Kunst

Der Maler Erwin Bowien starb vor 50 Jahren

Der Solinger Künstler Erwin Bowien beim Zeichnen in Kreuzthal 1945. Dort versteckte er sich vor den Nazis.
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Der Solinger Künstler Erwin Bowien beim Zeichnen in Kreuzthal 1945. Dort versteckte er sich vor den Nazis.

Neu Stiftung will sein Andenken und das von Bettina Heinen-Ayech in neuem Museum bewahren.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Vor 50 Jahren starb Erwin Bowien. Aufgewachsen in Berlin und in der französischen Schweiz und gestorben in Weil am Rhein, lebte der Maler und Autor ganz oder zeitweise in Solingen, unter anderem bei der Familie seines Freundes Hans Heinen, einem Tageblatt-Redakteur und Lyriker, im „Schwarzen Haus“. Dieses steht heute dicht an der Neuenkamper Straße, in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Roten Haus“, knapp dahinter.

Erwin Bowien war nicht nur der Lehrmeister von Bettina Heinen-Ayech, „Onkel Bo“ war auch ihr leiblicher Vater.

Als Kunsterzieher an das Gymnasium Schwertstraße versetzt, betätigte sich Bowien ab 1925 auch als Dozent an der Solinger Volkshochschule. Der aufgrund seines Kunststils und seiner politischen Haltung von den Nazis verfolgte Künstler lebte eine Weile bei der befreundeten Familie Heinen. Deren Tochter Bettina Heinen-Ayech, wurde später, von Bowien angeleitet, selbst eine namhafte Malerin. Sie nutzte dieses Haus später als Aufenthaltsort, wenn sie ihre Heimatstadt besuchte. Bowiens Erbe wird heute vor allem von Dr. Haroun Ayech und einer neuen Stiftung bewahrt. Der Mediziner ist der Sohn der Malerin Bettina Heinen-Ayech.

Das Interesse an dem Häuser-Duett „Schwarzes und Rotes Haus“, das zu Lebzeiten Erwin Bowiens und in der Kindheit von Bettina Heinen-Ayech zur Höhscheider Hofschaft Neuenhaus gezählt wurde und damals als „Künstlerkolonie“ galt, ist gerade in der künstlerischen Fachwelt enorm gestiegen. Grund war ein Archivfund, der letztes Jahr viel in Bewegung setzte. Auf dem Dachboden des „Schwarzen Hauses“ wurde die in Kartons und Kisten verpackte ehemalige Bibliothek von Bettinas Mutter, Erna Heinen-Steinhoff, der „literarischen Salondame“ und Muse des Künstlers gefunden.

Erste Entwürfe liegen vorm wie aus rotem und schwarzen Haus ein Museum werden könnte.

In einem Buch fand sich ein brauner Umschlag mit Hakenkreuz und Reichsadler, abgesendet von der Reichskulturkammer in Berlin, gerichtet an Bowien. In dem Schreiben wurde dem Maler, gemäß der „Anordnung über den Vertrieb minderwertiger Kunsterzeugnisse vom 1. Oktober 1940“, die Beschlagnahmung einer Reihe seiner Gemälde, ferner ein Ausstellungsverbot im Reichsgebiet, mitgeteilt. Der Künstler, der zu diesem Zeitpunkt bereits in einem kleinen Bergdorf im Allgäu untergetaucht war, sollte den Brief erst nach 1945 zu Gesicht bekommen.

Dieses Original wurde umgehend vom inzwischen zugunsten der „Bettina Heinen Ayech-Foundation“ aufgelösten „Freundeskreis Erwin Bowien“ in Fachkreise weitergegeben und fand, unter anderem in der Schweiz, großes Echo. Es flackerte neues Interesse an diesem bislang weniger beachteten Maler – und in diesem Kontext auch an Bettina Heinen-Ayech, seiner wichtigsten Schülerin, auf.

Für Höhscheid werden Ausstellungsideen geplant

Dr. Beate Battenfeld lüftete in ihrem Buch das Geheimnis um die Familienverhältnisse in der Hofschaft Neuenhaus.

Veröffentlichungen in Fachmedien ließen eine Welle hochschlagen, die Dr. Haroun Ayech in die Hände spielen. Um das künstlerische Vermächtnis seiner Mutter, Bettina Heinen-Ayech (und damit auch Bowien) der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen, strebt er nämlich seit längerem ein museales Konzept in der ehemaligen Künstlerkolonie an.

Verschiedene Akteure wie Professorin Gertrude Cepl-Kaufmann vom Institut „Moderne im Rheinland“ , das mit der Heinrich-Heine-Universität assoziiert ist, und Dr. Andreas Schwab, Gemeindepräsident der Gemeinde Bremgarten bei Bern und Autor, waren bereits vor Ort beziehungsweise kommen Anfang Januar. Beide unterstützen das geplante Museumsprojekt in der Höhscheider Hofschaft.

In Solingen hat die Geschichtsvereinsvorsitzende Dr. Beate Battenfeld die Geschichte der Liegenschaft der Künstlerkolonie jüngst erforscht und unlängst in ihre neue Publikation „Beiträge zur Geschichte der Stadt Solingen“ aufgenommen. Unter anderem erzählt sie von einem lange gehüteten Familiengeheimnis: Nicht nur Bettina Heinen-Ayech, auch ihre ältere Schwester Gabriele waren leibliche Töchter von Erwin Bowien mit Erna Heinen, den die beiden Mädchen als Freund der Familie „Onkel Bo“ nannten. Gefühlsmäßig blieb Hans Heinen für die Kinder aber stets ihr Vater, wie Haroun Ayech in der Rückschau betont.

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Projekte

Weitere Infos zum Maler Erwin Bowien gibt es unter: www.erwin-bowien.com

Infos zur Stiftung und zum Museumsprojekt unter:
www.bettina-heinen-ayech-foundation.com
www.museum-schwarzes-haus.com

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