75. Bergische Kunstausstellung

Künstler kombiniert die Welt analoger Museen mit dem Cyberspace

Senders „Exit“ ist eine Collage aus bearbeiteten Smartphone-Fotos und analoger Malerei. Foto: Pascal Sender
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Senders „Exit“ ist eine Collage aus bearbeiteten Smartphone-Fotos und analoger Malerei.

Für die 75. Bergische Kunstausstellung verschiebt Preisträger Pascal Sender bekannte Kunst-Horizonte.

Von Philipp Müller

Pascal Sender geht durch die Straßen. Er fotografiert Details mit dem Smartphone. Sofort verändert er das Gesehene auf dem kleinen Bildschirm. Dazu hat er sich selbst eine bildgestalterische App für das mobile Telefon programmiert. Er fährt U-Bahn, sucht Menschenansammlungen auf, hat den Blick für geometrische Muster. Immer wieder macht er Fotos, bearbeitet sie und legt sie Ebene für Ebene in ein digitales Gesamtwerk. Das wird großflächig ausgedruckt. Im Atelier geht der in der Schweiz geborene Künstler dann mit verschiedenen Farben, Stiften, Spraydosen an das Gedruckte.

Fertig? Mitnichten. Es wird wieder fotografiert, die Datei des Bildes geht in den PC und durchläuft eine zweite digitale Verwandlung. Nun entsteht Augmented Reality (AR). Das heißt, die Fläche fängt an zu leben. Figuren und Formen tanzen aus dem gewohnten Rahmen. All das kann Pascal Senders „Exit“ auch. Die Jury für den Internationalen Bergischen Kunstpreis zeichnete es jetzt aus. Am 18. September erhält der an der Kunstakademie in Düsseldorf ausgebildete Künstler dafür 10 000 Euro, die die Nationalbank aus Essen gesponsort hat. Das Werk fasziniert so sehr, dass es sicher Chancen beim Publikumspreis haben wird, der im Rahmen der 75. Bergischen Kunstausstellung von der Stadt-Sparkasse Solingen ausgelobt wird.

Galerie Saatchi feiert Sender für „Durchbruch in der Kunst“

Das große Talent und Potenzial des Künstlers hat längst die Kunstwelt entdeckt. Im vergangenen Jahr stellte in London die renommierte Galerie Saatchi Yates Pascal Sender aus. Dort zeigte er seine Szenen von Menschen aus dem Alltag. Die Galerie beschreibt es so: Er male „komplexe Studien über die menschliche Figur und alltägliche Szenen des zeitgenössischen Lebens – eine Empfangsdame an ihrem Telefon, eine eingeölte Bodybuilderin, die für ein Selfie posiert, einen Mann, der auf einen Bus wartet.“ Natürlich wandern auch diese Bilder auf den digitalen Pfaden und springen per App aus ihrem Rahmen, wenn die Betrachtenden ihr Handy entsprechend starten.

Für die die Londoner Galerie ist auch ein Grund, den in Düsseldorf lebenden Künstler auszustellen, weil er eine „Innovation geschaffen“ habe, „mit der die Bilder in Augmented Reality angezeigt werden können“. Zugleich lobt sie Sender schon fast euphorisch: „Dieser Durchbruch in der Kunst der neuen Medien spiegelt das moderne Leben auf einzigartige Weise wider.“

Der Hochgelobte fand so auch Aufnahme in die Schau „Die Digitale“ in Düsseldorf, die sich als Festival der Kunst der neuen Medien aus aller Welt versteht.

Schon jetzt ist das prämiierte Werk „Exit“ auch digital zu sein

Das Werk „Exit“ hat Sender natürlich längst digital verfügbar gemacht – denn für den Künstler verlieren die Grenzen der analogen und digitalen Schau an Bedeutung. Doch nicht die Zweidimensionalität wie im Museum präsentiert er im Internet. Vielmehr lässt er sein Werk auf dem Handy mit 3D-Effekten auf dem Smartphone entstehen. Plötzlich wird „Exit“ zur drehbaren Skulptur in jeder Umgebung. Der folgende Link funktioniert nur auf Smartphones, die die AR-Präsentation unterstützen:

https://t1p.de/edrq

Und wer wissen will, wie der junge Künstler digital und zugleich analog künstlerisch tickt, wird das auch in seinem alten Video „Best of Periscope paintings“ leicht erkennen:

https://t1p.de/jd8e

Die 74. Internationale Bergische Kunstausstellung startete 2020 ohne Eröffnung.

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