Verstärkung am Dirigentenpult

26-Jährige darf ein Jahr lang den Takt bei den Symphonikern angeben

Die 26-jährige Ina Stoertzenbach überzeugte das Orchester beim Vordirigieren vergangene Woche im Probenhaus Am Bruch. Foto: Simon Roloff
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Die 26-jährige Ina Stoertzenbach überzeugte das Orchester beim Vordirigieren vergangene Woche im Probenhaus Am Bruch.

Ina Stoertzenbach setzte sich gegen zehn weitere Bewerberinnen durch – Sie erhielt das Dirigierstipendiat und wird bei Stadtteil- und Familienkonzerten auftreten

Remscheid/Solingen. Keine Sorge: Generalmusikdirektor Daniel Huppert ist noch in Amt und Würden bei den Bergischen Symphonikern. Doch erhält er künftig Verstärkung am Dirigentenpult: Ina Stoertzenbach (26) setzte sich gegen zehn weitere internationale Bewerberinnen durch und erhielt das begehrte Dirigierstipendium der Orchesterakademie. Sie darf nun ein Jahr lang mit den Bergischen Symphonikern zusammenarbeiten. Wir klären auf.

Wie bildet die Akademie in Coronazeiten aus?

Nachdem die vorigen Instrumental- und Dirigierstipendiaten wegen Corona nur wenig zum Einsatz kamen, hatten die Symphoniker eigentlich für die laufende Spielsaison entschieden, nicht neu auszubilden. Die bisherige Dirigierstipendiatin Anna Handler sollte auch in der nächsten Saison weitermachen – doch dann erhielt sie ein Stipendium der renommierten Juilliard School in New York. Also wurde wieder ein Platz frei, erklärt Tilla Clüsserath, Geschäftsführerin der Orchesterakademie.

Wie lief das Vordirigieren in Coronazeiten ab?

Von 13 Bewerberinnen wurden 11 zum Vordirigieren vergangene Woche eingeladen – sie durften nur mit negativem Coronatest das Probenhaus Am Bruch in Remscheid betreten und wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Auf dem Programm stand die Prager Symphonie von Mozart. Jede hatte 20 Minuten Zeit, die Symphoniker anzuleiten. „Es stand jeder Bewerberin frei, aus welchem Satz sie ihre Probe gestaltete“, erklärt Clüsserath. Daniel Huppert habe sie erst einmal „machen lassen“, dann hier und da Denkanstöße gegeben. Das Orchester gab das Hauptvotum ab, jeder Musiker auch hatte drei Stimmen. Die meisten entfielen auf zwei Bewerberinnen. Weil Ina Stoertzenbach jedoch auch Moderationsqualitäten mitbringt, entschied man sich schließlich für sie.

Wann wird das Publikum Ina Stoertzenbach sehen?

„Traditionell übernehmen die Dirigierstipendiaten Schul- und Familienkonzerte, ,Jugend spielt Klassik‘ und am Saisonende die Stadtteilkonzerte“, erklärt Clüsserath. Bei Letzterem erarbeiten sie gemeinsam mit dem Generalmusikdirektor das Programm und haben auch einen starken Moderationsanteil. „Wir sind zudem froh, wenn Ina Stoertzenbach bei den Proben assistiert und möglichst oft dabei ist, auch bei Gastdirigenten, damit sie verschiedene Handschriften kennenlernt“, sagt die Leiterin der Orchesterakademie.

Was erhofft sich die neue Stipendiatin von der Ausbildung?

„Es ist gerade in Coronazeiten nicht leicht, vor ein Orchester zu kommen. Aber es ist die einzige Möglichkeit, zu lernen. Die Aussicht darauf freut mich sehr“, sagt die gebürtige Stuttgarterin, die seit Oktober in München lebt. Dort studiert sie Orchesterdirigieren. „Ich habe große Lust, mit einem Orchester zu arbeiten.“ Schon beim Vordigieren habe sie die Symphoniker als sehr lebendig empfunden. „Sie haben auf meine musikalischen Ideen gut reagiert. Diese Offenheit fand ich sehr schön.“ Zudem reize sie die Möglichkeit, in der Musikvermittlung aktiv zu sein und selber Konzerte für Kinder mitzugestalten und auch zu moderieren. „Ich finde das Stipendium bei den Bergischen Symphoniker sehr spannend, weil es bereits Generationen von Künstlerinnen hervorgebracht hat.“ Schließlich gibt es dieses schon seit 1999, unterstützt von vielen Förderern.

Welche Erfahrungen hat Ina Stoertzenbach bereits gesammelt?

Die 26-Jährige lernte in der Schulzeit Orgel, Violine und Viola, leitete Proben des Schulorchesters und absolvierte eine Tanzausbildung. Von 2014 bis 2020 studierte sie Kirchenmusik und Schulmusik in Freiburg und schloss mit Auszeichnung ab. Schon während des Studiums assistierte sie beim Akademischen Chor und Orchester der Universität Stuttgart und übernahm Konzertdirigate unter anderem auf der Asien-Tournee. Dirigentische Erfahrungen sammelte sie beim Orquestra Simfònica de les Illes Balears, bei der Philharmonie Südwestfalen und beim Hochschulsinfonieorchester der Hochschule für Musik und Theater München. 2018/2019 erhielt sie ein Deutschlandstipendium und studiert seit 2020 Orchesterdirigieren an der HMT München.

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