Ausstellung

Baumgärtels Bananen spalten den Kunstbetrieb

Amerikas kommender Präsident Donald Trump als brauner, eine Banane fressender Affe. „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel liebt die politische Provokation der Kunst. Fotos: Uli Preuss
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Amerikas kommender Präsident Donald Trump als brauner, eine Banane fressender Affe. „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel liebt die politische Provokation der Kunst.

Im Art-Eck beginnt seine Ausstellung. Ein umstrittenes Werk zu Erdogan zeigt Dirk Balkes Galerie nicht.

Von Philipp Müller

Am Mittwoch – die letzten Stimmen der Präsidentenwahl in den USA wurden noch ausgezählt – war Thomas Baumgärtels Kommentar zur Wahl von Donald Trump fertig. Der Kölner Polit-Künstler zeigt Trump auf einer US-Flagge als einen braunen Affen mit einer Banane im Mund. Den Entwurf hatte er schon vor der Wahl im Kopf. Der als Bananensprayer bundesweit bekanntgewordene Maler und Aktions-Künstler fühlt sich von Trump bedroht: „Weil er sich rassistisch äußert, frauenfeindlich lästert und mit Gewaltandeutungen Stimmung macht.“

Dieses Bild zeigt Baumgärtel in der Galerie Art-Eck von Dirk Balke. Heute wird die Ausstellung „street art“ eröffnet. Balke sagt, es passe gut zusammen: Der Bananensprayer sei seit 30 Jahren aktiv, die einst von Jan Boomers gegründete Galerie bestehe auch 30 Jahre.

Die Banane steckt nicht zufällig im Mund von Trump. Für Baumgärtel ist das gelbe Obst ein Werkzeug und hat zwei Seiten. Mit Pochoir-Technik sprüht er an Galerien und Museen seine Bananen. Das Siegel aus der Schablone zeichnet nach Baumgärtels Ansicht Orte aus, die der Freiheit der Kunst besonders zugeneigt sind.

Die andere Seite der Banane ist die Anklage und Provokation. Dabei geht es darum, Umstände, Personen oder Institutionen in den Bildmittelpunkt zu stellen, die der Künstler „Banane“ findet. „Man muss mit dem Finger in die Wunden greifen“, erklärt der Kölner, was ihn bei der Arbeit umtreibt. Das tat er auch im Frühjahr nach der Affäre um der Schmäh-Kritik des Satirikers Jan Böhmermann gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdogan. Baumgärtel steckte ihm spontan in einem Bild eine Banane ins Hinterteil. Künstlerkollegen und auch die Familie hätten ihm gesagt, er solle das Bild nicht veröffentlichen. „Bist du wahnsinnig? Die fackeln uns das Atelier ab“, habe ein Kollege gesagt. Er veröffentlichte es trotzdem. Zunächst auf Instagram und Facebook. Im September stellte es der Langenfelder Kunstverein aus. Doch schon nach der Eröffnung brauchte dieser einen Sicherheitsdienst, ließ Besucher nur nach Anmeldung in seine Räume und schloss die Ausstellung vorzeitig.

„Ich habe 30 Jahre lang meine Kunst in Freiheit gezeigt.“
Thomas Baumgärtel Künstler

In Gräfrath ist das Bild nicht zu sehen. „Ich habe keine Angst“, erklärt Galerist Balke. Jedoch wolle er vor der besonderen Situation Solingens nicht Öl ins Feuer gießen. Dabei hat er den Brandanschlag aus dem Jahr 1993 im Blick und das seitdem entstandene Bemühen, dass Deutsche und Türkischstämmige friedlich miteinander leben. Baumgärtel versteht das, aber es ist ihm bei der Präsentation der Ausstellung nicht wohl mit der Entscheidung.

Die Banane des Anstoßes in Langenfeld zeigen wir bewusst verfremdet. Der Kunstverein Langenfeld schloss seine Baumgärtel-Schau vorzeitig.

Überhaupt fordert er gerade von den bildenden Künstlern, dass sie zu politischen Themen mehr Stellung beziehen. „Ich kenne nur drei Leute, die etwas zu Böhmermann gemacht haben.“ Und er ergänzt: „Ich habe 30 Jahre lang meine Kunst in Freiheit gezeigt.“ Nun gelte es, genau diese Freiheit mit allen künstlerischen Mitteln zu verteidigen. So erträgt er dann auch Hass-Emails nach der Erdogan-Kritik. Sogar der Staatsschutz passe auf ihn auf. Vorwürfen aus der Fachpresse, er sei vor allem süchtig nach Publicity, entgegnet er, das sei Quatsch. „Ich habe immer den lauten Weg gewählt“, das sei sein Credo als Kunstschaffender.

Dirk Balke hat Baumgärtel nicht zum ersten Mal als Gast in Gräfrath. „Ich halte politische Kunst für zeigenswert.“ Es fehle an Werken politisch motivierter bildender Künstler. Sie haben es auch nicht einfach, berichtet Baumgärtel. Am Anfang sei er als Sprayer für Galeristen der „Schmierfink“ gewesen. Heute ist er wegen seiner Qualität geachtet. Zurecht: Denn die Werke provozieren nicht nur, sie sind handwerklich herausragend und geben viel von der lauten Seele des 56-Jährigen wieder.

THOMAS BAUMGÄRTEL

WERDEGANG Der in Köln lebende Künstler studierte Freie Kunst (1985 bis 1990 an der Fachhochschule Köln) und Diplom-Psychologie (1985 bis 1995 an der Uni Köln). Seit 1986 arbeitet er als Künstler. WERK 4000 Kunstmuseen und Galerien sowohl in deutschen als auch internationalen Städten hat er mit seiner Banane als besonderen Kunstort geadelt. Der Bananensprayer war Mitbegründer des Künstler-Kollektivs CAP Cologne.

30 Jahre Bananensprayer, „street art“, Art-Eck, Küllersberg 1, Vernissage heute, 16 Uhr. Öffnungszeiten: freitags 14 bis 19 Uhr und samstags 10 bis 14 Uhr. Die Schau endet am 7. Januar 2017.

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