Vorbereitungen für den Ernstfall

Krisensicherung oder Männerspielzeug?

Mit Holz wird der Petromax-Ofen befeuert. Der gusseiserne Topf reicht für einen Familieneintopf.
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Mit Holz wird der Petromax-Ofen befeuert. Der gusseiserne Topf reicht für einen Familieneintopf.

Ob und wie man sich auf einen möglichen Blackout vorbereiten soll, ist umstritten. ST-Redakteure testen das eine oder andere Gadget.

Simone Theyßen-Speich: Macht das eigentlich Sinn?

Am liebsten würde man die Augen verschließen vor all den Krisen. Aber die aktuelle Situation und die Aussicht, dass es noch schlimmer werden könnte, wird von nicht wenigen Experten diskutiert. Und ebenso viele Tipps gibt es, wie man sich auch als privater Haushalt gegen die Krisen rüsten kann. Etwa um im Falle eines längeren Stromausfalls, des oft zitierten Blackouts, gewappnet zu sein. Aber wer hat eigentlich berechnet, dass der maximal 72 Stunden dauern könnte, und was machen wir, wenn in Stunde 73 die Lichter immer noch nicht wieder angehen?

Radio hören: Das funktioniert im Notfall auch mit dem Kurbelradio, das keinen Strom braucht. ST-Redakteurin Simone Theyßen-Speich hat es ausprobiert.

Auf jeden Fall ist klar, was alles nicht mehr geht, wenn nichts mehr geht. Licht, Heizung und warmes Essen fallen einem sofort ein. Aber auch Tankstellen, Wasserwerke und die gesamte Informationstechnologie werden bestenfalls noch mit Notstromaggregaten versorgt werden können. Schnell ist natürlich der Handel auf das Thema angesprungen. Vom Kochbuch „Kochen ohne Strom“ bis zu diversen Überlebens-Sets ist alles zu bekommen. Dabei sollte aber gut überlegt werden, was notwendig und sinnvoll ist.

Bei Lebensmitteln ist ein gewisser Vorrat an Konserven eine sichere Sache. Der Inhalt aus Gemüse-, Eintopf- oder Fischkonserven kann notfalls auch kalt verzehrt werden. Nudelpakete zu horten, ist da eher wenig sinnvoll – eine schlechte Nachricht für all diejenigen, die noch kiloweise Vorräte aus den Corona-Hamsterkäufen haben.

Wenn es darum geht, eine Krise zu meistern, Haus und Hof und die darin lebenden vermeintlich hilflosen Frauen und Kinder zu retten, dann werden auch Männer gerne wieder zu Helden.

Auch der Handel reagiert und bietet Erfindungen wie das Kurbelradio an: Man braucht keinen Strom, nicht mal eine Batterie, und es funktioniert einwandfrei, wenn man etwas gekurbelt hat – und liefert dank eingebauter Taschenlampe sogar noch Licht.

Das gehackte Holz landet zwecks Kochen im Petromax-Ofen

Gut also, wenn der Blackout nur in der eigenen Straße ist und man sich übers Radio informieren kann. Bei flächendeckenden Stromausfällen könnte es aber auch mit dem Senden der Radio-Informationen eng werden.

Da muss sich die Familie dann auf sich selbst konzentrieren und sich um die heimische Feuerstelle versammeln. Induktionsfeld und Mikrowelle waren gestern – der krisenfeste Mann hat längst Holz gehackt und beispielsweise einen Petromax-Ofen angeschafft. Nicht ganz billig, dafür aber formschön und mit Nostalgie-Charme. Auf dem Feuerofen kann dann im großen gusseisernen Topf ein Familieneintopf gekocht werden. Auch Wasser könnte man in dem Topf erhitzen – in der zum Set erhältlichen Kaffeekanne ist es aber noch schöner.

Philipp Müller: Powerstation? Mal kurz nachrechnen...

ST-Redakteur Philipp Müller rechnet es mit einem kleinen Stromzähler vor: Bis sich eine Solar-Notfall-Batterie fürs Homeoffice rechnet, braucht es Jahre.

Um sich für den Notfall zu wappnen, bietet sich auch eine Batterie an, die ganze Stadtwerke ersetzen können soll. Die heißt heute Power-Station und kann sowohl bei 5 Watt das Handy laden oder mit 500 Watt einen Grill glühend betreiben. Wo ist der Haken? Es ist ein ganzes Brett voll Haken.

Erster Haken: Mindestens 1000 Euro blättert der Verbraucher für eine Batterie hin. Sie wird dann über das normale Stromnetz aufgeladen und liefert anschließend 1000 Watt Strom – oder mehr oder weniger, was sich auch extrem im Preis nach oben und unten niederschlägt.

Zweiter Haken: Wie lange hält die Batterie, was will man im Falle eines Blackouts am Leben halten? Ich rechne es mal aufs Homeoffice um. Dazu dient ein kleiner Stromzähler, den ich mir gekauft habe. PC, Bildschirm, ab und zu das Handy laden und auch mal den Drucker anwerfen, das verbraucht so um die 50 Watt die Stunde. Solingens Elektroinnungsobermeister Frank Roth bestätigt das: „Wir rechnen mit 500 Watt Stromverbrauch pro Tag im Homeoffice.“

Mit Solarenergie betrieben rechnet sich die Batterie kaum

Dritter Haken: Nach 20 Stunden ist bei einer 1000-Watt-Batterie der Spaß vorbei. Und die Kosten bleiben. Die knapp 40 Cent pro Kilowatt-Stunde Strom müssen auch im Verhältnis zur Anschaffung betrachtet werden. Denn zum Geschäft wird das erst, wenn der Strom nicht aus der Steckdose, sondern über Solarpanel, das berühmte Balkonkraftwerk, in die Batterie kommt. Idee: Immer wieder die Batterie per Sonne laden, Homeoffice anschließen, bis der Preis sich amortisiert hat. Zwei Tage Homeoffice kosten 80 Cent. 1000 Euro für die Batterie und 400 Euro für die Solarpanels sind nach 1750 Tagen wieder drin – praktisch, denn der Akku lädt nur 2000 bis 3000 Mal. 200 Nutzungstage im Jahr angesetzt, ist nach acht Jahren und neun Monaten die Gewinnzone erreicht.

Vierter Haken: Der in Solaranlagen versierte Kollege schaut mir, nachdem ich ihm – ihn freudig anstrahlend – das Modell schlau vorgerechnet habe, tief in die Augen: „Im Winter kannst Du das völlig vergessen, da ist dauernd dunkel und viel zu wenig Sonne.“ Also: Kerzen und Bücher für den Blackout kaufen? Und wer braucht im Blackout ein Homeoffice?

Fünfter Haken: Die in freudiger Erwartung bestellte Power-Station mit Solarflügeln kommt nicht, die Lieferung bleibt aus. Einschub: Wenn das Wort „Zeitenwende“ das Wort des Jahres 2022 ist, so sollte das Unwort „Lieferengpass“ sein. Die Antwort auf die vom Lieferanten fürs im Preis-Leistungs-Verhältnis günstige Modell gestellte Frage, ergibt sich nach nüchterner Betrachtung der betriebswirtschaftlichen Aussichten eigentlich von selbst: „Storno oder Nichtstorno?“ Storno.

Für den Notfall richtig gerüstet sein

Für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn gilt: „Im Notfall zählt jede Sekunde.“ Wichtige Empfehlungen und Checklisten für die persönliche Notfallvorsorge – von Dokumentenmappe bis Lebensmittelvorrat – hat das Bundesamt digital zusammengetragen: www.bbk.bund.de. Dort gibt es auch diese Checkliste zum Ausdrucken und Ausfüllen.

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