Kultur

Zentrum für verfolgte Künste bietet wieder Führungen an

Auf die Spuren der ersten documenta 1955 in begibt sich das Zentrum für verfolgte Künste und bietet dazu Führungen an.
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Auf die Spuren der ersten documenta 1955 begibt sich das Zentrum für verfolgte Künste und bietet dazu Führungen an.

Im Zentrum für verfolgte Künste erklären Fachleute die aktuelle Ausstellung zur documenta 1955.

Von Philipp Müller

Solingen. Am Sonntag, 12. Juni, starten um 11.30 und 14 Uhr wieder die Führungen durch Expertinnen und Experten für Kunst im Zentrum für verfolgte Künste. Dabei steht die aktuelle Schau rund um die Geschichte der documenta im Mittelpunkt. Das ist aber nicht das einzige Angebot. Zentrum und Förderkreis des Museums laden zu einer Diskussion rund um das Thema Pressefreiheit im Rahmen der Fotoausstellung „Deadlines“ ein.

Das wird für Inna Varenytsia am Sonntag kein leichter Gang ins Zentrum für verfolgte Künste. Sie ist die Witwe des mutmaßlich von russischen Soldaten in der Ukraine mit zwei Kopfschüssen ermordeten Fotojournalisten Maks Levin. Aber sie wird auch mit Freude sehen, wie viel Mühe sich die ukrainischen Kuratorinnen Nataliia Volianiuk und Olena Tanchynets mit dem den Krieg anklagenden Nachlass von Levin gemacht haben. „Deadlines“ ist eine berührende Ausstellung zu acht Jahren kriegerischer Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine geworden.

Für die Matinee am Sonntag rund um die Pressefreiheit hat sich das Zentrum mit Unterstützung der Boris Lurie Foundation aus New York ein wichtiges Thema vorgenommen. Und das Diskussionsforum wird prominent besetzt sein. „Deadlines“ wurde mit Hilfe des Förderkreises des Zentrums für verfolgte Künste ermöglicht. Sylvia Löhrmann sitzt dem Verein vor. Die Staatsministerin a. D. wird das Gespräch leiten. Neben ihr nimmt Sonya Koshkina Platz. Sie ist Chefredakteurin einer Online-Plattform in der Ukraine, für die Maks Levin fotografierte und berichtete. Außerdem ist sie Dozentin an einer Universität für den journalistischen Nachwuchs. Der Verleger der Boll Mediengruppe und des Solinger Tageblatts, Michael Boll, wird dazu an der Gesprächsrunde teilnehmen.

Es wird dann auch um die Frage gehen, was freie Medien aus Kriegsgebieten zeigen und berichten müssen, wie Quellen geprüft werden – aber es geht auch um Grenzen, was nicht dargestellt werden kann. Das greift dann den Eröffnungsvortrag von Uli Preuss vom Vorstand des Förderkreises auf, der bei der Vernissage die Gefahren aufzeigte, in die sich Fotojournalisten in Krisengebieten begeben, wie es ihre Seele verändert und wo sie nicht mehr fotografieren. Die Ausstellung selbst endet am 26. Juni mit einer Finissage um 11 Uhr, dann wird Uli Preuss nochmals durch „Deadlines“ führen.

Zentrum stellt von der Kasseler documenta vergesse Kunst aus

Das Zentrum für verfolgte Künste nimmt nach rund zwei Jahren am Sonntag auch wieder die Sonntagsführungen ins Programm. Dabei steht dann aber nicht „Deadlines“ im Mittelpunkt. Seit Mitte Mai läuft im Museum die Ausstellung „1929/1955. Die erste documenta und das Vergessen einer Künstler:innengeneration“. Sie geht anhand von Originalen von Künstlerinnen und Künstlern sowie deren Biografien der Frage nach, warum verfolgte und verbotene Kunstschaffende, die 1929 noch in Kassel gezeigt wurden, 1955 bei der ersten documenta nicht vertreten sind. Dazu hat das Zentrum Fachleute gewinnen können, die bei den Führungen entsprechend Auskunft geben können.

Die Schau, die in Kooperation mit dem Documenta-Archiv entstanden ist, hat bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. „Es gibt eigentlich keine überregionale Zeitung, die darüber nicht berichtet hat“, sagt der Direktor des Zentrums, Jürgen Kaumkötter. Er selbst war bis gestern in Budapest, um dort einen Vortrag über die Ikonografie der Holocaust-Kunst in Ost- und Westeuropa zu halten. Er und sein Team reisen auch am kommenden Wochenende nach Kassel, nehmen an der Eröffnung der documenta 15 teil und stellen die Solinger Ausstellung dort vor.

Führungen sind wichtig. Deshalb ist Jürgen Kaumkötter froh, dass diese nun an den Sonntagen wieder durch das Zentrums starten. Insgesamt wachse die Besucherzahl wieder an. Gerade „Deadlines“ habe viele Besucher gebracht. „Da ist ständig jemand während der Öffnungszeiten da.“ Aber auch die Schau zur Geschichte der documenta finde zunehmend Interessenten.

Führungen

Am Sonntag, 12. Juni, führt die Kunsthistorikerin Vanessa Arndt um 11.30 Uhr durch die documenta-Schau und erklärt den Sinn. Um 14 Uhr stellt Vanessa Arndt die ausgestellten Künstlerinnen Renée Sintenis und Milly Steger vor. Infos: www.29-55.de

Passend zum Thema: 40 Bilder des ermordeten Maks Levin zeigen den Ukraine-Krieg

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