Bergische Symphoniker

Daniel Huppert: „Wir brauchen das Publikum“

Generalmusikdirektor Daniel Huppert (M.) bei der Video-Aufnahme für das 1. Familienkonzert im Teo Otto Theater, hier im Gespräch mit Anna Handler. Foto: Roland Keusch
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Generalmusikdirektor Daniel Huppert (M.) bei der Video-Aufnahme für das 1. Familienkonzert im Teo Otto Theater, hier im Gespräch mit Anna Handler.

Der Generalmusikdirektor über Proben, Planen und Zukunftsmusik.

Solingen. Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Herr Huppert, es herrscht weiter Lockdown. Können die Bergischen Symphoniker überhaupt proben?
Daniel Huppert: Nach den neuesten Bestimmungen dürfen wir im Probenraum am Bruch proben – unter strengen Sicherheitsbedingungen. Es dürfen immer nur kleinere Besetzungen zusammenkommen. Wir befinden uns zudem gerade in den Vorplanungen einer CD-Produktion. Generell ist das Disponieren und Organisieren ein sportliches Hin und Her, denn Sie wissen nie, zu welchem Zeitpunkt Sie mit welcher Besetzungsstärke arbeiten können. Wir haben uns daher dazu entschlossen, kleinere Formate im Bereich Education zu machen – alles ohne Publikum.
Was zum Beispiel?
Huppert: Wir haben im Februar beispielsweise Instrumentenkunde-Videos gemacht, die wir den Musiklehrern fürs Homeschooling zur Verfügung gestellt haben. Zudem haben wir einen Film gedreht zu ,Peter und der Wolf‘, er ist bereits online. Der Film entstand rein aus den eigenen Kräften, das ist schon eine Herausforderung. Und dann haben wir das Familienkonzert im Teo Otto Theater aufgenommen, das morgen online gestellt wird (siehe Kasten), verbunden mit einem Spendenaufruf für freiberufliche Künstler. Es ist eine schwierige Zeit für uns als Orchester, aber für die freiberuflichen Künstler ist es noch schwieriger. Es war uns wichtig, ein solidarisches Zeichen zu setzen.
Wie viel vom aktuellen Programm mussten Sie schon umplanen?
Huppert: In dieser laufenden Saison 80 Prozent. Ich muss aber sagen: Ich stehe trotzdem hinter der gesellschaftspolitischen Entscheidung des Lockdowns, es war die richtige Entscheidung. Aber natürlich ist es so: Sie haben ein Programm, dann verschieben Sie einen Termin und sagen ihn am Ende ab. Dann kommt man irgendwann in einen Kreislauf. Das ist nicht schön. Es löst Enttäuschungen aus, vor allem bei den Solisten. Ich denke, das wird sich auch in die nächste Saison ziehen. Das bedeutet enorme Flexibilität, was Organisation, aber auch Konzeption anbelangt. Auf der anderen Seite es ist das Wichtigste, dass wir zurückkommen. Ich denke, das Publikum wird ein Verständnis dafür entwickeln. Es ist jetzt einfach so. Und es werden auch wieder geregeltere Zeiten kommen. Ich denke, in jeder Krise liegt auch eine Chance.
Gibt es Signale, wann es für das Orchester weitergeht?
Huppert: Nein. Wir schauen alle gespannt auf den 7. März, inwieweit vor Ostern noch etwas möglich ist. In den Osterferien hätten wir ohnehin kein Konzert gehabt. Ich habe Verständnis dafür, dass man schrittweise geht, aber die Wand im Rücken ist schon langsam zu spüren. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung im Orchester so positiv, dass ich mir um die Spielmotivation keine Sorgen mache.

Ja, ganz sicher!

Daniel Huppert auf die Frage, ob das Orchester die Krise übersteht
Werden digitale Konzepte wie das 1. Familienkonzert morgen auch nach Corona stärker in den Fokus rücken?
Huppert: Wenn es eine zweite Ebene transportiert, dann kann ich mir das vorstellen. Wenn ein Videokonzept ein Liveerlebnis begleitet. Es ist aber nicht des Rätsels Lösung, das Konzert in gewohnter Weise ablaufen zu lassen und als Ersatzveranstaltung digital zu präsentieren. Wir merken gerade jetzt, wie sehr wir das Publikum brauchen. Denn ein Konzertabend im Theater hat viele gesellschaftliche Aspekte. Ich für mich merke derzeit auch, warum ich diesen Job so liebe – unter anderem wegen des Austauschs mit den Menschen. Das geht zurzeit unter.
Wann wird der Sieger vom Maskottchen-Wettbewerb gekürt?
Huppert: Wir haben über 200 Zusendungen erhalten, teilweise von ganzen Klassen. Es sind ganz tolle und süße Entwürfe eingegangen, auf den Bildern sind teilweise kleine Texte geschrieben worden, das ist wirklich rührend. Wir haben nun 50 in die engere Wahl genommen. In den nächsten Tagen werden die Oberbürgermeister und ich eine Auswahl treffen. Bei so vielen Einsendungen wird es nun einen ersten, zweiten und dritten Platz gehen. Katherina Knees, die an dem Wettbewerb maßgeblich beteiligt war, nimmt nun zudem eine Vermittlerfigur zwischen Orchester und Schülern ein.
Werden die Symphoniker die Corona-Krise überstehen?
Huppert: Ja, ganz sicher! Da habe ich gar keine Bedenken. Ich hege auch den Optimismus, dass man gestärkt aus dieser Krise hervorgeht. Das Wort ,Wir‘ ist bei uns in den letzten Monaten im Orchester so oft gefallen wie selten. Das ist ein schönes Zeichen.

Zur Person / Familienkonzert am Sonntag

Person: Daniel Huppert stammt aus Rheinland-Pfalz. Er studierte in Saarbrücken und Weimar. Seit Beginn der Spielzeit 2019/2020 ist er neuer Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker. Seit der Saison 2016/2017 ist er zudem Chefdirigent der Zuger Sinfonietta in der Schweiz. Huppert ist mehrfacher Preisträger internationaler Dirigierwettbewerbe.

1. Familienkonzert: „Die Wahre Geschichte der Mozartkugeln“ mit Musik von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart für Kinder ab fünf Jahren findet morgen, 28. Februar, 16 Uhr, auf der Homepage und dem Youtube-Kanal der Symphoniker als Videoeinspielung statt. Das Orchester bittet um eine Spende für freie Künstler.

bergischesymphoniker.de

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