Ausstellung

Museum zeigt vergessene Künstlergeneration

Das Team des Zentrums um Birte Fritsch (v.l.), Jürgen Kaumkötter, Susanne Vieten, Hanna Sauer, Marielena Bounaiuto.
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Das Team des Zentrums um Birte Fritsch (v.l.), Jürgen Kaumkötter, Susanne Vieten, Hanna Sauer, Marielena Bounaiuto.

Der Beitrag des Zentrums für verfolgte Künste zur documenta 15 wurde am 6. Mai eröffnet.

Von Philipp Müller

Solingen. Für Kassel und die Weimarer Republik war die „Vierte Grosse Kunstausstellung 1929“ ein echtes Ereignis. Was damals Rang und Namen hatte, war in der Orangerie vertreten. Mitgearbeitet als Kurator hatte Arnold Bode. 1955 zur ersten „documenta“ war Bode ebenfalls maßgeblich beteiligt. Er wollte und sollte an die Zeit vor 1933 und der Machtübernahme der Nazis mit allen Gräueltaten anknüpfen.

Warum waren dann 1955 beispielsweise nur noch drei der 30 Künstlerinnen und Künstler aus dem Pool der Vergessenen, die im Zentrum vertreten sind, auf der documenta zu sehen?

Dem geht die Ausstellung „1929 – 1955“ im Zentrum für verfolgte Künste seit Freitagabend bis zum 11. September auf die Spur. Die Ausstellung trägt den Untertitel „Die erste documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“. Damit sind schon die Akteure genannt, die die Schau ermöglicht haben. „Wir machen genau diese Generation wieder sichtbar, die 1929 ausgestellt wurde und 1955 nicht mehr“, erklärt Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter.

Dr. Birgitta Coers ist die Leiterin des Documenta-Archivs und sagt, warum sich die Weltschau der modernen Kunst an dem Projekt beteiligt: „Das ist ein Thema, das uns umtreibt.“ Die Schicksale der vergessenen Generation sollen auch weiterhin im Mittelpunkt der begleitenden Forschung zu „1925 – 1955“ stehen.

„Weil das ein laufender Prozess ist, zeigen wir in Solingen keine abschließende Wertung, sondern den Status quo der heutigen Erkenntnisse“, erläutert Kaumkötter. 2023 wird die Schau in Kassel laufen, zuvor in Krakau beim Zentrumspartner, dem Museums Mocak.

Im Erdgeschoss sind die Bilder zu sehen, von denen man heute weiß, dass sie 1929 ausgestellt worden waren. Der zweite Teil greift Biografien von sechs Künstlerinnen und Künstler auf – dazu deren Schicksale ab 1933 von Flucht bis Vernichtung in den KZs. Dazu werden die Ausstellungen 1929 und 1955 verglichen. So entsteht ein guter Überblick über die Werke und von den Menschen vor der Staffelei.

Der Besuch von „1925 – 1955“ lohnt aus drei Gründen, die sich nicht direkt an der Aufteilung der Schau selbst orientieren. Da ist zunächst einmal die Kunst selbst. 60 Originale sind ausgestellt. Ein Großteil gehört der „Bürgerstiftung für verfolgte Künste – Else Lasker-Schüler Zentrum — Kunstsammlung Gerhard Schneider waren“. Dazu ist es dem Kuratoren-Team des Zentrums gelungen, Bilder aus anderen Museen und Privatbesitz zu leihen und auf drei Etagen im ehemaligen Gräfrather Rathaus auszustellen.

Damit ist auch schon der zweite Besuchsgrund angeschnitten. Zu jedem Bild gibt es etwas zu sagen. Und das tut die Ausstellung. Man braucht etwas Zeit, will man die ganzen Biografien aufnehmen. Dazu gibt es begleitend historische Einordnungen zur Zeitgeschichte von 1929 bis ins Jahr 1955.

Dritter Grund, sich mit der Ausstellung auseinanderzusetzen, ist sicher, dass neben der Qualität der Kunst sich auch ein Gespür dafür einstellt, was die verfemte, verfolgte, ermordete und vergessene Generation erleiden musste – bis hin zur Tatsache, dass sie von denen, die um ihr Schicksal wussten, nicht rehabilitiert wurden. Mehr zur Schau gibt es unter:
www.29-55.de

Ausstellung und Liveübertragung am 6. Mai

„1929 – 1955“ wird durch das LVR-Netzwerk Kulturelles Erbe unterstützt und das Kulturministerium NRW. Partner sind das Mocak in Krakau und das Archiv der documenta.

Um 18 Uhr beginnt die Liveübertragung zur Eröffnung der Ausstellung „1929 – 1955“ aus dem Zentrum für verfolgte Künste. Diese Ausstellung ist der Beitrag des Solinger Museums zur bald beginnenden documenta 15 in Kassel. Zur Eröffnung werden Thilo Schnor, Bürgermeister der Klingenstadt Solingen,Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie ist unter https://vimeo.com/705716111 zu sehen

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