Internationale Bergische Kunstausstellung

Kunst hält als Kitt die Gesellschaft zusammen

Die 74. Internationale Bergische Kunstausstellung wurde gestern mit der Verleihung des Bergischen Kunstpreises eröffnet. OB Tim Kurzbach (v. l.), Preisträger Max Pimpernelli, Laudator Dr. Thomas A. Lange und Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut begrüßten 50 Gäste. Foto: Christian Beier
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Die 74. Internationale Bergische Kunstausstellung wurde mit der Verleihung des Bergischen Kunstpreises eröffnet. OB Tim Kurzbach (v. l.), Preisträger Max Pimpernelli, Laudator Dr. Thomas A. Lange und Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut begrüßten 50 Gäste.

Nationalbank-Vorstand Dr. Thomas A. Lange eröffnet Ausstellung – er überreicht 1000 Euro Hilfe an jeden ausstellenden Künstler.

Von Philipp Müller

Der Vorstand der Nationalbank, Dr. Thomas A. Lange, wollte schon resignieren. Um kurz vor 19 Uhr sagte er auf dem Vorplatz des Gräfrather Kunstmuseums: „Der kommt nicht mehr, darauf gebe ich Brief und Siegel.“ Gemeint war Max Pimpernelli, der Preisträger des Kunstpreises der 74. Internationalen, den Langes Bank mit 5000 Euro dotiert hatte und am Dienstagabend überreichen wollte. Umstehende gaben Lange recht. Galgenhumor machte sich breit, dass der Termin ausfallen müsse, dass das Preisgeld andere erhalten sollten. Dann schlenderte der 30-Jährige lässig um die Ecke, tauschte die gelbe gegen eine schwarze Baseball-Kappe – die Feier zum Start der Ausstellung konnte starten.

„Es ist ein Teilversagen, der Kunst so zuzusetzen.“

Dr. Thomas A. Lange, Vorstand der Nationalbank und Laudator

Die Eröffnung der „Bergischen“ war nicht nur aus diesem Grund anders als die 73 Male davor. Kein Großereignis mit vielen Vertretern aus Gesellschaft, Politik, Kunst und Sponsoren des Hauses wurde es in Gräfrath. Die Künstler mit Familie und Freunden waren gekommen. Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut konnte schließlich rund 50 Gäste begrüßen, die auf Corona-Abstand im Neubau Platz nehmen durften.

Gekommen war auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), der die Direktorin und ihr Team dafür lobte, dass es die Ausstellung überhaupt gibt. Das sei im März, als das Museum geschlossen worden war, auch nicht sicher gewesen, hatte Elbracht-Iglhaut vorab erklärt. Aber es habe den unbedingten Willen gegeben, die Jurysitzung mit anschließender Schau zu organisieren.

Auch Thomas Lange erfreute das sichtlich. In seiner Laudatio würdigte er den Preisträger Max Hölter, der den Künstlernamen Max Pimpernelli trägt, für sein Bild „dancing clown“. Das sei auch ein Symbol für die Corona-Zeit. Der Clown stehe für die Spannung, das Unerwartete und doch für das lustige Happy-End.

Lange nutzte seine Rede, um auf die Bedeutung von Kunst und Kultur hinzuweisen. „Das ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.“ Er sparte auch nicht mit Kritik an der Corona-Politik. Mit dem Satz „Es ist ein Teilversagen, der Kunst so zuzusetzen“ spielte er auf verfehlte Hilfe-Programme für die Künstler an, die diese nicht wirklich erreichen würden. Er hatte auch die Veranstaltungsbranche dabei im Blick, die ebenfalls durch die Freiheit der Kunst „ein integraler Bestandteil der Gesellschaft“ sei. Und weil es in Bezug auf die in der „Bergischen“ vertretenen Künstler an Geld mangelt, versprach er allen 1000 Euro Hilfe von der Nationalbank. Damit nicht genug: Im kommenden Jahr werde die Nationalbank 100 Jahre alt. Dann werde der Kunstpreis mit 10 000 Euro dotiert. Passt. Das Kunstmuseum wird 25 Jahre alt und die Bergische erlebt ihre 75. Auflage. Die werde weiterhin international sein, erklärte Elbracht-Iglhaut. Diese Bezeichnung schlage sich bereits jetzt in der 74. Ausstellung nieder: Künstler mit Wurzeln in Russland, Chile oder den Philippinen nähmen teil, sie hätten etwa in Newcastle, Melbourne aber auch am Bauhaus in Weimar studiert.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erscheinen, der die 16 Künstler beziehungsweise Künstlergruppen vorstellt und ihre Werke erklärt. An jeder Station der Künstler hängt ein QR-Code, der auf digitale Inhalte zum Künstler und seinen Werken führt.

www.kunstmuseum-solingen.de

Aktionstag

Vergünstigter Eintritt: Am Sonntag, 27. September, können Kunden der Sparkasse und Inhaber der ST-Karte zum halben Preis die Ausstellung besuchen. Um 11.15 und 14 Uhr gibt es an diesem Tag Führungen durch die Schau.

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