7. Dezember

Exklusive Leserführung: Faszination und Schrecken in geächteter Kunst

Felix Nussbaum hat sein Bild „Rue triste“, das die Pogromnacht vom 9. November 1938 aufgreift mehrfach übermalt wurde. Die ST-Leserführung erklärt die Hintergründe zum Millionenbild.
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Felix Nussbaum hat sein Bild „Rue triste“, das die Pogromnacht vom 9. November 1938 aufgreift mehrfach übermalt wurde. Die ST-Leserführung erklärt die Hintergründe zum Millionenbild.

Das Tageblatt lädt zur exklusiven Leserführung ins Zentrum für verfolgte Künste ein.

Von Philipp Müller

Solingen. Warum flieht ein Maler, Oscar Zügel, schon früh 1933 vor dem gerade erst an die Macht gekommenen Naziregime? Wieso hat der Maler Felix Nussbaum ein Bild zur Pogromnacht 1938 mehrfach übermalt und wieso ist dieses frühe Zeugnis der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Nazigräueltaten plötzlich ein Millionenschatz? Das sind Fragen, die das Team des Zentrums für verfolgte Künste am Mittwoch, 7. Dezember, 17 Uhr bei einer exklusiven Führung für die Tageblatt-Leserschaft im Zentrum für verfolgte Künste beantworten wird.

Der Termin findet in einer Zeit statt, in der im Gräfrather Museum gerade Bilder von Oscar Zügel unter dem Titel „Ansichtssache(n) – Der Nachlass von Oscar Zügel“ ausgestellt werden. Kuratorin Hanna Sauer hat zwei Jahren in Akten, in Verzeichnissen und im Depot mit Bildern und Zeichnungen des in Schwaben geborenen Malers gewühlt, geforscht und stellt ihre wichtigsten Erkenntnisse zum Maler jetzt vor.

Dabei geht es darum, wie der Kunstmaler seinen Stil änderte. Es geht darum, was der über Spanien, Argentinien und schließlich wieder in Spanien im Exil lebende und arbeitende Künstler unter Heimat verstand. Welche politische Einstellung hatte er? Kurz: Das alles zeigt, es gibt viel mehr im Zentrum für verfolgte Künste zu erleben als gemalte Welten und Fantasien auf Leinwand im rechteckigen Format oder als Skulptur.

Seit 2015 versteht sich das Zentrum als Ort der kunstwissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung. Das ist neben der Ausstellungstätigkeit ein wichtiges Standbein des Solinger Museums. Wie das in der Praxis geht, wird bei der Führung am Beispiel des Bildes „Rue triste“ von Felix Nussbaum erklärt.

Dabei gehen die Besucher der Tageblatt-Führung mit auf eine spannende Reise, die verschiedene Stationen hat. Da ist zu Beginn eine apokalyptische Zeichnung von Felix Nussbaum, dem seine Geburtsstadt Osnabrück ein eigenes Museum gewidmet hat. Aus dieser Vorlage entstand im Brüsseler Exil ein Ölbild. Das ist nicht spektakulär. Aber das Zentrumsteam wird aufklären, warum die „Rue triste“ lange ins Jahr 1928 datiert wurde und nun auf Ende 1938 und den Beginn des Jahres 1939. Nussbaum hat das Bild dreimal bearbeitet.

Nussbaum-Bild zur Pogromnacht hat heute einen Millionenwert

Warum? Da spielt die Geschichte seiner im Dritten Reich verfolgten, bedrohten und schließlich vernichteten Familie eine Rolle. Dazu wird vorgestellt, wie man mit Röntgenstrahlen der Wahrheit hinter dem Bild auf die Spur kam. Der Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, Jürgen Kaumkötter, verspricht: „Moderne Museumsarbeit ist für uns aufregend, und wird dadurch für die uns Besuchenden ein spannendes Erlebnis.“

Das Bild „Rue triste“ hängt heute im Meistermann-Saal und ist mit einer halben Million Euro versichert. Aber der Wert wird jetzt steigen, ist sich Direktor Kaumkötter sicher. Denn als künstlerisch eines der ersten Zeugnisse und Verarbeitung der Pogromnacht 1938 im Dritten Reich gewinnt das Bild an Bedeutung. Warum das auch für den Wert gilt, aus einem guten, aber vordergründig bis vor Kurzem eher unbedeutenden Werk jetzt ein Millionenschatz geworden ist, auch das wird das Team des Zentrums anhand eines kurzen Ausflugs in den Kulturbetrieb erklären. Dazu gehört auch, dass sich die Nachricht vom Pogrombild in Solingen zigfach in deutschen Zeitungen verbreitete.

Die Führung wird rund eine Stunde dauern. Dabei haben die Leserinnen und Leser des Tageblatts auch regelmäßig Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen. Das Tageblatt möchte mit dem Angebot auch deutlich machen, welche Bedeutung das Zentrum für verfolgte Künste für den Solinger sowie den nationalen und internationalen Museumsbetrieb hat. Das geht eben am besten, wenn man sich alles vor Ort anschaut und erklären lässt.

ST-Führung

Teilnahme: Grundsätzlich ist die Führung für alle ST-Leserinnen und ST-Leser offen. Der Termin ist am Mittwoch, 7. Dezember. Treffpunkt ist um 17 Uhr im Foyer des Museums an der Wuppertaler Straße 160.

Anmeldung: Um besser planen zu können, bitten Zentrum und Tageblatt um eine Anmeldung zur Führung. In den Betreff bitte „ST-Führung“ schreiben und im Text der E-Mail mit wie vielen Personen Sie kommen möchten an: redaktion@solinger-tageblatt.de

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