Theatergruppe Gaudium

Pension Schöller: Komödie mit Witz und Tempo

Die Schauspieler verkörperten gut die Rollen der verschrobenen Pensionsgäste.Foto:Michael Strahlen
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Die Schauspieler verkörperten gut die Rollen der verschrobenen Pensionsgäste.

Theatergruppe Gaudium ist nach zwei Jahren mit „Pension Schöller“ zurück auf der Bühne. Noch Karten für nächste Aufführungen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Ohligs Am Ende war sogar der Sprachfehler des jungen Eugen wundersamerweise behoben und seiner aufstrebenden Karriere als Schauspieler stand nichts mehr im Wege: Die Theatergruppe Gaudium der Evangelischen Kirchengemeinde Ohligs präsentierte am Wochenende nach zwei Jahren Corona-Pause die durchaus mit Patina behafteten und dennoch immer noch durch Witz und Tempo überzeugenden Komödie „Pension Schöller“ von Carl Laufs und Wilhelm Jacobi, geschrieben Ende des 19. Jahrhunderts. In zum Bistro umgestalteten Kirchenraum der Ohligser Stadtkirche zog für gute zweieinhalb Stunden Unbeschwertheit und gute Laune ein. Am kommenden Wochenende wird es weitere Vorstellungen geben.

Der Neffe des Pensionswirts Schöller, wunderbar überspitzt dargestellt von Mike Kastner mit überschäumender Theatralik, war einer der Gäste in der Privatpension im Berlin der 1920er Jahre, die allesamt überspannt und verschroben daherkamen. So überspannt, dass sie für Philipp Klapproth glaubwürdig als Insassen einer Irrenanstalt durchgingen.

Klapproth, ein reicher Gutsbesitzer aus der Provinz „Kyritz an der Klapper“, gespielt von Alex Kastner, war nach Berlin gekommen, um die Stammtischerlebnisse seiner Kumpel mit eigenen Abenteuern zu toppen. Ganz oben auf seiner persönlichen Erlebnisliste: der Besuch einer speziellen „Heilanstalt für psychisch Erkrankte“, für damaliges Empfinden – offenbar mit einem so geheimen wie angenehmen Gruseln belegt wie die Geisterbahnfahrt auf der Kirmes. Ein Wunsch, der ihm auf die Schnelle von seinem Neffen Alfred und dessen Freund vermeintlich erfüllt wurde.

Turbulenzen und viel Klamauk waren am Samstagabend vorprogrammiert und wurden in reichlichen Mengen geliefert.

„Wir haben uns nach intensivem Überlegen trotz des Ukraine-Krieges für die Aufführungen entschieden“, sagte Christine Baumgart zu Beginn für das Ensemble. Mit viel Spielfreude inszenierte die vielköpfige Gruppe um Regisseur Patrick Wilde die Posse in der Bearbeitung von Stefan Wolf.

Hingebungsvoll etwa schlüpfte Dörte Kiel in die Rolle der kapriziösen und bizarren Schriftstellerin Josefine Krüger mit sich selbst überschätzendem Gesangstalent. Spontanen Applaus gab es folglich für ihre bravourös schrägen Liedvorträge beim Gesellschaftsabend der Pension. Großartig, ihre Konsequenz, laut und fürchterlich zu singen.
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Schauspieler punkteten mit überzogenen Schrulligkeit

Aber auch ihre Ensemble- Kollegen punkteten in der für ihre Rollen vorgesehenen Schrulligkeit: Mario Baumgart als zunächst rastloser Weltenbummler und Großwildjäger, der plötzlich – von Amors Pfeil getroffen – seine Leidenschaft für bürgerliches Liebesglück entdeckt. Ulrike Hostertz, die als Amalie Pfeifer übereifrig bemüht war, ihre Tochter (Marie Stöcker) „bei dem Männermangel in Berlin“ unter die Haube zu bekommen und am Schluss offensichtlich nur halb zufrieden mit der Wahl ihres Ablegers war, die auf Alfred Klapproth (Felix Baumgart) fiel.

Dieter Süß, der den ewigen Major Gröber mit viel Zackigkeit und „Ufftatas“ darstellte oder Matz Kierdorf als schlagfertiger Kellner Jean im ersten Bild des Dreiakters, der das Auditorium mit den ersten Lachern des Abends versorgte. Annette Günther als um ihren Bruder Philipp Klapproth und ihre beiden Töchter (Sonja Sahler und Marie Kierdorf) besorgte „Kümmerin“ überzeugte ebenso wie Volker Gnass als Schöller, der in all dem Trubel den Ruhepol gab und schließlich zur Entwirrung der verwobenen Handlungsfäden beitrug. Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus.

Weitere Termine: Karten und Aufführungen

Weitere Aufführungen gibt es kommendes Wochenende, 18. bis 20. März, jeweils 19.30 Uhr. Ursprünglich ausverkauft, konnte das Kartenkontigent durch geänderte Corona-Regeln aufgestockt werden. Für alle Vorstellungen gilt 2G plus. Tickets: Tel. (02 12) 64 54 16 48.

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