Theater

Stadtensemble bereitet einen Klassiker vor

Uwe Dahlhaus und Renate Kemperdick freuen sich auf ihre Rollen als Alfred Ill und Claire Zachanassian.
+
Uwe Dahlhaus und Renate Kemperdick freuen sich auf ihre Rollen als Alfred Ill und Claire Zachanassian.

Theatersaison endet mit Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. In Güllen, einer verarmten Kleinstadt, geht seit der Ankunft von Claire Zachanassian ein Virus um. „Geldversprechen“ heißt er, ist an neugekauften gelben Schuhen der Bewohner zu erkennen und ist Hauptakteur in einem Stück, in dem Zachanassian, heute Milliardärin, die Fäden zieht. Sie will sich für eine tiefsitzende Kränkung rächen. Sie war, 17 Jahre alt und von Alfred Ill. schwanger, als er sie für eine gute Partie sitzenließ. Nicht genug damit, mit Hilfe bestochener Zeugen, gewann ihr früherer Geliebter den Prozess gegen sie. Bittere Armut folgte, die sie schließlich zur Prostitution zwang, bis ein reicher Ölquellenbesitzer sie aus ihrem Bordell wegheiratete.

Getrieben vom Hass auf den früheren Geliebten

45 Jahre lang sann Claire, früher Klara, auf Vergeltung und mit dem Stopp ihres Zuges am Bahnhof von Güllen beginnt ihr perfider Plan: „Eine Milliarde für denjenigen in Güllen, der Alfred Ill tötet“, heißt ihr gnadenloses Angebot an die Bewohner ihrer ehemaligen Heimat. Still und geduldig wartet sie ab, sie ist sicher, dass sich die moralische Entrüstung und zunächst einstimmig geäußerte Loyalität mit Ill am Ende auflösen würde. Zu groß würde die Geldgier sein, zu verlockend der sich durch die Milliarde bietende Luxus.

Renate Kemperdick schlüpft am 23. und 24. Juni für das Stadtensemble auf der Studiobühne des Pina-Bausch-Saals in die Rolle der Frau, die verbittert und von unbarmherzigen Hass auf ihren einstigen Geliebten getrieben, nach 45 Jahren zurückkehrt, um ihn zu vernichten. „Heute habe ich Geld“, sagt sie bedeutungsschwanger zu Ill (Uwe Dahlhaus), der zunächst glaubt, er könne die zarten Bande von früher zum Wohl von Güllen erneuern, bevor er begreift, dass sein Ende unausweichlich ist, dass diesmal er das Opfer von Korruption und Geldgier sein wird. Regisseur Michael Tesch bereitet sich seit zwei Jahren mit seiner Crew auf dieses Stück vor – wegen der Pandemie wurde es immer wieder geschoben.

Nun endlich kommt es zur Aufführung und ist beileibe nicht nur für Schulklassen und Deutschkurse sehenswert, sondern für alle, die ausdrucksstarkes episches Theater mögen. Dürrenmatt zeichne, wie Brecht, seine Figuren holzschnittartig und verrate nicht allzu viel von deren Innenleben, sagt Tesch. Zudem zwinge er den Zuschauer durch kleine Absurditäten immer wieder in die Distanz: Zärtliche Annäherungsversuche von Alfred werden mit Blick auf die Prothesen der Zachanassian ausgebremst: „Flugzeugabsturz. Ich kroch als Überlebende aus den Trümmern“ heißt es von ihrer Seite kühl.

Noch ist das Ensemble dabei, Kostüme auszuwählen und Requisiten zusammenzutragen. Nächste Woche gehen die Proben im Theater weiter. Alles müsse für eine Woche stehenbleiben können, so Michael Tesch. „Deshalb spielen wir immer am Saisonende.“

Termine

Aufführungen:
Donnerstag, 23. Juni,
9 Uhr; Freitag, 24. Juni, 19.30 Uhr.

Tickets: Erwachsene 13 Euro, Jugendliche 6,50 Euro (im Klassenverband 3,50 Euro, eine Begleitperson pro Klasse frei). Es steht nur ein limitiertes Ticketkontingent mit Theater-Card-Ermäßigung zur Verfügung. www.theater-solingen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Bühnenspiele Höhscheid spielen das Lustspiel „Totterblotschen“
Bühnenspiele Höhscheid spielen das Lustspiel „Totterblotschen“
Bühnenspiele Höhscheid spielen das Lustspiel „Totterblotschen“