Friedensdorf

Kriegskinder werden in der St. Lukas Klinik operiert

Der neunjährige Jawid klettert die Gangway hinauf. Er ist eines von 88 Kindern aus Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Armenien, die am Mittwoch von der Hilfsorganisation Friedensdorf International zur Behandlung nach Deutschland geflogen wurden. Jawid wird in der St. Lukas Klinik behandelt.
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Der neunjährige Jawid klettert die Gangway hinauf. Er ist eines von 88 Kindern aus Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Armenien, die am Mittwoch von der Hilfsorganisation Friedensdorf International zur Behandlung nach Deutschland geflogen wurden. Jawid wird in der St. Lukas Klinik behandelt.

Mit dem 75. Afghanistan-Einsatz des Friedensdorfs kamen auch Jawid und Dur Mohammad. Sie werden in Ohligs versorgt.

Von Uli Preuss

Staunen, wenn eine Wasserflasche zischt, weil in Kabul Wasser nur aus Brunnen oder Plastikkannen kommt. Zucken, wenn ein Helikopter über der Stadt fliegt, weil dann Unheil droht. Warmes Essen im warmen Zimmer – immer. Eine Reise zum Mars – auf Jawid und Dur Mohammad muss ihr Flug nach Deutschland so gewirkt haben. Jetzt lächeln die neun- und elfjährigen Jungen müde und dankbar. Denn das gemeinsame Krankenzimmer an der Schwanenstraße scheint wie geschaffen, die Geborgenheit zu vermitteln, die sich Kriegskinder so wünschen.

Schwester Jennifer, Arzt Lazarescu und Maryam Sabri mit Jawid und Dur Mohammad.

Zur Wochenmitte starteten die beiden Friedensdorfkinder zusammen mit weiteren 67 verletzten Kindern in Kabul. Weitere kamen aus Tadschikistan, Armenien und Usbekistan. Insgesamt holte die Kinderhilfsorganisation Friedensdorf International 88 Kinder in deutsche Krankenhäuser.

In Kabul schmilzt derzeit der Schnee, endlich. Doch immer noch sind die Nächte bitterkalt. Die Eltern, die am vergangenen Dienstag mit ihren kranken Kindern bei den Friedensdorf-Helfern Kevin Dahlbruch und Mareike Jansen vorsprachen, waren durchfroren und wärmten sich am kleinen Ofen im Büro. Menschen waren darunter, die vier Tage am Salang-Pass oberhalb Kabuls ausgeharrt hatten. Zweieinhalb Meter Schnee machten die Straßen in einer Höhe von fast 3900 Metern unpassierbar.

Die Menschen haben oft keine Socken an den Füßen – im Schnee

Ein Blick auf die Füße reicht in Kabul oft, um zu ahnen, wie arme Menschen hier leben. Gummilatschen, ausgetretene Halbschuhe und in den wenigsten Fällen Socken an den Füßen – im Schnee. Mit wenig an Füßen und Körper kamen auch Jawid und Dur Mohammad. Die beiden Jungen sprechen dieselbe Sprache – Dari. Noch mehr Gemeinsamkeiten haben die kleinen Afghanen, die am Mittwochabend in der Ohligser St. Lukas Klinik aufgenommen wurden. Dort, bei Chefarzt Dr. Markus Meibert, werden die Jungen von einer heimtückischen, schmerzhaften Krankheit befreit, die unsere Großeltern schon nach dem Weltkrieg fürchteten: Knochenfraß. Was im medizinischen Fachjargon etwa „Hämatogene fistelnde Osteomyelitis“ heißt, kann von einem Chirurgen leicht, aber medizinisch aufwendig operiert werden. Doch in Afghanistan könnte sich ein armer Bauer oder Tagelöhner für sein Kind diese Behandlung nie leisten.

„Besonders bei dem kleinen Jawid werden Operationen nötig sein.“
Dr.Markus Meibert

Hier springt seit Jahrzehnten die Kinderhilfsorganisation Friedensdorf ein, holt seit 30 Jahren afghanische Kinder zur medizinischen Versorgung nach Deutschland und bringt sie immer zu ihren Eltern zurück. Vernachlässigt man die Leiden in Ländern wie Afghanistan, in denen die arme Bevölkerung bitter unter einer unfassbaren Mangelversorgung leidet, kann Knochenfraß sehr schmerzhaft und im Endstadium tödlich sein.

Chirurg Markus Meibert (56): „Besonders bei Jawid werden Operationen nötig sein, aber ich bin sicher, dass wir helfen können.“ Während die Chirurgen an der Schwanenstraße den eitrigen Ausfluss aus Jawids Ellenbogen stoppen, wird es für den älteren Dur Mohammad vielleicht glimpflich verlaufen. Doch noch ist es möglich, dass unter der verheilten Hautfläche eine Knochenentzündung lauert. Weitere Untersuchungen folgen.

Für den Unfallchirurgen und seine Kollegen von der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist die Behandlung von Friedensdorfkindern nichts Neues. In Solinger Kliniken, allen voran in der St. Lukas Klinik, aber auch im Klinikum, werden immer wieder Kriegskinder des Friedensdorfes operiert.

Wie jetzt bei Jawid und Mohammad. Sie landeten am Mittwochabend an Bord einer Boeing 737-400 der ukrainischen Yanair. Von Düsseldorf aus wurden viele der Kinder direkt in die Krankenhäuser der Republik gefahren. Im Rettungswagen des Solinger Roten Kreuzes ging es für Jawid und Dur Mohammad noch am Abend zur Schwanenstraße. Die Solinger fahren seit 2006 ehrenamtlich für das Friedensdorf, sind viermal jährlich bei den großen Einsätzen dabei. DRK-Helfer Dirk Hermes, der an diesem Abend mit Kollegin Sophie Kleckers und Helfer Andreas Dahmen unterwegs war, weiß auch warum: „Hier zu helfen, prägt, denn es ist eine andere Form von Leid, wie wir es aus Deutschland kennen.“

Friedensdorf hilft Kriegskindern aus Afghanistan

 © Uli Preuss
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Alle geben einen Faden für das Hemd des Armen, umschreibt ein weißrussisches Sprichwort die Friedensdorfarbeit treffend. Denn ohne viele Ehrenamtler wäre so eine Kinderhilfe niemals möglich. So waren am Abend auch gleich die gebürtige Afghanin Maryam Sabri und Helene und Reiner Brinkmann dabei, als Assistenzarzt Laurentiu-Bogdan Lazarescu die Kinder untersuchte. Sie gehören zu einem Solinger Helferkreis, der sich in der kommenden Zeit täglich um Jawid und Dur Mohammad kümmern wird.

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