Comedy

Faisal Kawusi gibt sich so was von politisch nicht korrekt

Umjubelter Auftakt im Großen Konzertsaal. Comedian startete seine Tour in Solingen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Mit 15-minütiger Verspätung tauchte Faisal Kawusi im künstlichen Nebel und gleißendem Scheinwerferlicht auf, begleitet von Krimi-Sound und Moderatorstimme aus dem Off. Johlender Applaus und begeisterte Pfiffe waren ihm schon sicher, bevor er auf der Bühne des Großen Konzertsaals überhaupt den ersten Satz gesagt hatte: Auf seine Fans konnte der gewichtige Comedian auch diesmal zählen, die – wie sich in seiner kurzen Hand-hoch-Abfrage herausstellte – durchaus nicht nur aus Solingen kamen, sondern unter anderem auch aus dem Ruhrgebiet oder Düsseldorf.

Mit ihm gemeinsam wollten sie seine neue Tour anstoßen. „Politisch Inkorrekt“ ist sie überschrieben, und im Laufe des zweistündigen Abends ohne Pause machte Kawusi deutlich, was es mit dem Titel auf sich hat.

In gewohnter Form gut drauf, zündete er munter sein Gagfeuerwerk und suchte dafür immer wieder den direkten Dialog mit dem Publikum. Antworten auf Fragen wie „Wie heißt Du? Mit wem bist Du da?“ boten ihm wiederholt Gelegenheit, seine Spontanität und Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen – und sicherten ihm immer wieder den Applaus der anderen Zuschauer, die wahrscheinlich insgeheim froh waren, nicht selbst im Mittelpunkt der Saalaufmerksamkeit zu stehen.

In gewohnter Weise war auch Kawusis Doppel-Identität als „Deutscher“ und „Kanake“ mit afghanischen Wurzeln, immer wieder eine Quelle willkommener Gags. „Sieht aus wie meine Tante“, kommentierte er ein benutztes Handtuch, das er über den Mikrofonständer geworfen hatte mit „Burka in Grau“. Das erinnere ihn an die Dementoren in Harry Potter.

Mit viel Selbstironie und dem sympathischen Zug dabei, auch viel über sich selbst lachen zu können, hielt Kawusi sowohl dem einen wie dem anderen Teil seines Ichs den Spiegel vor und würzte das Ganze genüsslich mit deftigen Witzen, die oftmals die Grenze zum Ordinären streiften und sie mitunter auch überschritten. So warf er das bereits erwähnte Schweißhandtuch als Souvenir seinen Saal-Fans zu – nicht ohne es zuvor einmal zwischen seinen Hosenbeinen durchzuziehen.

Gerade diese unverblümte und unbedarfte Schamlosigkeit aber feierte das Publikum im fast besetzten Konzertsaal sehr und erklatschte am Ende eine ausführliche Zugabe.

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