Theater

Wie Verschwörungstheorien entstehen

Amal (l.) dringt nicht mehr durch zu ihrer Schwester Hanife, die an Verschwörungstheorien glaubt.
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Amal (l.) dringt nicht mehr durch zu ihrer Schwester Hanife, die an Verschwörungstheorien glaubt.

Inszenierung „Dunkle Mächte“ zu dem brisanten Thema zog kaum Publikum an.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Nur 25 Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs des Hildener Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium saßen im Pina-Bausch-Saal. Schade, denn das von der Berliner Autorin für das Westfälische Landestheater geschriebene Stück „Dunkle Mächte“ führte anderthalb dichte und intensive Stunden lang hinein in die Welt von Verschwörungstheoretikern und schärfte das Bewusstsein, wie fragil demokratische Werte sind. Die Abendaufführung des Stücks wurde schon im Vorfeld abgesagt.

Die Schneiderei von Amal, in der Verleger und Herausgeber Leif einen „besonderen“ Anzug bestellt, wurde auf der Bühne zum Ausgangsort für Radikalisierung von Verschwörer-Gedankengut, das im demokratischen Deutschland eine faschistische Diktatur sieht.

Figur verstrickt sich immer tiefer in Gewaltfantasien

Hanife, Amals Schwester, trägt seit einiger Zeit Skepsis gegenüber der Corona-Impfung mit sich herum und ist empfänglich für daran anknüpfende Verschwörungsmythen. Immer tiefer gräbt sie sich mit Hilfe des Internets und seiner Algorithmen in die Blase der sozialen Medien ein und versinkt nach und nach in dieser Parallelwelt. Amal dringt mit ihren Argumenten nicht mehr durch zu ihr. Erst allmählich, dann immer leidenschaftlicher und kompromissloser wird die Diskussion über das Wesen von Demokratie und persönlicher Freiheit, sogenannte „System-Medien“, Faschismus, Manipulation und die „Weltherrschaft“ von den vier Protagonisten geführt.
Am Schluss schwört Leif seine Anhänger darauf ein, die Welt im vermeintlich richtigen Sinne zu „einigen“ und dabei vor Blutvergießen nicht zurückzuschrecken. Auch Antisemitismus spielt in seinen Gewaltfantasien eine Rolle.

„Wut“ und „Dummheit“ waren die ersten Begriffe, die den Schülern nach dem Schlussapplaus für die überzeugende Darstellung von Oliver Möller, Talisa Lara Schmid, Sima Laux und Bashar Al Murabea in den Sinn kamen. Sie waren von ihrer begleitenden Lehrerin aufgefordert worden, spontan Gefühle zu dem Stück zu äußern.

Es sei ihnen zum Teil schwer gefallen, „diesem Quatsch“ still zuzuhören, bekannten einige der Neuntklässler. „Und es war erschrecken zu erleben, wie unmöglich es Amal war, ihre richtige und klare Position zu verteidigen, so alleine gegen drei Verblendete“, war ein anderes Statement der Hildener Neuntklässler.

Keineswegs dumm war dagegen die Botschaft der Produktion, der man vor allem eines gewünscht hätte: mehr Publikum.

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