Ausstellung in Solingen

„Sie ist schöner, jünger, geiler“: Skulptur zeigt Bordellbesitzerin Layla - und stellt damit eine politische Anklage dar

Stellen an diesem Wochenende gemeinsam aus: André Peer und Peter Wischnewski.
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Stellen an diesem Wochenende gemeinsam aus: André Peer und Peter Wischnewski.

André Peer und Peter Wischnewski stellen für ein Wochenende in der Overhead Gallery an der Gasstraße aus. So ist das Kunstwerk zu verstehen.

Von Philipp Müller

Solingen. Vor einem grauen Hintergrund dreht sich die Skandalfigur Layla aus dem Ballermann-Hit des Sommers mit Grausen ab. Ganz in Bronze – einer klassischen Skulptur gleich – hat sie André Peer gehalten. Und doch ist der laszive Grundtyp der Bordellbesitzerin erkennbar. Ganz bewusst, denn das Bild ist eine politische Anklage im Umgang mit dem Song und der Diskussion darüber. Das Bild hängt für zwei Tage, heute und morgen, in der Overhead Gallery von Sylvia Bahr an der Gasstraße. Dort sind auch weitere Bilder von Peer und solche von Peter Wischnewski ausgestellt.

„Wir wollten damit auf die Situation anspielen, dass wir alle in der Diskussion zu dem Ballermann-Song strikt in eine Richtung der Ablehnung gedrängt werden sollten“, erklärt der in Gräfrath lebende und arbeitende André Peer. Das „Wir“ macht dabei großen Sinn. Denn der graue Hintergrund stammt von Peter Wischnewski, dem abstrakten Maler aus Ohligs. Steht die sich abwendende und windendende Layla für die Anklage, so ist das Grau zweifach zu verstehen. Es steht auf der anderen Seite für die diffuse, oft unklare Haltung in der Cancel Culture gegenüber unerwünschter, politisch scheinbar nicht korrekter Kunst. Auf der anderen Seite zeigt das Bild im Grauton eben auch, dass es mehr als Schwarz und Weiß gibt.

Diese überspitze, oft überhitze Diskussionskultur greifen Peer und Wischnewski auch in einem zweiten, gemeinsam gemalten Bild auf. „Mal mir ein böses Bild, habe ich zu Peter gesagt“, erzählt André Peer. Es wurde eine flammend rote Arbeit mit schwarzen Konturen. Die griff Peer dann mit einem skizzenhaft gehaltenen Richter auf, der scheinbar nach Gutdünken entscheidet: „Du hast recht. Du hast unrecht.“

Zwei gemeinsame Bilder, zwei Künstler, zwei Ausstellungstage. Das ist der Reiz der Kurzausstellung an der Gasstraße. Dabei berichtet Peer, dass er solche zeitlich begrenzten Schnell-Ausstellungen liebt, sie brächten die Interessenten in kurzer Zeit zusammen. So sei am Wochenende alles eine Dauermatinee, bei der beide ständig anwesend sein werden. Peer stellte schon zur Eröffnung der Gallery aus, Wischnewski zeigt dort erstmalig arbeiten und neben dem „Wir“ ist auch „Erstmalig“ ein Motto der Schau. Denn es sind ausschließlich Werke aus 2022 zu sehen, die noch nicht öffentlich ausgestellt wurden.

Natürlich sind beide über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Solinger Maler auch mit eigenen Werken vertreten. Dieses Spannungsfeld interessierte die Galeristen Sylvia Bahr. Ist Peer ein figürlicher Maler, der über die Zeichnung, die er im Kopf hat, seine Bilder im Schaffensprozess weiterentwickelt, geht es bei Wischnewski anders zu. Als gestische Malerei bezeichnet die Galerie sein Werk, weil er sich beim Malen von den verwendeten Farben in seine abstrakten Welten lenken lässt und das Ende zu Beginn völlig offen ist.

Doch es gebe eine Gemeinsamkeit, die sie entdeckt hätten, berichtet André Peer. Beim Betrachten ihrer Bilder sei ihnen aufgefallen, dass die Herangehensweise und Interpretation des Bildhintergrunds ganz ähnlich seien. Von Farbe und Kontrast sei alles geprägt, in der Bildsprache eher offen und unterstützend.

Samstag, 29. Oktober, ab 16 Uhr und Sonntag, 30. Oktober, ab 11 Uhr, Overhead Gallery, Gasstraße 54, Eintritt frei.

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