Die Woche von Stefan M. Kob

In der Krise liegt die Chance für Tourismus im Bergischen

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stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Spät, aber vielleicht nicht zu spät, haben die Verantwortlichen erkannt, dass in der furchtbaren Corona-Krise auch Chancen für unsere touristisch unterbelichtete Region liegen.

Schließlich ist der gewohnte Blick in die Prospekte mit den Sehnsuchtszielen in Malle oder Mauritius derzeit stark getrübt. Selbst wenn inzwischen schon wieder was geht, schreckt viele die Vorstellung, sich in einen der engen Charterflieger zu quetschen und damit auch das Risiko einer Infektion in die Höhe zu schrauben.

Also bleibt man mehr im eigenen Lande und schaut, was man in der Nähe unternehmen kann. Weil – zumindest in den frequentierten Sommerferien – die deutschen Inseln oder bayerischen Berge unerreichbar scheinen wie Sansibar, könnte ja jemand auf die Idee kommen, einmal eine andere unbekannte Region zu entdecken. Die exotisch klingt, verschwiegen wirkt, schwer zugänglich ist und garantiert mit Mindestabstand funktioniert. Mit anderen Worten: das Bergische Land.

Wir Solinger wissen ja, welche Reize unsere Stadt für abwechslungsreiche Freizeitgestaltung bietet: Schloss Burg besuchen mit dem neuen tollen Museum? Oder lieber im Galileum in die Sterne gucken? Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke bewundern oder lieber die Wanderwege entlang der Wupper erkunden? Sich sportlich den Klingentrail herabstürzen oder endlos über gemütliche Bahntrassen durchs Bergische radeln? Oder in einem der Fabrikshops ein weltberühmtes Solinger Messer als Schnäppchen erwerben? „Mensch, entdecke Solingen“ lautet der Slogan der Tourismuskampagne, mit der die Stadt ab kommender Woche von Aachen bis ins Ruhrgebiet für ihre Reize werben will. Gleichzeitig schnürt die regionale Tourismusorganisation „Die Bergischen Drei“ ein attraktives Paket: Mit der Bergischen Karte erhält man Rabatte in Museen oder Shops, wird im Restaurant zum kostenlosen Kaffee eingeladen und vieles mehr.

Außerdem kann man seit neuestem mit dem Doppeldecker-Cabriobus zu den bergischen Sehenswürdigkeiten fahren – man fühlt sich fast wie in Hamburg oder Berlin. Ob die Tourismus-Offensive noch rechtzeitig kommt, um im Wettbewerb der Ferienregionen zu punkten, ist ungewiss – aber angesichts der vielen Unentschlossenen nicht völlig aussichtslos.

Zu spät kommen in jedem Fall die bevorstehenden Brückenprojekte im Osten und Westen der Stadt. Immerhin geht es jetzt endlich los an der Strohner Brücke, wo der Abriss beginnt und damit die Hoffnung, dass dort mit Hilfe von Spenden der Leser des Solinger Tageblatts ein kleiner touristischer Magnet entsteht.

Ein etwas weiterer Weg ist der kühne Plan eines „Skywalks“ über den Welterbe-Aspiranten Müngstener Brücke. Die Idee, im Wahlkampf geboren, aber mit dem Zeug zum Kassenknüller, klingt so naheliegend und doch so fern. Mit einer solchen Attraktion würde man sofort in die Topliga der Tourismus-Hotspots aufsteigen. Mit einer simplen Hängebrücke zieht ein Dörfchen im Hunsrück jedes Jahr Hunderttausende Wanderer an. Doch ob wir im Bergischen wirklich „groß“ können? Da bleiben Zweifel.

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