Geschäftslageindex

Umfrage: Gute Stimmung in der Wirtschaft, aber . . .

Entwicklung des Geschäftslageindex
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Entwicklung des Geschäftslageindex

Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Bergischen IHK – Unternehmer fürchten Steuererhöhungen.

Von Sven Schlickowey

Solingen. Die Stimmung in der bergischen Wirtschaft ist gut, deutlich besser noch als vor einigen Monaten – und diese gute Stimmung erfasst auch immer mehr Branchen und Betriebe. Trotzdem wirkte der neu gewählte IHK-Präsident Henner Pasch bei seiner ersten Vorstellung der regelmäßig durchgeführten Konjunkturumfrage seiner Kammer durchaus zwiegespalten. Denn den guten Aussichten stehen auch Sorgen und Unwägbarkeiten gegenüber. Steigende Rohstoff- und Energiepreise zum Beispiel, der Fachkräftemangel und auch mögliche Steuererhöhungen bewegen die Unternehmer in der Region.

In der aktuellen Umfrage bewerten 36 Prozent der mehr als 500 teilnehmenden Firmen ihre geschäftliche Lage als „gut“, zwei Prozentpunkte mehr als noch im Mai. 48 Prozent sprechen von einer „befriedigenden“ Lage, nur noch 16 Prozent – nach 26 im Mai – sehen ihre Lage als „schlecht“ an. Damit steigt der Geschäftslageindex, der sich aus der Differenz von „gut“ und „schlecht“ errechnet, von 8 auf 20 – und über das Niveau von Ende 2019, also vor der Pandemie.

„Die Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft und erwarten höhere Gewinne“, fasste Henner Pasch die Umfrage zusammen. Das gelte wie schon in den letzten Monaten vor allem für die Industrie („Fast jedem zweiten Industrieunternehmen geht es gut“), betreffe inzwischen aber auch immer mehr andere Bereiche. „Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie bewerten die Einzelhändler ihre Geschäftslage überwiegend positiv“, nannte der IHK-Präsident ein Beispiel. Auch die Gastwirte und Teile des Verkehrsgewerbes spürten nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen Verbesserungen, ebenso der Großhandel.

Zudem profitiere der Dienstleistungssektor vom Aufschwung, so Pasch: „Insbesondere die industrienahen Dienstleistungen wie Speditionen.“ Aber auch im IT-Bereich gehe es voran, berichtet der Geschäftsführer einer Software-Firma aus eigener Erfahrung: „Wir merken, dass die Industrieunternehmen neuen Mut gefasst haben.“

Bremsen könnten den Aufschwung aber die gestiegenen Preise und Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten, mahnte Henner Pasch: „Das kann man nur zum Teil an die Kunden weitergeben.“ Die Folge seien wohl sinkende Gewinne trotz steigender Umsätze. Und damit weniger Steuern für die Kommunen und weniger Geld für Investitionen: „Vom Umsatz kann man keine Maschinen kaufen.“

Ähnlich gravierend werde sich der Fachkräftemangel auswirken, prophezeite der IHK-Präsident: „Da laufen wir schon in eine dramatische Situation rein.“ Heute bereits müssten Unternehmer Aufträge ablehnen, weil ihnen die Leute fehlen. Angesichts zahlreicher offener Ausbildungsstellen dürfte sich das Problem in Zukunft verschärfen, sagte Carmen Bartl-Zorn, bei der IHK für Aus- und Weiterbildung verantwortlich: „Jeder nicht besetzte Ausbildungsplatz ist in Zukunft eine fehlende Fachkraft.“

Und auch möglichen Steuererhöhungen erteilt die Bergische IHK eine klare Absage, sowohl mit Blick auf die Sondierungsgespräche im Bund als auch angesichts einer Diskussion um höhere Gewerbesteuersätze in Wuppertal: „Das geht nicht“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführung Michael Wenge.

Überhaupt hänge nach wie vor viel von der Entwicklung der kommenden Monate ab, machten die IHK-Vertreter deutlich. Zum Beispiel von den Fortschritten bei den Koalitionsgesprächen in Berlin. „Wenn da deutlicher wird, in welche Richtung es geht, könnte das weitere Investitionen auslösen“, ist Pasch überzeugt. Und für die Gastronomie und den Einzelhandel vor Ort im Bergischen sei ein gutes Weihnachtsgeschäft enorm wichtig. Falle das erneut ins Wasser, so der IHK-Präsident, bedeute das wohl das Aus für viele Unternehmen in der Region.

Hintergrund

513 Unternehmen mit zusammen rund 24 900 Mitarbeitern aus dem Bezirk der Bergischen IHK, den die drei bergischen Großstädte bilden, nahmen diesmal an der Konjunkturumfrage teil, die Teilnehmerzahl ist in der Zeit der Pandemie deutlich gestiegen. Darunter 122 Firmen mit zusammen etwa 8400 Mitarbeitern aus Remscheid, 137 Unternehmen mit 4800 Mitarbeitern aus Solingen und 252 Firmen mit rund 11 500 Mitarbeitern aus Wuppertal.

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