Neuenkamper Straße 163

Historikerin entdeckt ein Familiengeheimnis

Dr. Beate Battenfeld beschreibt in ihrem neuen Buch die Gesichte des roten und schwarzen Hauses in Höhscheid.
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Dr. Beate Battenfeld beschreibt in ihrem neuen Buch die Geschichte des roten und schwarzen Hauses in Höhscheid.

Dr. Beate Battenfeld legt ihr zweites Buch zu Geschichten der Stadt Solingen und ihren Menschen vor.

Von Philipp Müller

Solingen. Am Haus an der Neuenkamper Straße mit der Nummer 163 prangt ein Schild mit dem Hinweis „Steigerhäuschen“. In den beiden Häusern, die als „schwarzes“ und „rotes“ Haus der Künstlerkolonie um Hanns und Erna Heinen bekanntwurden, habe früher der Steiger des nahen Bleibergwerks gelebt. Das ist die Lesart seit 1984. Doch das ist falsch. Wie die Solinger Historikerin Dr. Beate Battenfeld in ihrem neuen Buch „Beiträge zur Geschichte der Stadt Solingen, Band 2“ schreibt, wurden die tatsächlichen als Steigerhäuschen bezeichneten Gebäude schon vor 160 beziehungsweise 110Jahren abgerissen. An der Neuenkamper Straße 163 drehte es sich eher um Stahl und nicht um Blei. Und doch rankt sich um das Häuserensemble ein lange bewahrtes Familiengeheimnis.

Dass sich Beate Battenfeld auf die Suche zur Geschichte dieses Hauses machte, ist dem Umstand zu verdanken, dass Dr. Haroun Ayech die beiden Häuser zum Museum umbauen möchte. Er ist der Sohn der Malerin Bettina Heinen-Ayech und Enkel der Heinens, die das Haus 1932 erworben hatten und nach 1945 zu einer Künstlerkolonie erweiterten. Hanns Heinen war seit 1919 für das Solinger Tageblatt tätig. Das Hausensemble ist auch eng mit dem Namen Erwin Bowien verbunden, der nicht nur das Talent der jungen Bettina als Künstlerin entdeckte, sondern auch förderte. Einen literarischen Salonbetrieb hatten die Heinens für Kunst- und Kulturschaffende zuvor schon in den 1920er Jahren geschaffen.

Die Erkenntnisse von Beate Battenfeld sind für Ayech wichtig. Gerade erst hat er durch einen Architekten einen Entwurf erstellen lassen, der rotes und schwarzes Haus verbindet. Nun macht er sich auf die Reise, mit Fördermitteln und Spenden die Museumsidee umzusetzen. Dabei setzt er auch auf die Organisation Euro-Art, die die Präsentation von Künstlerkolonien fördert.
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Doch das Aufspüren von geschichtlichen Quellen und das Nachhaken bei Zeitzeugen brachte noch ein anders Ergebnis. Eine 92-jährige Bewohnerin der Siedlung hatte Battenfeld berichtet, Bettina Heinen-Ayech und ihre Schwester Gabriele seien gar nicht die Tochter von Hanns Heinen, sondern von Erwin Bowien, dem jahrzehntelangen Gast und Freund der Familie. „Jeder in Neuenhaus hat das gewusst“, habe die Nachbarin erzählt.

Haroun Ayech erfuhr das erst als 20-Jähriger von seiner Mutter. Zwietracht habe es deswegen in der Familie nicht gegeben. Auch hätten Bowien und seine Großeltern nicht als Ménage-à-trois gelebt. „Das war keine moderne Familie“, erklärt der Mediziner, der heute in München lebt. Das Familiengeheimnis blieb deshalb im schwarzen Haus, in dem Bettina Heinen-Ayech lebte, wenn sie nicht in Marokko war, wo sie mit ihrem Ehemann wohnte. Für seine Mutter sei die Sache emotional ganz klar, erklärt Ayech heute: „Erwin Bowien war mein Lehrer, Hanns Heinen mein Vater.“

Insofern sei das auch nicht von Belang für die Arbeit der „Bettina Heinen–Ayech Foundation – Stiftung für Kunst, Kultur und internationalen Dialog“, die zuletzt auch die Arbeit des Freundeskreises Erwin Bowien übernommen hatte, sagt Haroun Ayech.

Spricht man mit Beate Battenfeld über die Entstehung ihres Buches und die Geschichte der Heinens, merkt man ihr die Begeisterung für das Entdecken der lokalen, historischen Zusammenhänge an. Figuren wie der Reisekauffrau Inge Knecht, einer geborenen Wiedenhoff, räumt sie im Buch Platz ein. Tief taucht sie in die Geschichte der Hofschaft Haasenmühle ein. Fazit: Wer etwas über die Stadtgeschichte erfahren will, findet in Battenfelds Büchern tollen Lesestoff.

Buch zur Stadtgeschichte

Handel: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Solingen, Band 2“ ist im lokalen Solinger Buchhandel für 18,50 Euro erhältlich. Oder privat über eine E-Mail: bb@beate-battenfeld.de. Die ISBN-Nummer lautet: 978-3-925626-54-8.

Aktion: Am heutigen Samstag verkauft die Autorin ihr neues Buch zwischen 9 und 13 Uhr bei Blumen Seiffert, Am Neumarkt.

Inhalt: Das Buch hat 107 Seiten zuzüglich Anmerkungen und Quellenhinweise. Sehr viele Fotos machen die Themen zusätzlich erlebbar. Neben Biografien und Hofschaften geht es auch um Firmen wie die Mathildenhütte in Ohligs.

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