all den Jahrzehnten ihrer Malerei hat Heinen-Ayech nie ihren einmal eingeschlagenen Weg verlassen, zunächst über die Farbe zum Landschaftmotiv zu kommen. Und die Farben wirken stark übertrieben, fast grell. Dabei seien die starken Farbkontraste meist genau geplant.

DIE MALERIN

LEBEN Bettina Heinen-Ayech kam am 3. September 1937 in Solingen als viertes Kind des Journalisten und Lyrikers Hanns Heinen zur Welt und wuchs in einem alten Fachwerkhaus in Höscheid auf. Dort lebt sie noch heute. Außerdem hat sie seit 1963 einen Wohnsitz in Algerien. AUSSTELLUNGEN Sie stellte im In- und Ausland aus. 1963 beispielsweise im Klingenmuseum, 1973 in Casablanca im Goethe-Institut, 2004 in Algier mit einer Retrospektive.

Denn „Bettina“ empfindet sie in der Natur. „Ich sehe das genauso farbig, wenn ich draußen bin. Für mich erscheint alles in diesen kräftigen Tönen. Und dann male ich sie auch so“, sagt sie. Das mag auch mit der an Trance erinnernden Haltung zusammenhängen, die sich während des Malprozesses ergibt. Das ist sicher auch ein Grund, warum sie weniger malt. „Das ist ja auch sehr anstrengend, wenn ich male“, betont sie.

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