Digital- und Teststrategie

Kommune für Öffnungen: Stadt Solingen bewirbt sich

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Im Testzentrum in der Alten Maschinenhalle sind bis zu 1500 Tests am Tag möglich. Auch Bethanien kann bis zu 1000 Schnelltests täglich abnehmen. Beide Zentren sind bei weitem nicht ausgelastet.

Punkten will Solingen mit Digital- und Teststrategie – Bürger fragen kostenlose Tests derzeit wenig nach.

Solingen. Solingen hat sich beim Land NRW als Modellkommune für kontrollierte Öffnungen nach Ostern beworben. Das bestätigte die Stadt auf Tageblatt-Anfrage. Die Bewerbung sei dem Land am Mittwoch zugegangen. Solingen begründet die Bewerbung unter anderem mit guter digitaler Infrastruktur beim Corona-Management sowie der Teststrategie.

Solingen sei prädestiniert als Modellkommune, weil die Stadt mit hoher Geschwindigkeit digitale Mittel und Wege zur Bekämpfung der Pandemie gefunden habe und gezielt einsetze, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). „Dazu kommt unsere umfassende Teststrategie, die damit ideal korrespondiert.“

So sei Solingen bereits Modellregion für die App „Luca“, die wesentlicher Baustein bei der Kontaktverfolgung wird, betonte Stadtsprecher Thomas Kraft. Außerdem habe die Stadt coronakonforme Buchungsmöglichkeiten für das Bürgerbüro per App sowie eine Software zur Terminbuchung im Impfzentrum für die vorgezogenen Berufsgruppen bereitgestellt. Auch bei der App „Sormas“, die das Gesundheitsamt mit anderen Städten und dem Land verknüpft, sei man mit als erste Kommune dabei gewesen. Dazu komme eine wachsende Zahl an Zentren für Schnelltests sowie die systematischen Lolli-Tests.

Fast ausgelastet sind wir nur freitags und samstags.

Alexander Klein, Geschäftsführer Schnelltest-Zentrum

NRW will in etwa einem halben Dutzend Modellregionen Öffnungen mit strengen Schutzmaßnahmen und Testkonzepten erproben, wie Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gestern erklärte. Die Landesregierung werde solche befristeten Projekte „schnell nach Ostern möglich machen“. Dann könnte erprobt werden, mit negativem Corona-Test wieder Kinos, Sport- oder Kulturveranstaltungen zu besuchen. In den nächsten Tagen sollen die ausgewählten Orte vorgestellt werden. Die Auswahl werde alle Regionen des Landes abbilden und Kreise ebenso wie große Städte, heißt es von der Landesregierung.

Im Gespräch für Solingen ist auch eine Bewerbung im Verbund mit den bergischen Nachbarn. Remscheids OB Burkhard Mast-Weisz (SPD) hat angekündigt, dass sich die Stadt ebenfalls bewerben werde. Er möchte gemeinsame Sache mit Solingen und Wuppertal machen. Aus Solingen habe er dafür positive Signale erhalten. Unklar bleibt, inwieweit dafür noch digitale Infrastruktur und Testkonzepte angeglichen werden müssten.

Neben guten Konzepten zur Kontaktverfolgung braucht es Testzentren in ausreichender Zahl. ST-Recherchen zeigen, dass derzeit weit mehr Tests durchgeführt werden könnten, als nachgefragt werden.

731 Tests am vorigen Freitag waren die bislang höchste Zahl an „Bürgertests“, die die Stadt an das Land gemeldet hat. Allerdings steigen die Zahlen. 2882 Tests wurden in der Vorwoche durchgeführt, davon waren 14 positiv. In der Woche zuvor (8. bis 14. März) waren es nur 1290 (sieben positive).

Alleine im Schnelltest-Zentrum in der Alten Maschinenhalle sind bis zu 1500 Tests am Tag möglich. Auch Bethanien kann bis zu 1000 Schnelltests täglich abnehmen. Beide Zentren sind bei weitem nicht ausgelastet. Bethanien hat vorigen Samstag 130 Schnelltests durchgeführt, davon 100 „Bürgertests“ – der bislang höchste Wert. In der Alten Maschinenhalle werden täglich derzeit rund 700 Tests gemacht, viele aber nicht als „Bürgertest“, sondern als Teil separater Verträge mit Firmen. „Fast ausgelastet sind wir derzeit nur freitags und samstags“, so Geschäftsführer Alexander Klein.

Einmal wöchentlich kann sich jeder Bürger kostenlos testen lassen. Einzige Voraussetzung ist eine deutsche Meldeadresse – nicht die Staatsbürgerschaft. Ein entsprechendes Dokument (Personalausweis, Aufenthaltstitel) muss vorgelegt werden.

Außer im Corona-Schnelltest-Zentrum und in Bethanien werden die Tests vor allem von Ärzten angeboten – und, Stand 24. März, vier Apotheken. „Wir gehen davon aus, dass sich weiterhin Teilnehmer der Bürgertestung anschließen, gerade auch im Bereich der Apotheken“, erklärte Stadtsprecher Thomas Kraft. Die Stadt unterstütze bei der Organisation und helfe, die Mindestanforderungen für ein Testzentrum zu erfüllen.

Eine Liste der Teststellen gibt es online: solingen.de/de/inhalt/coronavirus-test

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Standpunkt

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Es ist gut, dass sich Solingen bewirbt und dabei sein will, falls Kinos, Kneipen oder Theater probeweise geöffnet werden. Jede – sichere – Alternative zum Lockdown verdient eine Prüfung. Die Konkurrenz wird groß sein, viele Städte und Gemeinden in NRW werden mitmachen wollen. Das Prinzip der Modellkommunen dient dabei der Sicherheit: Zunächst soll an ausgewählten Orten erprobt werden, was funktioniert und was nicht. Das ist sicher richtig gedacht. Doch es wäre gefährlich vom Land, gute Test- und Kontaktverfolgungskonzepte zu untersagen. Lange wird niemand erklären können, warum in einer Stadt unmöglich sein soll, was wenige Kilometer weiter erprobt wird. Das birgt Gefahren für die Akzeptanz. Da das Impfen einfach nicht ins Rollen kommt, richten sich die Augen mehr und mehr auf die Teststrategien. Die Solinger Zahlen zeigen: Es wird längst nicht so viel getestet, wie möglich wäre, der Test unter Aufsicht wird noch sehr verhalten angenommen. Warum, ist auch irgendwie menschlich: Derzeit droht nur die Quarantäne, wenn ein Schnelltest positiv ist. Ein Belohnungssystem könnte da wahre Wunder wirken.

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