Bäume

Krankheit setzt Solinger Buchen zu

Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, fällt die Stadt Buchen im Lochbachtal.
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Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, fällt die Stadt Bäume im Lochbachtal.

Stadt fällt kaputte Bäume im Lochbachtal – Bestände sind fast 200 Jahre alt.

Von Manuel Böhnke

Solingen. 170 bis 190 Jahre haben die Buchenbestände im Lochbachtal auf dem Buckel. Doch nun sind die Bäume gefährdet. Drei wird der Stadtdienst Natur und Umwelt in der zweiten Oktober-Woche fällen, kündigt die Verwaltung an. 17 weitere werden genauer untersucht. Hintergrund ist die Buchenkomplexkrankheit. Die trete aufgrund der Trockenheit der vergangenen Jahre landesweit vermehrt auf und setze den Bäumen sichtlich zu. „Nach der Fichte macht uns jetzt die Buche große Sorgen“, bestätigt Stadtförster Michael Conrad.

Laut Rathaus-Angaben sind die Rotbuchenbestände zwischen Wallstraße und Becher Mühle betroffen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit gebe es keine andere Wahl, als die drei Bäume zu fällen. Bei vier anderen werde die Krone abgetragen, bei 13 weiteren „soll es zunächst dabei belassen werden, pilzbefallene und anderweitig beschädigte Äste sowie Totholz zu entfernen“.

„Fällungen sollen das allerletzte Mittel der Wahl sein.“

Stadt Solingen

Das ist zumindest der Plan. Denn die Stadt betont vorsorglich: „Sollten bei den Arbeiten weitere Schäden und bislang nicht bekannte Gefahrenquellen entdeckt werden, muss gegebenenfalls entsprechend reagiert werden.“ Zusätzliche Fällungen schließen die Verantwortlichen nicht aus. Dieser Schritt sei allerdings „das allerletzte Mittel der Wahl“.

Seit Sommer vergangenen Jahres beschäftigt sich die Stadt mit den beschädigten Buchen. Seinerzeit sei zu beobachten gewesen, „dass eine größere Zahl an Bäumen schon viel zu früh im Juni das Laub verlor“. Weil das Lochbachtal als Spazier- und Wanderstrecke sehr beliebt ist, rückte die Frage der Verkehrssicherheit in den Fokus. Ein Sachverständiger habe die Buchen untersucht und erklärt, bei welchen es genügt, Äste zu kürzen und die Krone zu pflegen.

Der Gutachter war es auch, der die Buchenkomplexkrankheit diagnostizierte. Charakteristisch für diese sei ein „plötzlicher und drastischer Vitalitätsverlust der befallenen Bäume“. Totholz entstehe, Äste brechen ab. Ursächlich sei vor allem Trockenheit.

Bereits im Februar 2022 wurden im Lochbachtal „neun akut gefährliche Buchen“ gefällt, drei weitere gestutzt. Während des Sommers ruhten die Arbeiten wegen der Vogelbrutzeit. Nun werden sie fortgesetzt. Voraussichtlich zwei Wochen nimmt die Maßnahme in Anspruch. Während dieser Zeit sind wechselnde Abschnitte der Spazier- und Wanderwege im Lochbachtal vorübergehend nicht zugänglich. Streckenposten erklären vor Ort, wie lange die Sperrung dauert, und nennen mögliche Umleitungen.

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Die Stadt betont, bei den Arbeiten ein Augenmerk auf Höhlen und Spalten zu legen. Mit Endoskopen werde untersucht, ob sie Fledermäusen als Unterschlupf dienen. Sollte das der Fall sein, „werden die Arbeiten vorübergehend abgebrochen und der Weg gesperrt, bis eine dauerhafte Lösung gefunden worden ist“. So war das Vorgehen auch an der Leichlinger Straße. Dort war für gestern das Fällen von fünf umsturzgefährdeten Buchen zwischen Haasen- und Ölmühle mit einem Spezialkran angekündigt. Vorab wurde überprüft, ob die Bäume Fledermäusen als Quartier dienen.

Dafür kam ein Hubsteiger zum Einsatz. Im Lochbachtal ist das nicht ohne Weiteres möglich. Die dort betroffenen Bäume seien zum Großteil nicht per Hubsteiger erreichbar – es müsse mit Seilklettertechnik gearbeitet werden, was wegen der hohen Bruchgefahr der Stämme und Äste nicht ungefährlich sei. Wegen der komplizierten Ausgangslage sei es nicht möglich, alle Bäume vollständig auf Fledermäuse zu überprüfen. Die Fällung werde durch eine fachkundige Person begleitet, um die Tiere im Ernstfall zu bergen und in ein Übergangsquartier zu bringen.

Buchenbestände

Fast 200 Jahre alt sind manche Buchen im Lochbachtal. „Ökologisch sind die Bäume sehr wertvoll, weil sie wichtige Lebensräume bieten“, erklärt die Stadt. Demnach schaffen Insekten und holzabbauende Pilze Faulstellen, die Spechten, Waldkäuzen und Hohltauben als Brutmöglichkeiten sowie Fledermäusen als Sommerquartier dienen. In Solingen gibt es größere Buchenbestände beispielsweise an der Krüdersheide, im Nacker Bachtal, in der Wipperaue, im Ittertal sowie im Hackhauser Wald, erklärt die Verwaltung.

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