Ausstellung

Künstler entlarvt die Erinnerungskultur

Moritz Albert zeigt den Zyklus „Ängste Erinnern“ in der Kanzlei Dr. Ganns, Heinekamp und Heibges am Dycker Feld.
+
Moritz Albert zeigt den Zyklus „Ängste Erinnern“ in der Kanzlei Dr. Ganns, Heinekamp und Heibges am Dycker Feld.

Moritz Albert setzt sich in der Ausstellung „Ängste Erinnern“ mit Biografien auseinander.

Von Karl-Rainer Broch

Zum Jubiläum „50 Ausstellungen Kunst in der Kanzlei“ hat die Partnergesellschaft Dr. Ganns, Heinekamp und Heibges den Solinger Künstler Moritz Albert eingeladen. Die Vernissage der Ausstellung „Ängste Erinnern“ findet am Donnerstag, 29. September, in den Geschäftsräumen am Dycker Feld 72 statt.

Moritz Albert führt sein Hauptthema „Ängste“ auf die Corona-Pandemie zurück, allerdings: „Beide Begriffe Ängste und Erinnern bedingen einander. Für mich bedeuteten die drei Jahre ohne Ausstellungen einen harten Schnitt.“ Allerdings hatte er dadurch Zeit gefunden, „ein Jahr ins Blaue zu malen“, ehe er Werke erstellte, die ins Konzept der Ausstellung passten und bis dahin im Keller gelagert wurden.

„Jede Person, die ich male, hält mir selbst einen Spiegel vor.“

Moritz Albert, Künstler

Der 36-jährige Künstler ist inzwischen in Solingen ein Begriff, er hatte in Dirk Balkes Gräfrather Galerie Arteck bisher drei Einzelausstellungen: „Er ist mein Haupt-Galerist, außerdem stehe ich mit Galerien in Belgien und Köln in Verbindung.“ Alberts Markenzeichen ist die Kombination von historischen Fotos aus dem Familienalbum mit Malerei. So entstehen beeindruckende Collagen, in denen er eine Erinnerungskultur entlarvt, die von verfälschten Eindrücken getragen wird.

Inzwischen beschränkt sich Moritz Albert nicht mehr auf Fotos aus dem Familienkreis, sondern erhält vielfach auch fremde Dokumente, die er verarbeitet. Ein Foto seiner Urgroßmutter mit einem ihm unbekannten Partner hat er ausgemalt und auf eine neue bildnerische Ebene angehoben.

„Jede Person, die ich male, hält mir selbst einen Spiegel vor. Ich male, um etwas über mich selbst zu erfahren und dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu betrachten“, analysiert er. Die gezeigten Familienporträts werden von ihm oft neu zusammengestellt, eine Sanitätergruppe wird so aus verschiedenen Bildern zusammengefügt.

Fotos aus dem Krieg, schockierende Bilder von der Front, rufen bei Albert Ängste hervor, ihn interessieren die Geschichten dahinter, doch bekommt er manchmal beim Betrachten ein mulmiges Gefühl: „Ich male sie dann ab und verändere wenig aus Verantwortung, damit umzugehen.“ Als Material benutzt er oft Reste von Pappe, weil er „ordentliche Leinwände“ nicht mag und die Pappe als idealen Bildträger als Startpunkt nimmt. „Auch eine raue Leinwand, in der die grundierte Farbe verschwindet, macht es für mich interessant, weil das Material mitarbeitet und ich körperlich dagegen arbeiten muss.“

Zum „Erinnern“ gehört Moritz Alberts Japanreise, allerdings hat er auch „Ängste“ empfunden, als er einen Tempel auf dem Heiligen Berg in Tokio entdeckte und ihn anfangs gar nicht malen wollte. Er hat japanische Holzschnitte im Unterschied zur westlichen Malerei angepasst, die Bildfläche sortiert, ist aber bei der Darstellung nicht in die Tiefe gegangen.

Zum Ausstellungskonzept sagt Tim Heinekamp, einer der Kanzlei-Partner: „Unseren Neubau haben wir wie eine Galerie ausgestattet und die Flure auf Ausstellungen angelegt.“ Die präsentierten Werke sollen das Interesse an der Kunst wecken.


Moritz Albert „Ängste Erinnern“ bis 7. Januar 2023, Dycker Feld 72, Vernissage: Donnerstag, 29. September, 17.30 bis 19.30 Uhr, geöffnet: mo. bis do. 8 bis 17 Uhr, fr. 8 bis 14 Uhr.

Kunst in Kanzlei

50 Kunstausstellungen hat die Partnerschaftsgesellschaft Dr. Ganns, Heinekamp und Heibges seit 2005 in ihren Räumen durchgeführt, anfangs an der Schulstraße, seit 2015 am Dycker Feld.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare