Weihnachten in der Kultur

Maler Robert Engels wünscht: „Fröhliche Weihnachten“

Über die Weihnachtstage bis zum 3. Januar ist das Kunstmuseum geschlossen. Doch hinter den Kulissen wird gerade das Depot digital erfasst. So soll der städtische Kunstbesitz leicht allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Heute dazu ein Blick in weihnachtliche Motive.
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Über die Weihnachtstage bis zum 3. Januar ist das Kunstmuseum geschlossen. Doch hinter den Kulissen wird gerade das Depot digital erfasst. So soll der städtische Kunstbesitz leicht allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Heute dazu ein Blick in weihnachtliche Motive.

Im Depot des Kunstmuseums gibt es viele Schätze zur Jahreszeit

Von Philipp Müller

Solingen. Für Heiligabend hat Gisela Elbracht-Iglhaut exemplarisch Kunstwerke aus dem Depot des Museums hervorgeholt. Die Direktorin des Kunstmuseums im ehemaligen Gräfrather Rathaus lässt gerade den städtischen Kunstbesitz digital erfassen. Dabei stoßen sie und ihr Team immer wieder auf den einen oder anderen Schatz.

1913 malte Robert Engels den Münchener Weihnachtsmarkt. Dort lernte er an der Kunstgewerbeschule und lebte dort als Künstler.

So auch auf Kunst von Robert Engels. Er malte vermutlich 1913 den Weihnachtsmarkt in München. Überschrieben ist die Karte mit den Worten „Fröhliche Weihnachten“ und somit auch als Gruß zur Adventszeit gedacht gewesen. Von Engels hat das Kunstmuseum auch noch eine Darstellung: Es handelt sich um eine typische Wiedergabe der Krippengeschichte, der heute an Heiligabend von den Menschen christlichen Glaubens weltweit gedacht wird.

Eher selten sind rein religiöse Motive seit dem 19. Jahrhundert. Doch Robert Engels illustrierte die Krippengeschichte neu.

Die Kunsthistorikerin Elbracht-Iglhaut erklärt, dass das Jesuskind im Mittelpunkt steht. Die Farben Rot und Gold dominieren. Das Bild kommt jetzt aber nicht so einfach aus dem Depot digital ans Licht der Öffentlichkeit. Zum Projekt gehört auch, dass die Betrachter voraussichtlich im kommenden Jahr einiges zu den Künstlerinnen und Künstlern vermittelt bekommen.

Zum gebürtigen Solinger Engels gibt es natürlich auch eine Geschichte. 1866 wurde er in eine Familie geboren, die mit Stahlwaren und einer Gesenkschmiede ihr Geld verdiente. Engels ging später nach München an die Kunstgewerbeschule und blieb ihr als Lehrer treu. Das müsse alles einmal vernünftig aufgearbeitet werden, sagt die Museumsdirektorin. Denn am Ende habe Engels ein erfülltes Leben gehabt. Als Maler, Grafiker, Lithograph, Kunstgewerbler und Hochschullehrer bleibt er in Erinnerung. Seine Kunst wird heute noch auf Auktionen gehandelt.

Georg Meistermann war Kriegsteilnehmer. Ob seine Winterlandschaft 1941 von Eindrücken von der Front in Griechenland geprägt sind, ist aber nicht sicher.

Aber sie steuert noch eine Anekdote bei. In München lernte Engels seine spätere Frau Gustava von Veith kennen und heiratete sie später. 1934 wandte sie sich an die Stadt Solingen, die den Nachlass des verstorbenen Künstlers erwarb. Gegen eine Leibrente für Gustava. Toll für die Stadt, die Kunst zu erhalten. Aber auch teuer. „Engels Kunst kam die Stadt teuer. Seine Witwe Gustava wurde 90 Jahre alt“, sagt Gisela Elbracht-Iglhaut mit trockenem Humor. Immerhin erhielt die Stadt 110 Gemälde und etwa 1300 Zeichnungen. Sie landeten erst in einer Stiftung, die die Stadt Solingen dann als Nachlass gegen die Zahlung der Leibrente übernahm.

Für die heutige kleine ST-Galerie hat sie noch ein Bild von Georg Meistermann ausgesucht. Der berühmte Solinger Maler, der vor allem für seine Glasfenster für Kirchen seinen Ruhm erlangte, musste als Soldat in den Zweiten Weltkrieg ziehen. Er musste in Griechenland an die Front. Vermutlich sei dort die Idee für sein Winterbild entstanden.

Das Bild des Malers Friedrich August de Leuw mit Winterlandschaft ist typisch für die damalige Änderung des Blickwinkels der Künstler.

Winter war auch immer ein Thema für Friedrich August de Leuw, den Gräfrather Star der Romantik und Düsseldorfer Schule des 19. Jahrhunderts. Eine Ausstellung des Solinger Galeristen Dirk Balke hatte das eindrucksvoll belegt. Der Sohn des berühmten Augenarztes hatte es mit knorrigen Bäumen, Ruinen und eben kargen, frostigen Landschaften, in denen er das Winterlicht strahlend einfing.

Dirk Balke hat bisher unbekannte Werke des Künstlers aufgespürt, digital erfasst, sie bewertet, eingeordnet und schließlich ausgestellt. Er ist damit auch Vorreiter des Wegs, den die Solinger Museen in Sachen Sichtbarkeit der Schätze aus Depots gerade gehen. Vielleicht findet sich ja auch im Kunstmuseum noch eine Darstellung, die uns dann 2023 „Fröhliche Weihnachten“ wünschen kann.

Mit dem Lesen verschwanden die religiösen Darstellungen - Museumsdirektorin zur Änderung in der Kunstwelt

Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut lässt gerade den städtischen Kunstbesitz digital erfassen. 2023 wird das Ergebnis öffentlich.

Viele religiöse Werke, die etwa die beiden christlichen Themen Geburt und Kreuzigung Christi behandeln oder zum Motiv haben, habe der Kunstbesitz Solingens nicht, berichtet Gisela Elbracht-Iglhaut. Museen sammeln eher zeitgenössische Kunst. Was sich an malerischer Wucht und Pracht in Kirchen zeigt, finde sich daher selten in Museen.

Die Kunsthistorikerin nennt als Grund, warum solche Kunst ab dem 19. Jahrhundert an Bedeutung verloren hat: „Als die Leute die Bibel lesen konnten, brauchten sie die Bilder nicht mehr.“ Und die Alphabetisierung in der Breite der Bevölkerung habe erst mit der Industrialisierung so richtig Fahrt aufgenommen. Früher sei es eben so gewesen: „Die Bilder waren dafür da, den Menschen die Geschichten der Bibel zu erzählen.“

Zugleich sei seit dem 17. Jahrhundert von den Niederlanden ausgehend die Landschaftsmalerei immer wichtiger geworden. Sie hatte mehr und mehr Platz in Ateliers, den ersten Museen und auch privaten Haushalten bekommen. Das Aus war das aber nicht für religiös motivierte Kunst. Bis heute hat sich die Krippe als zentrales Element des Weihnachtsfestes gehalten. Dazu lesen sie jetzt die Weihnachtsgeschichte vor, kleine Kinder spielen sie mit Wonne nach. Auch die Heiligen Drei Könige sind laut der Museumsdirektorin bis heute immer wieder ein beliebtes Motiv in der Kunst.

Doch je zeitgenössischer es wird, desto vielfältiger wird die Kunst auch der Malerinnen und Maler aus Solingen. Von vielen hat die Stadt Werke im Besitz. Neben Meistermann nennt Elbracht-Iglhaut noch Deutzmann und Preuße. Letzterer war wie Meistermann im Krieg und fiel an der Front. -pm-

Kunst digital

Mit finanzieller Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) wird der städtischen Kunstbesitz erfasst, um ihn digital zu präsentieren. Das ist ein Weg, den auch bereits das Deutsche Klingenmuseum geht. Auf der neuen Homepage des Museums finden sich viele Klingen und ihre Geschichte. So soll es auch für das Kunstmuseum am Ende werden. All das wird es dann im kommenden Jahr digital zu entdecken geben. Doch die Museumsdirektorin ist sicher, dass die vielen Schätze die bei der Arbeit mit dem Kunstbesitz entdeckt werden, dann zukünftig auch ausgestellt werden.

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