Theater

400 Besucher bejubeln Dornröschen

Herausragende tänzerische Leistungen prägten die Aufführung.
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Herausragende tänzerische Leistungen prägten die Aufführung.

Mit „Sleeping Beauty“ kehrt im renovierten Theater wieder Leben auf der Bühne ein.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Stehender Applaus, Bravo-Rufe und begeistertes Johlen – immer neue Verbeugungen der Protagonisten wurden gefordert. Strahlend nahmen die Tänzer und Tänzerinnen der „Compagnie Illicite Bayonne“ diese Ovationen entgegen. Ebenso Fabio Lopez als künstlerischer Leiter sowie Michael Ellis Ingram, der die Bergischen Symphoniker gefühlvoll und klar durch Tschaikowskys fulminant-romantische Musik dirigiert hatte.

Im Foyer schritten die Theaterbesucher über den neuen roten Teppich.

70 Minuten ohne Pause hatte das elfköpfige Tanzensemble auf der frisch renovierten Bühne des Pina-Pausch–Saals ein Feuerwerk an Choreografie-Kunst, Grazie, technischem Können und Ausdruck abgeliefert. Fabio Lopez' Interpretation von „Sleeping Beauty“, zu Deutsch „Dornröschen“, nahm mit ihrer Inszenierung auf besondere Weise mit in die Welt der Mythen und Märchen und damit zur Präsentation der Gegensätze „Gut und Böse“, „Liebe und Hass“.

Die Handlung unterscheidet sich etwas von der in Deutschland bekannten Version der Brüder Grimm, sie beruht in weiten Teilen (abgesehen vom Ende) auf Charles Perraults Märchen „La Belle au bois dormant“ („Die Schöne im schlafenden Wald“). Dramaturg Lopez gibt in seiner Fassung der Figur der Fee Carabosse viel Raum und macht durch ihren Sohn eine noch tiefere Dimension möglich.

Klassisches Ballett mit Spitzentanz, filigranen Pirouetten, luftig aussehenden Hebefiguren, sehnsüchtig-verliebten „Pas de deux“ getanzt zu leidenschaftlicher Musik nahmen die Zuschauer in den gut gefüllten Sitzreihen schnell mit ins buchstäblich zauberhafte Bühnen-Geschehen. Insbesondere die Auftritte der Bösen Fee Carabosse fesselten immer wieder aufs Neue: Großgewachsen und maskulin, in einem Kleid aus Papierblumen steckend, akzentuierte sie ihre schwarze Seele mit mitunter roboterartigen Bewegungen, geduckter Haltung und lauernden Schritten.

Geschmeidig und unschuldig dagegen schwebte Prinzessin Aurora, schwanengleich an Odette in „Schwanensee“ erinnernd, immer wieder mit grazilen Trippelschritten in die mit atmosphärisch passendem Licht ausgeleuchtete Geschichte. Ein Brückenbogen mit fünf Toren als einziges Kulissenelement wurde dadurch immer wieder zum neuen Handlungsort – zum Wald, zum Ballsaal, zur Kammer. Prinz Florimund überzeugte ebenfalls durch perfekte Tanztechnik und große Ausdruckskraft: Seine Wandlung vom zunächst gefügigen „Dornensohn“ der Fee Carabosse, der Aurora durch einen Stich seines Stachelkleids in ewigen Schlaf versetzte, bis hin zum Rächer und schließlich zum liebevollen Wieder-Erwecker der Prinzessin, beeindruckte die Zuschauer.

Besucher genossen dieAtmosphäre im renovierten Haus

Viele junge Leute waren im Publikum, ganz offensichtlich Mitglieder der Solinger Tanzschulen, die begeistert und hingerissen „Maß“ nahmen an dem Können der Profis auf der Bühne und mit Beifall nicht sparten – immer wieder spontan zwischendurch, am Schluss sowieso.

Mit der Aufführung von „Sleeping beauty“ meldete sich das Theater und Konzerthaus aus seiner mehrmonatigen Renovierungsphase zurück. Seit den Sommerferien hatten Kulturveranstaltungen an anderen Spielorten des Stadtgebiets stattgefunden.

Am Donnerstagabend hatten die rund 400 Besucher, die gerne zurück in Solingens größten „Kulturtempel“ gekehrt waren, um die „Wir-sind-wieder-da“-Premiere mitzuerleben, offensichtlich viel Freude am Wiedersehen: Ein Begrüßungsglas Sekt oder Orangensaft in der Hand, gab es herzliche Wortwechsel mit den Mitarbeitern im Foyer, am Eingang, an der Garderobe, an den Saaltüren oder an der Theaterkasse, wo viele noch spontan ein Ticket lösten. „Schön, wieder hier zu sein“, war der allgemeine Tenor.

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